
Thomas Riedel sieht in der Künstlichen Intelligenz eine Technologie auf dem absteigenden Ast. Er verweist auf den hohen Energieverbrauch und die Schwierigkeiten von Microsoft, seine KI-Produkte zu etablieren. Doch seine Kritik greift zu kurz. Wer glaubt, der KI-Hype werde bald verpuffen, unterschätzt das Potenzial einer Technologie, die sich gerade erst entfaltet.
Gewiss, die Energiefrage ist ernst. KI-Modelle wie GPT-4 verschlingen Strommengen, die uns nachdenklich stimmen müssen. Professor Wolfgang Wahlster, einer der führenden Köpfe der deutschen KI-Forschung, sprach im Sohn@Sohn-Studio-Interview genau über diese Problematik. Er stellte klar, dass das menschliche Gehirn mit einem Bruchteil dieser Energie auskommt und dass die aktuellen KI-Systeme in dieser Hinsicht ineffizient sind. Doch Wahlster warnte davor, dies als Scheitern der KI zu interpretieren. Vielmehr sieht er hierin eine Herausforderung, die künftige Innovationen befeuern wird. Gerade in den Schwächen der heutigen Technologie liegt der Antrieb für die Verbesserungen von morgen.
In meinem eigenen Artikel in der absatzwirtschaft habe ich darauf hingewiesen, dass Innovation oft dort entsteht, wo etablierte Unternehmen ihre Vormachtstellung auskosten und dabei die Details übersehen. Google mag als Suchmaschine noch immer unangefochten an der Spitze stehen, doch in seiner Größe und Trägheit liegt auch die Gefahr, dass Nischen entstehen, in denen neue Akteure Fuß fassen können. Dieser schleichende Prozess führt irgendwann zu einem Kippmoment, an dem etablierte Strukturen ins Wanken geraten. Die Schwierigkeiten von Microsoft und dem von mir thematisierten Brain Drain, die Riedel hervorhebt, entkräften diese Dynamik nicht – sie verdeutlichen vielmehr, dass der Markt in Bewegung ist und sich ständig neu erfindet.
Wahlster, der bereits vor Jahren das Konzept der „Antwortmaschine“ prägte, erläuterte im Gespräch mit Sohn@Sohn eine Vision, die weit über das hinausgeht, was wir heute als „Googeln“ kennen. Er erinnerte daran, dass das heutige Web hauptsächlich syntaktisch strukturiert ist. Es bombardiert uns mit Links, anstatt die eigentliche Bedeutung der Inhalte zu verstehen und uns präzise Antworten zu liefern. Wahlster sieht die Zukunft in einem semantischen Web, das nicht nur Informationen verlinkt, sondern deren Inhalt wirklich begreift. Ein solcher Wandel würde das Internet radikal verändern, eine Transformation, die bereits im Gange ist und durch die Fortschritte in der KI befeuert wird.
Der Hype um die KI ist keine Eintagsfliege, sondern ein Vorbote einer umfassenden technologischen Revolution. Riedels Befürchtung, dieser Hype könnte bald enden, verkennt das Potenzial, das in der aktuellen Entwicklung steckt. Wir stehen am Beginn einer neuen Ära, in der die Marktführer, wenn sie sich auf ihren Lorbeeren ausruhen, überholt werden könnten. Die Trägheit der großen Player schafft Raum für Innovation – und genau hier entstehen die Lösungen für die Herausforderungen, die Wahlster so treffend beschrieben hat.
Statt den KI-Hype als vorübergehende Modeerscheinung abzutun, sollten wir die Chancen ergreifen, die er uns bietet. Der Kippmoment kommt, und wer vorbereitet ist, wird die Früchte dieser neuen Ära ernten. Sohn@Sohn stehen da schon längst in den Startlöchern.
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