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Die halbierte Demokratie in der Unternehmenswelt #NEO23

Unternehmen als Lern- und Entwicklungsräume für die sozial-ökologische Transformation – ist das Konzept der unternehmensdemokratie noch zeitgemäß? In Zeiten, in denen viele Unternehmen ihre agilen Ansätze zugunsten hierarchischer Strukturen zurückfahren, stellt sich die Frage, ob Unternehmensdemokratie ein überholtes Konzept ist. Ist es das tote Pferd, auf dem wir immer noch reiten?

Andreas Zeuch, Gründer und Partner des Berliner Beraternetzwerks „Unternehmensdemokraten“, stellt in seiner Session auf der Next Economy Open die These auf, dass Unternehmensdemokratie nicht das eigentliche Ziel ist, sondern Unternehmen als Lern- und Entwicklungsräume für die sozial-ökologische Transformation zu betrachten.

Zeuch betont, dass Partizipation und Nachhaltigkeit die beiden zentralen Themen sind, die in seinem Impuls und der anschließenden Diskussion behandelt werden sollen. Er verweist auf die Diskrepanz zwischen demokratischen Werten, die in unserer Gesellschaft hochgehalten werden, und der Arbeitswelt, in der Demokratie oft nicht erwünscht ist.

Die Ausgangslage beschreibt Zeuch als „halbierte Demokratie“. Während wir als Bürgerinnen und Bürger in einer demokratischen Gesellschaft leben, sind wir in der Arbeitswelt oft auf Anweisungen angewiesen und haben keine demokratische Mitbestimmung. Diese Diskrepanz wirft die Frage auf, wie demokratisch unsere Gesellschaft überhaupt sein kann, wenn unsere tägliche Arbeit nicht demokratisch gestaltet ist.

Zeuch stellt die These auf, dass Unternehmen als Lern- und Entwicklungsorte für die sozial-ökologische Transformation dienen können. Durch Partizipation und Mitbestimmung in der Arbeitswelt könnten Haltungen, Kompetenzen und die Erwartung der Selbstwirksamkeit auf die Gesellschaft übertragen werden. Dieser „Spillover Effekt“ könnte dazu führen, dass sich positive demokratische Einstellungen und umweltbewusstes Handeln in der Gesellschaft verstärken.

Zeuch betont, dass es keine Garantie für diesen Effekt gibt, aber dass es möglich ist, ihn systematisch zu nutzen, um die sozial-ökologische Transformation voranzutreiben. Studien zeigen, dass Mitbestimmung in Unternehmen antidemokratische Einstellungen reduzieren kann und die demokratische Teilhabe insgesamt gestärkt wird. Auch positive Umwelteinstellungen können durch Partizipation in der Arbeitswelt gefördert werden.

Insgesamt plädiert Zeuch dafür, Unternehmen als Lern- und Entwicklungsräume für die sozial-ökologische Transformation zu betrachten und den spillover Effekt gezielt zu nutzen. Durch Partizipation und Mitbestimmung in der Arbeitswelt könnten positive Veränderungen in der Gesellschaft angestoßen werden. Es liegt an uns, diese Chance zu nutzen und Unternehmen zu Orten des Wandels zu machen.

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