ifo meldet Investitionsflaute – was die Zukunftsmacher der Bundesregierung unter Friedrich Merz voraus haben @Bundeskanzler @BMWE_

Investitionsstau oben, Wachstumsinseln unten

Die Diagnose aus München ist eindeutig: Das ifo-Institut meldet eine Investitionsflaute. Die Unternehmen kürzen ihre Pläne, verschieben Projekte, fahren Risiken herunter. Besonders hart trifft es Industrie, Fahrzeugbau, Chemie und Maschinenbau – also jene Branchen, die einst als Hochöfen des deutschen Wohlstands galten.

Die offizielle Begründung: tiefgreifender Strukturwandel, mangelnde Attraktivität des Standorts, Unsicherheit über die Wirtschaftspolitik. Übersetzt heißt das: Die Republik ist verunsichert, der Staat sendet widersprüchliche Signale, die Unternehmen reagieren mit Rückzug.

Doch während die große Volkswirtschaft auf Pause drückt, läuft in einem anderen Teil der Wirtschaft ein anderes Programm: Die „Zukunftsmacher“ – 55 befragte Hidden Champions und Familienunternehmen – wachsen. 87 Prozent von ihnen, trotz Energiepreisschock, Fachkräftemangel und geopolitischem Dauergrummeln. Rund ein Drittel ihrer Investitionen fließt in Digitalisierung, etwa jeder fünfte Digital-Euro in KI.

Hier bricht nicht die Investitionsneigung weg. Hier wird der Strukturwandel bezahlt – aus eigenen Mitteln, mit klarer Agenda.

Was die Zukunftsmacher anders machen

Der Smarter Service Talk mit Bernhard Steimel und Gunnar Sohn hat das Muster offengelegt: Diese Unternehmen sind keine Start-up-Hypefiguren, sondern oft seit Jahrzehnten im Markt – Maschinenbauer, Hersteller technischer Produkte, Versicherer, Konsumgütermarken. Sie haben gelernt, ihren Wohlstand nicht aus Subventionen, sondern aus Innovation zu ziehen.

Vier Punkte stechen heraus:

Erstens: KI ist kein IT-Spielzeug, sondern Wertschöpfungsinstrument.
Die Verantwortlichen heißen heute „Head of Data & AI“ und sitzen nah am Geschäft, nicht im Serverkeller. KI entscheidet über Einkauf, beschleunigt Softwareentwicklung, steuert Serviceprozesse, hilft beim Mass-Customizing von Fenstern in Losgröße 1.

Zweitens: Sie beginnen dort, wo der Schmerz am größten ist.
Automatisierte Protokolle, intelligente Schadensregulierung, KI-gestützte Vertriebsprozesse – kleine, konkrete Use Cases, die Zeit fressen und Nerven kosten. Wenn die Belegschaft merkt, dass der Alltag leichter wird, entsteht Zugkraft von unten.

Drittens: Sie investieren in Datenbasis und Menschen.
Data Excellence ist kein Buzzword, sondern harte Arbeit an Stammdaten, Schnittstellen und Qualität. Parallel dazu entsteht eine neue Lernkultur: Peer Learning statt PowerPoint-Schulung, KI-Expertinnen aus den eigenen Reihen statt Beraterkarawane.

Viertens: Sie erlauben sich Experiment und Irrtum.
Viele Mittelständler haben sich Elemente aus agiler Softwareentwicklung und Lean-Startup-Methoden angeeignet. Sie testen, verwerfen, verbessern – und zwar schneller, als es jede Förderlogik je genehmigen könnte. Fehler sind hier kein Skandal, sondern Lehrgeld.

Kurz gesagt: Diese Unternehmen warten nicht darauf, dass der Staat ihnen den Strukturwandel erklärt. Sie organisieren ihn selbst – mit KI, Datenplattformen und neuen Geschäftsmodellen.

Die falsche Debatte in Berlin

Währenddessen kreist die große Politik weiter um dieselben Schlagworte: Sondervermögen, Entlastungspakete, Industriewende, Subventionen für die immergleichen Branchen. Das Muster ist bekannt: Wenn es knirscht, werden neue Töpfe aufgelegt, neue Anreize versprochen, alte Strukturen verlängert.

Die Lektion der Zukunftsmacher lautet genau andersherum:
Nicht mehr Geld für den Status quo, sondern bessere Bedingungen für Neues.

Der demografische Wandel verschärft die Lage. Ein überaltertes Unternehmertum investiert seltener in riskante Technologien. Nachfolgeprobleme dämpfen den Mut. Die Zahl der Neugründungen stagniert seit Jahren – ausgerechnet in dem Moment, in dem die Wirtschaft frische Unternehmerinnen und Unternehmer am dringendsten bräuchte.

Wenn eine Bundesregierung unter Friedrich Merz hier weitermacht wie bisher – mehr Schulden, mehr Sondervermögen, mehr Gießkanne – wird sie die Investitionsflaute eher konservieren als überwinden.

Was die Bundesregierung jetzt tun muss

Die Zukunftsmacher liefern kein PR-Narrativ, sondern eine betriebswirtschaftliche Feldstudie. Wer hinschaut, erkennt einen Handlungsplan für die Wirtschaftspolitik.

Förderlogik umstellen: Weg vom Zuschuss, hin zum Rahmen für Wachstum

Statt weitere Milliarden in alte Strukturen zu pumpen, sollte die Bundesregierung:

  • steuerliche Superabschreibungen für Investitionen in Dateninfrastruktur, KI und Automatisierung einführen;
  • Förderprogramme konsequent auf messbare Effekte bei Produktivität, Exportfähigkeit und Skalierbarkeit ausrichten;
  • sektorale Subventionen für schrumpfende Industrien reduzieren und die Mittel in innovationsorientierte Programme umlenken, die technologieoffen sind.

Die Botschaft muss lauten: Der Staat subventioniert nicht das Gestern, sondern erleichtert das Morgen.

Gründungsrepublik statt Verwaltungsrepublik

Die Investitionskrise ist auch eine Unternehmerkrise. Deshalb braucht es:

  • ein radikal vereinfachtes Gründungsrecht – digitale Eintragung binnen Tagen, nicht Monaten – ein entsprechendes Projekt des Digitalministeriums sollte zügig vollendet werden;
  • steuerliche Erleichterungen in den ersten fünf Jahren für technologieorientierte Gründungen;
  • systematischen Aufbau von Gründerwissen in Schulen und Hochschulen – nicht als Wahlfach, sondern als Bestandteil der ökonomischen Grundbildung.

Mehr Unternehmensgründungen bedeuten mehr Investitionen, mehr Wettbewerb, mehr Mut. Ohne diesen Zufluss neuer Player bleiben die Zukunftsmacher Ausnahmen.

Bildungsoffensive für Daten- und KI-Kompetenz

Was die Hidden Champions intern tun, muss der Staat im Bildungssystem leisten:

  • verpflichtende Module zu Datenkompetenz, KI-Anwendungen und digitaler Wertschöpfung in beruflicher Bildung, Meisterschulen, Hochschulen;
  • Förderung von Weiterbildungsverbünden, in denen Mittelständler gemeinsam KI-Kompetenzen aufbauen;
  • Programme, die Unternehmen beim Peer Learning unterstützen – denn die besten Trainer sitzen oft bereits im eigenen Betrieb.

Eine Republik, die KI produktiv nutzen will, kann sich ein Bildungssystem ohne Datenunterricht nicht leisten.

Fix the Basics: Staat lernt von Mittelstand

Die Studie ist auch ein Spiegel für den Staat selbst. Während viele Verwaltungen weiter Insellösungen bauen – hier ein Online-Formular, dort ein Terminportal – zeigen die Zukunftsmacher, wie man es nicht machen darf: keine Silos, keine Medienbrüche, keine Pilotfriedhöfe.

Für eine Regierung hieße das:

  • jede Digitalmaßnahme des Bundes an einer klaren Plattformstrategie ausrichten;
  • Verwaltungs-IT auf wenige, interoperable Standards konsolidieren;
  • Qualitätsziele für Datenbestände definieren – denn ohne saubere Daten wird auch die Verwaltung zum Opfer von „shit in, shit out“.

Wenn der Staat sich selbst nicht transformiert, wird er auch niemanden glaubwürdig zur Transformation ermutigen.

Kapital in wertschöpfende Tätigkeiten lenken

Deutschland ist kein armes Land, aber es investiert zu wenig in seine produktive Zukunft. Die Bundesregierung sollte:

  • steuerliche Anreize für Beteiligungen von Familienvermögen und institutionellen Investoren an technologieorientierten Mittelständlern schaffen;
  • private und öffentliche Investitionsvehikel stärken, die KI, Automation und digitale Geschäftsmodelle finanzieren, statt nur Beton und Betonfolklore;
  • den Kapitalmarkt ausbauen, damit wachstumsstarke Mittelständler jenseits des Bankkredits wachsen können.

Kapital, das in zukunftsfähige Anwendungen fließt, schafft Wohlstand. Kapital, das in Altstrukturen konserviert wird, blockiert ihn.

Die Zukunftsmacher sind kein Ausnahmefehler – sie sind die Blaupause

Die 55 Unternehmen der Studie sind keine statistische Randnotiz, sondern ein Hinweis darauf, was möglich ist, wenn man Investitionen nicht als Risiko, sondern als Überlebensstrategie begreift. Sie investieren in KI, Datenqualität, neue Geschäftsmodelle – und sie wachsen.

Eine Bundesregierung unter Friedrich Merz steht vor der Wahl: Sie kann die Investitionsflaute verwalten oder sie kann aus den Zukunftsmachern lernen.

Wer den Strukturwandel ernst nimmt, darf nicht länger versuchen, das Gestern zu stabilisieren. Er muss das Morgen finanzierbar, gründbar und lernbar machen. Die Anleitung liegt auf dem Tisch – in Form einer Studie, die zeigt, wie man in der Krise nicht schrumpft, sondern stärker wird.

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