Doppelplusfrieden für alle: Der Trump-Friedensrat als Treueprogramm

Donald Trump hat eine neue Idee für den Weltfrieden. Und wie bei allen großen Ideen gilt: Je weniger man weiß, was genau gemeint ist, desto genialer klingt es.

Der Plan heißt „Friedensrat“. Das ist praktisch, weil man damit alles lösen kann – vor allem die lästige Frage, was man eigentlich lösen will. Frieden ist schließlich wie eine Decke: Man kann alles drunter schieben, solange man laut genug „Frieden!“ ruft.

Das Einladungsschreiben: „Sehr geehrter Außenminister, ich möchte bitte Frieden“

Im postsowjetischen Raum, wo man seit Jahrzehnten Erfahrung damit hat, Dinge zu unterschreiben, die am Ende „alternativlos“ heißen, ist die Begeisterung besonders groß.

Da unterschreibt in Minsk ein Herrscher ein Schreiben an Marco Rubio, um dem „Friedensrat“ beizutreten. Ein Foto davon wird verbreitet, weil Fotos bekanntlich die Wahrheit sind – und weil Frieden erst dann Frieden ist, wenn er als Dokument existiert. Das ist moderne Diplomatie: Früher schickte man Botschafter, heute schickt man PDFs.

Der Trick mit der Negations-Eliminierung: Nicht „Autokratenclub“, sondern „Friedensrat“

Orwell hätte genickt und sich einen Tee gemacht.

Denn „Friedensrat“ ist Neusprech in Reinform: Er ersetzt das Wort, das man nicht sagen will, durch eins, das niemand kritisieren kann.

„Unterdrückung“ wird zu „Ordnung“

„Sanktionen“ werden zu „Missverständnissen“

„politische Gefangene“ zu „temporär stillgelegten Bürgern“

„Autokrat“ zu „stabilitätsorientierter Vollzeit-Demokrat“

Und jetzt kommt der Zauber: Wer gegen den Friedensrat ist, ist gegen Frieden. So einfach ist das.

Wortkombinationen, die alles erklären: „Frieden ist Frieden ist Frieden“

Neusprech liebt Slogans, die das Denken ersetzen, weil Denken so viele Nebenwirkungen hat: Zweifel, Fragen, Wahlen.

Trump liefert die perfekte Formel: „Friedensrat“.

Das ist wie „Krieg ist Frieden“, nur als Produktname. Der Rat kann alles sein:

Gaza lösen? Friedensrat. Sanktionen lockern? Friedensrat. Autokraten aufwerten? Friedensrat. Ein Foto mit Unterschrift? Friedensrat.

Frieden ist nicht mehr ein Zustand, sondern ein Etikett. Und Etiketten haben den Vorteil: Man muss den Inhalt nicht prüfen, solange die Verpackung glänzt.

Der Belarus-Deal: Gefangene raus, Gefangene rein – aber bitte mit Friedensschleife

Minsk lässt politische Gefangene frei. Gleichzeitig werden neue eingesperrt. Das wirkt widersprüchlich – aber nur im Altsprache-Modus.

Im Neusprech ist das völlig logisch:

Freilassung heißt „Geste“

Neue Verhaftungen heißen „Ausgleich“

Und das Ganze heißt „Wiederannäherung“

Wenn Washington dann wieder „Präsident“ sagt, ist das kein Fehler. Das ist ein sprachpolitischer Relaunch. Wie bei einem Softdrink: gleiche Rezeptur, neues Etikett, weniger Schuldgefühl im Abgang.

Die Friedens-Erweiterung: Kasachstan, Usbekistan, Armenien, Aserbaidschan – alle rein ins Boot

Das ist das Schönste am neuen Friedensrat: Er ist wie eine Party, auf die man genau die Leute einlädt, die bei früheren Partys schon mal die Stühle geworfen haben. Aber diesmal hängt ein Schild: „Bitte nicht streiten – wir sind hier wegen Frieden.“

Armenien und Aserbaidschan im selben „Friedensrat“: Das ist wie Paartherapie, nur dass beide Partner gleichzeitig die Therapeutin sein wollen und die Rechnung an die Weltgemeinschaft geht.

Doppelplusgut: Frieden als Premium-Mitgliedschaft

Im Neusprech werden Nuancen abgeschafft, also braucht man neue Steigerungen:

  • gut
  • plusgut
  • doppelplusgut
  • doppelplusfrieden

Und doppelplusfrieden ist natürlich nicht gratis. Gratis ist verdächtig. Gratis ist sozialistisch. Frieden kostet – mindestens rhetorisch.

Der Friedensrat ist deshalb weniger „UNO“ und mehr „Kundenkarte“. Wer beitritt, bekommt:

  • einen Stempel „Friedenspartner“
  • eine diplomatische Gesichtspflege
  • und das beruhigende Gefühl, dass „Menschenrechte“ jetzt eher so eine Art Deko-Begriff sind

Mini-Wörterbuch des Friedensrates: Neusprech to go

Autokrat → „Stabilitätsanbieter“
Opposition → „Unruhe“
Wahlfälschung → „kreative Auszählung“
Sanktionen → „unfreundliche Stimmung“
Gefängnis → „Resozialisierungsresort“
Propaganda → „Informationsharmonisierung“
Krieg → „Friedensvorspiel“
Frieden → „alles, was wir gerade tun“

Wenn du die Sprache kontrollierst, musst du die Realität nur noch verwalten

Der Friedensrat ist vor allem eins: ein Sprachprojekt.

Er verwandelt die Welt in ein Werbeprospekt, in dem selbst der härteste Machtapparat noch nach „Dialog“, „Stabilität“ und „Frieden“ riecht. Und während alle über Inhalte streiten, gewinnt Neusprech schon mal das Warm-up: Er setzt die Begriffe so, dass Kritik automatisch wie Gemeinheit klingt.

Am Ende könnte der Friedensrat tatsächlich Frieden bringen.

Nicht in der Welt.

Aber in den Schlagzeilen.

Und das ist im Neusprech… doppelplusgut. Und Ende des Jahres bekommt Trump einen weiteren Friedenspreis – parallel zur Verleihung des Friedensnobelpreises in Stockholm. Einfach so.

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