Die Zukunft, die wir uns leisten müssen – Warum Sinn vor Gewinn stehen muss #GreenMonday #Köln

Der Impulsvortrag von Dirk Kannacher, Vorstand der GLS Bank, beim Green Monday in Köln war eine eindrucksvolle und leidenschaftliche Darstellung dessen, was es bedeutet, in Krisenzeiten an eine bessere Zukunft zu glauben – und aktiv zu handeln. Seine zentrale These lautete: „Die Angst vor einer Zukunft, die wir fürchten, können wir nur überwinden durch Bilder einer Zukunft, die wir wollen.“ Dies war der rote Faden seines Impuls-Vortrags, in dem er uns daran erinnerte, dass es nicht ausreicht, auf die Probleme der Welt zu schauen – wir müssen Lösungen erarbeiten, die uns und den Planeten in Einklang bringen.

Die Donut-Ökonomie als Modell für nachhaltiges Wirtschaften

Kannacher stellte die Donut-Ökonomie als das zentrale Wirtschaftsmodell vor, das die GLS Bank in ihren Überlegungen prägt. „Hat jemand schon mal was von der sogenannten Donut-Ökonomie gehört?“, fragte er in die Runde und erklärte dann: „Es geht darum, dass wir wieder zusammen in dem Rahmen wirtschaften, wie uns der Planet das zur Verfügung stellt.“ Der Donut steht dabei symbolisch für die planetaren Grenzen: Außerhalb dieser Grenzen, so Kannacher, riskieren wir ökologische Katastrophen, während innerhalb des Donuts das soziale Fundament gestärkt werden muss. Das bedeutet, dass wir nicht nur die Umwelt schützen, sondern auch soziale Ungleichheiten abbauen.

„Wir müssen uns bewusst machen, dass wir in Deutschland aktuell so leben, als hätten wir drei Erden zur Verfügung. Doch wir haben nur eine,“ warnte Kannacher und setzte hinzu, dass die Biodiversität, nicht der Klimawandel, das drängendste Problem unserer Zeit sei: „Biodiversität wird das knappste Gut überhaupt sein.“

Beispiele für eine neue Art des Wirtschaftens

Kannacher brachte auch konkrete Beispiele aus der Praxis, um zu zeigen, wie Unternehmen bereits innerhalb der Donut-Grenzen wirtschaften können. Besonders beeindruckend war das Beispiel von „heyho Müsli“, einem Startup, das ausschließlich Menschen beschäftigt, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance mehr haben. „Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe“, betonte Kannacher und hob hervor, dass dieses Modell auch ökonomisch funktioniert: „Wir zeigen immer wieder, dass es auch ohne den Fokus auf maximalen Gewinn geht, wenn man den Sinn vor den Gewinn stellt.“

Ein weiteres Beispiel, das er nannte, war die Zusammenarbeit der GLS Bank mit landwirtschaftlichen Betrieben, die sich auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise umstellen. „Wir haben einen Fünfjahresplan mit einem mittelständischen Betrieb aus der Landwirtschaft erstellt, der sich von konventioneller auf Biolandwirtschaft umstellt“, erklärte Kannacher. „Diese Unternehmen werden belohnt, weil sie sich an die planetaren Grenzen halten und langfristig tragfähige Geschäftsmodelle aufbauen.“

Die Diskussion mit Bernhard Steimel

Nach dem Vortrag folgte ein Roundtable-Gespräch mit Bernhard Steimel, der Kannacher herausforderte, tiefer auf die Frage der transformativen Risiken einzugehen. Steimel stellte die Frage: „Was sind transformative Risiken und wie wirken sie sich langfristig auf das Geschäft aus?“ Kannacher erläuterte, dass transformative Risiken solche Risiken sind, die entstehen, wenn Unternehmen nicht rechtzeitig auf nachhaltige Wirtschaftsweisen umstellen: „Nehmen wir die Landwirtschaft als Beispiel: Viele Bauern müssen ihre Ställe umbauen, um den neuen Anforderungen an die Tierhaltung gerecht zu werden. Diese Umstellung ist teuer, aber notwendig, um zukunftsfähig zu bleiben.“

Steimel ging weiter ins Detail: „Wie wirkt sich das auf die Finanzierung aus? Müssen Banken dabei nicht größere Risiken eingehen?“ Kannacher blieb optimistisch und stellte klar: „Ja, die Umstellung ist teuer, aber es wird sowohl staatliche Unterstützung als auch Investitionen von Banken geben. Es wird Milliarden, vielleicht sogar Billionen kosten, aber wir als GLS Bank gehen das Risiko bewusst ein, weil wir an diese Unternehmen glauben. Es geht nicht darum, die Gewinne zu maximieren, sondern die Gesellschaft und den Planeten zu schützen.“

Ein optimistischer Blick nach vorn

Das Gespräch strahlte durchweg Zuversicht aus, trotz der Herausforderungen, vor denen Unternehmen heute stehen. „Wir müssen daran glauben, dass wir die Lösungen bereits haben. Wir müssen mutiger werden,“ so Kannacher zum Abschluss des Dialogs. Dabei betonte er, dass die GLS Bank weiterhin nachhaltige Projekte fördern wird, die sich nicht nur an ökonomischen, sondern auch an sozialen und ökologischen Zielen orientieren. „Wir sind fest davon überzeugt, dass es genügend Raum gibt für ehrliche Wirtschaftsleistungen und transparente Geschäftsmodelle.“

Ausblick auf 2025

Am Ende der Veranstaltung gab es noch einen spannenden Ausblick: Im nächsten Jahr wird der Green Monday bei der GLS Bank in Bochum stattfinden. Dirk Kannacher lud die Teilnehmenden ein, auch 2025 wieder dabei zu sein, um die Fortschritte in der nachhaltigen Wirtschaft zu diskutieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Denn, wie er abschließend betonte: „Die Zukunft liegt in unseren Händen, und es gibt keinen besseren Ort, um über eine nachhaltige Zukunft zu sprechen, als bei der GLS Bank in Bochum.“

Am 25. November 2024 geht es erst einmal nach Dresden 🙂

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