Finfluencer-Bullshit und Medienversagen

Da steht er also, der modern gewordene Märchenprinz, der uns aus der Schlammgrube der Existenz retten will. Finfluencer nennen sie sich, diese prophetischen Goldsucher im digitalen Schmelztiegel, die mit leerem Blick auf ihre Smartphones starren und so tun, als würden sie die geheime Choreographie der Börsenkurse durchschauen. Sie sind keine genialen Strategen, keine Weisen der Finanzwelt – nein, sie sind die Blender in Maßanzügen, geschult in der Kunst des scheinbaren Wissens, das sie wie heiße Luft in unsere Gehirne pumpen.

Schauen wir uns diesen DS an, den überlebensgroßen Helden der finanziellen Dunkelheit, den Propheten des schnellen Reichtums. Ein Maurer, der sich in einen Finanzguru verwandelt, ein Abziehbild, das mit seinen kruden Geschichten um sein verlorenes Gedächtnis und seinen Aufstieg zur „Finanzelite“ den dümmsten aller Trivialromane übertrumpft. Doch das ist es, was diese Schmierlappen so gefährlich macht: Ihre Geschichten sind zu grotesk, um nicht von einem Teil der Bevölkerung geglaubt zu werden. Sie mischen wahnsinnig klingende Erzählungen mit einem Hauch Wahrheit und garnieren das Ganze mit einem dicken, fetten Versprechen auf unermesslichen Reichtum.

Aber das eigentliche Problem ist nicht einmal dieser Finfluencer-Kasper, sondern die Medien, die ihm eine Bühne bieten – die vermeintlich seriösen Blätter, die sich mit kleingedruckten „Anzeige“-Hinweisen aus der Verantwortung stehlen. Sie beugen sich der Werbemacht und setzen ihren Ruf aufs Spiel, nur um ein paar Groschen zu verdienen. Das ist keine Berichterstattung, das ist käuflicher Journalismus im Glanz des alten Schundheftes.

In die gleiche Kategorie der Finfluencer fallen übrigens die Crash-Wahrsager – gekoppelt mir ihren Gold- und Silber-Angeboten.

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