
Der Ort? Die cronn-Location direkt am Bonner Bogen – mit Rheinblick, Designmöbeln und einer Dachterrasse, auf der man denken, abschweifen oder einfach nur Sonne tanken konnte. Fast zu schön für Diskussionen über die Zumutungen der digitalen Gegenwart. Aber eben nur fast.
Denn kaum hatte das Team von bonn.digital (Johannes Mirus, Sascha Foerster und ein Heer unsichtbarer Möglichmacher) das Format geöffnet, wurde klar: Hier geht es nicht um Eventfloskeln, sondern ums Fragen, Aushandeln, Infragestellen.
Sessionpitch. Vorstellungsrunde. Vollbelegung. Reibung garantiert.
Zwischen Ray-Ban-Update und digitaler Erschöpfung
Die Spannweite der Themen war atemberaubend – im besten Sinne. Thomas Riedel, alias Droid Boy, brachte die Meta Ray-Ban ins Gespräch. Wearables, Blicktracking, neue Schnittstellen zwischen Auge und Algorithmus. Und während noch über das nächste große Ding gesprochen wurde, lief in einem anderen Raum schon die Gegenerzählung:
„Mit Spaß in den Burnout?“ – so hieß die Session von Bianca Gade. Keine PowerPoint-Beschwichtigung, sondern persönliche Erfahrung, psychologische Tiefe und analytische Klarheit. Ein Gegenentwurf zur digitalen Dauerverfügbarkeit. Ein Raum der Unterbrechung – und gerade deshalb: wichtig.
Weltrettung per Serverprotokoll?
Ich selbst durfte das Fediverse ins Spiel bringen – unter dem leicht größenwahnsinnigen Titel: „Kann das Fediverse die Welt retten?“
Spoiler: Nein. Aber es könnte das Denken über digitale Öffentlichkeit verschieben. Raus aus den Reichweitenimperien, rein in föderierte Möglichkeitsräume. Nicht als Flucht, sondern als Störung.
Thorsten war dabei, diskutierte mit – und schrieb später, es sei eine seiner Lieblingssessions gewesen. Merci.
Die Podcast-Fassung gibt es natürlich schon.
Mit allem, was dazugehört: Zweifel, Zwischenrufe, Paradoxien.
Was bleibt?
Barcamps sind keine Methode. Sie sind eine Haltung.
Sie leben vom Unfertigen, vom Weiterdenken, vom Zusammenstoß.
Und sie erinnern uns daran, dass Wissen nicht aus Autorität entsteht, sondern aus Teilhabe, Widerspruch und gelegentlicher Ratlosigkeit.
Danke an Thorsten Ising für den offenen Rückblick.
Danke an Johannes, Sascha und das ganze bonn.digital-Team für zehn Jahre strukturierte Unruhe.
Danke an alle, die sich trauen, nicht nur über KI, Plattformen oder Wandel zu sprechen – sondern auch über Müdigkeit, Überforderung und die Frage, was das alles eigentlich mit uns macht.
Ich freue mich auf das nächste Barcamp.
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