
Von unserem Reporter im virtuellen Raum.
Die digitale Revolution nimmt eine neue Dimension an: Nach dem statischen Internet 1.0 und der Ära des Social Web mit Facebook & Co. klopft nun das Metaversum an die Tür. Analysten prophezeien einen irrwitzigen Umsatz von 800 Milliarden Dollar bis 2024. Doch hinter den Marketingblasen verbirgt sich ein ernstzunehmender Paradigmenwechsel, der nicht nur auf Gaming und Unterhaltung beschränkt bleibt.
Modehäuser kreieren virtuelle Kollektionen, CEOs planen Vorstandssitzungen im Metaversum, und sogar der bodenständige Einzelhändler Kaufland hat bereits eine virtuelle Insel erworben. In der Industrie setzen Unternehmen schon lange auf digitale Zwillinge, die per VR-Brille gewartet werden können. Ärzte analysieren die Körper ihrer Patienten in virtuellen 3D-Modellen, bevor sie zum Skalpell greifen.
Thomas Schlebach im Studio
Wir sprechen mit Thomas Schlebach, einem Experten aus der VR-Community auf LinkedIn, über die Potenziale und Herausforderungen der neuen virtuellen Welt.
Schlebach erläutert: „Die Menschen sind es leid, den ganzen Tag auf Bildschirme zu starren. Wir haben in den letzten Jahren mit verschiedenen digitalen Zusammenarbeitsmodellen experimentiert und festgestellt, dass herkömmliche Videokonferenzen die Teilnehmer oft ermüden. Virtuelle Realität (VR) bietet eine dynamischere und intuitivere Möglichkeit der Zusammenarbeit.“
Die neue Arbeitswelt im Metaversum
Schlebach betont die praktischen Vorteile von VR-Meetings: „In virtuellen Räumen können wir uns wie in einem echten Raum bewegen und interagieren. Das fördert die Kreativität und das Gefühl der Zusammengehörigkeit. Gerade in Zeiten der Pandemie, wo physische Treffen eingeschränkt sind, bietet VR eine willkommene Abwechslung.“
Ein spannender Aspekt ist die Simulation realer Umgebungen und Objekte. Ingenieure können in virtuellen Fabriken arbeiten, als wären sie vor Ort. Ärzte können komplexe Operationen an virtuellen Patienten planen. Selbst im Bereich der Mode bieten virtuelle Ankleidekabinen enorme Potenziale, Retouren zu minimieren und den Umwelteinfluss zu verringern.
Die Technik im Wandel
Auf die Frage, welche Plattform das Rennen um die Vorherrschaft im VR-Markt machen wird, antwortet Schlebach diplomatisch: „Ich hoffe, dass alle großen Player wie Facebook, Apple und Google ihren Teil dazu beitragen. Jede Plattform hat ihre eigenen Stärken. Facebooks Oculus Quest beispielsweise bietet eine hervorragende Audioqualität, während Apple mit innovativen Steuerungsmöglichkeiten und Gestensteuerung punktet.“
Ein kritischer Punkt bleibt jedoch die Hardware. „Die Brillen müssen leichter und komfortabler werden, und die Grafikqualität muss sich weiter verbessern“, sagt Schlebach.
Ein Blick in die Zukunft
Für Schlebach steht fest: „Das, was wir heute haben, ist nur der Anfang. Die Technologie wird sich weiterentwickeln und verbessern. Wer sich jetzt nicht damit auseinandersetzt, läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren.“
In einer Zeit, in der traditionelle Arbeitsmodelle auf den Prüfstand gestellt werden, bietet das Metaversum spannende neue Möglichkeiten. Von der Industrie über das Gesundheitswesen bis hin zu Mode und Handel – die Potenziale sind nahezu unbegrenzt.
Virtuelle Gemeinschaft
Schlebach lädt Interessierte ein, Teil der deutschen VR Business Group auf LinkedIn zu werden und an den wöchentlichen Treffen teilzunehmen. „Wir wollen lernen, ausprobieren und gemeinsam die Zukunft gestalten. Es gibt noch viel zu entdecken und zu verbessern, und die Community wächst stetig.“
Ein Fazit
Während das Metaversum noch in den Kinderschuhen steckt, zeigt das Gespräch mit Thomas Schlebach, dass wir am Beginn einer neuen Ära stehen. Die Vision einer vernetzten, virtuellen Welt ist greifbar nahe und bietet immense Chancen. Bei der industriellen Digitalisierung spielt die Musik, wie Hermann Simon sagen würde.