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Erscheint immer am Montag. Thema heute: Losgröße 1 für die Lernfreude – Warum Erfolgserlebnisse im Singular zählen. Henning Scheich, der im Mai 2025 in Samswegen verstarb, war keiner, der Schlagzeilen suchte. Doch seine Forschung hallt nach – besonders im Kontext der Neurodidaktik und einer Pädagogik, die sich vom normierten Gleichschritt löst. Scheich war Hirnforscher, aber zugleich ein Pädagoge im besten Sinne: Er fragte, wie aus biologischen Erkenntnissen über das Gehirn Schlussfolgerungen für die Schule gezogen werden können – und plädierte für das, was wir im Think Tank Innovation der Fachmesse Zukunft Personal als Lernen in Losgröße 1 bezeichnen: individuell, selbstbestimmt, mit intrinsischer Belohnung statt äußerer Disziplinierung. Mit Marc Wagner habe ich dazu einiges geschrieben.
Wie steigert man das individuelle Lerntempo?
Die experimentellen Studien von Scheich zur Dopaminausschüttung legten nahe, dass Erfolgserlebnisse – etwa das eigenständige Lösen komplexer Aufgaben – eine nachhaltige, neurobiologisch messbare Wirkung auf Motivation und Gedächtnis haben. „Ein Kind lernt dann am besten, wenn es Aufgaben selbständig löst. Das Lustgefühl, das damit einhergeht, ist nachhaltiger als jede Belohnung von außen – anders, als viele Erziehungswissenschaftler meinen“, erläuterte Scheich. Erfolg sei nicht das Ergebnis äußerer Disziplin, sondern innerer Begeisterung. Lehrpläne, meint Scheich, seien „keine vernünftigen Konzepte‘, um individuelles Lerntempo zu steigern […]. Dass 30 Kinder im gleichen Rhythmus etwas lernen, sei gehirnphysiologisch undenkbar.“ Hier liegen gute Grundlagen für den Lernen durch Lehren von Jean-Pol Martin und auch von Lutz Becker, mit dem ich das im Hochschulkontext erfolgreich etabliert und auch einen Wissenschaftspreis für digitale Lehre erhalten habe.
Statt Wissensvermittlung sei „exemplarisches Lernen“ angezeigt, bloßes Faktenlernen, wie es in den Schulen gefordert werde, bringe ebenso wenig, wie der Frontalunterricht, bei dem der Schüler nicht aktiv gefordert sei, erläuterte Scheich: Statt auswendig zu lernen, müsse der Schüler sich mit Inhalten selbständig auseinandersetzen, dabei möglichst vielfältig Bezüge zu seinem Vorwissen herstellen können und dadurch ein tieferes Verständnis entwickeln. Ferner sei interne Belohnung für Lernvorgänge wichtiger als externe. Und wenn es schon Zensuren geben müsse, so müssten diese in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang zur Leistung stehen und vom Schüler als gerecht empfunden werden. Ausführlich auf LinkedIn nachzulesen.