Die Geschichte der Adressbüros: Eine einzigartige Vernetzungsidee von Leibniz #DasNotizAmt

Gottfried Wilhelm Leibniz war nicht nur ein herausragender Philosoph und Gelehrter, sondern auch ein visionärer Projektemacher. Im Jahr 1678 präsentierte er seinem Dienstherrn, dem Herzog von Braunschweig-Calenberg, die Idee von Adressbüros. Diese Einrichtungen sollten dazu dienen, Angebote und Anfragen zu erfassen und miteinander zu verknüpfen, um so den Handel und den Austausch von Informationen zu fördern. Das Ziel von Leibniz war es, Menschen miteinander zu verbinden und Kontakte herzustellen, selbst wenn sie sich nicht persönlich treffen konnten. Er sah in den Adressbüros auch eine Möglichkeit, Gelehrte und Erfinder zusammenzubringen.

Die Idee von Adressbüros war jedoch nicht neu. Bereits Michel de Montaigne hatte in einem seiner „Essais“ im Jahr 1580 die Einrichtung von Büros vorgeschlagen, in denen Beamte Anfragen und Angebote von Bürgern registrieren sollten. Die Idee fand Anklang und wurde in Paris und London umgesetzt. Anton Tantner, ein österreichischer Historiker, nimmt diese „Urszene“ bei Montaigne als Ausgangspunkt, um die Entwicklung und Umsetzung der Idee bis ins frühe 19. Jahrhundert zu verfolgen.

Dabei untersucht er die verschiedenen Formen und Namen, die diese Einrichtungen im Laufe der Zeit annahmen, wie zum Beispiel Adresscomptoirs, Frag- und Kundschaftsämter, Berichthäuser, Intelligenzbüros, Notizämter, bureaux de recontre und register offices. Tantner zeigt auf, dass die Idee von Adressbüros eine erstaunliche Wirkungsgeschichte hatte und auch von späteren Generationen von Pionieren aufgegriffen wurde. In Paris wurde das erste Adressbüro durch ein königliches Privileg im Jahr 1612 ermöglicht und entwickelte sich schnell zu einem umfangreichen Unternehmen, das nicht nur Medien- und Warenangebote, sondern auch Bildung und ärztliche Beratung umfasste.

In London wurden ähnliche Projekte bereits früher diskutiert und durch den Gelehrten Samuel Hartlib mit utopischen Ideen angereichert. Ab den 1650er Jahren wurden dann jedoch bodenständigere Modelle umgesetzt. In Wien und Berlin entstanden etwa drei Jahrzehnte später Oberintelligentz- und Adress-Häuser. Die Geschichte der Adressbüros war jedoch von Aufs und Abs geprägt und konnte keine eindeutige Entwicklungslinie aufweisen. Selbst die Verlagerung von Büros auf gedruckte Auszüge war keine eindeutige Tendenz, obwohl dies letztendlich dazu führte, dass die Intelligenz-Blätter und Zeitungen den Adressbüros im frühen 19. Jahrhundert den Rang abliefen.

Das Projekt von Leibniz und weitere Geschichten über das Suchen und Finden im 17. und 18. Jahrhundert kann man im vorzüglichen Buch von Anton Tantner nachlesen: “Die ersten Suchmaschinen – Adressbüros, Fragämter, Intelligenz-Comptoirs” – erschienen im Wagenbach-Verlag.

Mich regte dieses Opus an für meine wöchentliche Netzpiloten-Kolumne.

Titel der Reihe: Das Notiz-Amt.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.