
In einer Zeit, in der das Konzept der „schönen neuen Arbeit“ mit seiner Verschmelzung von Theorie und Praxis zu zynischen Sprachspielen geworden ist, führt uns der kritische Blick durch die Linse von Harun Farockis dokumentarischem Ansatz „Ein neues Produkt“ geradewegs in die absurde Welt der Unternehmensberatungen und Managementtheorien, wenn man von „Thoerien“ überhaupt reden kann. Der Film gibt Einblicke in das Quickborner Team, das Firmen in der Hamburger Hafencity berät, und offenbart ungewollt das Theater des Absurden, das sich in modernen Arbeitsräumen abspielt.
Die Ironie dieser Welt wird nicht nur durch die Manipulation von Sprache, sondern auch durch den scharfen Kontrast zwischen öffentlich geführten und tatsächlich gelebten Diskursen verdeutlicht. Niklas Luhmanns Beobachtungen zu den „zwei Sprachen“ in Organisationen – eine offizielle voller lehrreicher Floskeln und eine zynische, die die Leere dieser Floskeln offenlegt – haben heute mehr denn je Geltung. Wörter wie „Strategie“, „Innovation“ und „Kundenorientierung“ werden zu leeren Hüllen, deren einzige Funktion es scheint, Defizite zu kaschieren und eine Fassade der Kompetenz zu wahren.
Dieser Dualismus spiegelt eine tiefere Krise der modernen Arbeitswelt wider, in der das Sprechen über Werte und Ziele oft nur dazu dient, ihre Abwesenheit zu übertünchen. Man spricht in Metaphern der Offenheit und der Gemeinschaft, während man tatsächlich eine Kultur der Isolation und des Misstrauens fördert. Das „Bullshit Bingo“, von dem die Mitarbeiter flüsternd im Flur sprechen, wird zum gemeinsamen Geheimnis, das paradoxerweise die einzige echte Gemeinschaftlichkeit in einer sonst fragmentierten Arbeitsumgebung stiftet.
Was Farocki mit seinem scharfen Auge für gesellschaftliche Dynamiken entlarvt, ist nicht nur die Hypokrisie des modernen Managements, sondern auch die Selbsttäuschung, die damit einhergeht. Indem wir uns dieser bitteren Realität stellen, erkennen wir, wie sehr die moderne Organisationsberatung nicht nur eine Reflexion, sondern auch eine Perfektionierung der Kunst des Zynismus ist. Es ist eine Welt, in der die Akteure lernen, nicht trotz des Zynismus, sondern gerade wegen ihm zu kommunizieren.
Der bitterböse Witz dieser Situation liegt darin, dass sie die Beteiligten zu einer Art infantiler Regression zwingt, aus der es scheinbar keinen Ausweg gibt. Kick-off-Meetings, Kundenevents oder LinkedIn-Jubelarien werden zu Bühnen kleiner und großer Täuschungen, in denen die Wirklichkeit durch professionelle Illusionisten, die Manager und Berater, ersetzt wird. Hier wird nicht nur mit Worten jongliert, sondern auch die Realität selbst wird zu einer verhandelbaren Variablen.
In dieser Landschaft der modernen Arbeitskultur, in der Theorie und Praxis sich vermischen und dabei paradoxerweise beide verlieren, bleibt uns vielleicht nur die Hoffnung, dass aus dem Verstehen dieser Mechanismen auch die Kraft zu ihrer Überwindung erwächst. Denn wie Farocki zeigt, liegt in der zynischen Betrachtung der eigenen Zynismen vielleicht der Schlüssel zu einem authentischeren Dialog und letztlich zu einer humaneren Arbeitswelt. Bis dahin jedoch bleibt das Management ein zynisches Spiel um Macht und Selbsttäuschung, geführt in einer Sprache, die alle verstehen, aber niemand wirklich spricht.