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Zwischen Sichtbarkeit und Substanz – Die neue Aufrichtigkeit auf LinkedIn

Ein Gespräch mit Cordula Frandsen über authentische Kommunikation, digitale Hemmschwellen und die Psychologie des Postens.

Die Messehallen der Zukunft Personal Nord sind voll, die Bühnen gut besucht, die Gespräche intensiv. Doch es sind nicht nur neue Tools, Plattformen und Formate, die das Bild prägen. Es ist ein Thema, das subtiler wirkt – und grundlegender: authentische Kommunikation. Cordula Frandsen, Corporate Influencer Trainerin bei der Digitalagentur CAMAO, hat es zu ihrem Schwerpunkt gemacht. Ihre Devise: Weg mit der Fassade, her mit der Echtheit. Aber mit Maß.

„Viele trauen sich nicht“, sagt sie. Nicht, weil ihnen die Themen fehlen. Sondern weil sie Angst haben: vor Ablehnung, vor Irrelevanz, vor digitalem Schweigen. Die Gründe sind vielfältig – von Impostor-Syndrom über Perfektionismus bis zu diffusen Sorgen, nicht dazuzugehören. Frandsen begegnet diesen Bedenken mit einer Mischung aus Empathie und pragmatischer Didaktik. Ihr Vorschlag: Persönlich ja, privat nein. Authentizität bedeute nicht Selbstentblößung, sondern Kohärenz zwischen Inhalt, Ton und Haltung.

„Es braucht keine Pulitzer-Posts“, so Frandsen weiter. Vielmehr gehe es darum, wiederholt, erkennbar, relevant zu kommunizieren – im eigenen Stil. Wer ein persönliches Thema wählt, solle dies nicht künstlich mit Unternehmenszielen verknüpfen. Das Publikum merkt, wenn Emotionalisierung bloß kalkuliert ist. Negativbeispiel: Ein Beerdigungs-Selfie mit Business-Lesson. Frandsen nennt es schlicht: „Übel“.

Tatsächlich scheint sich in der digitalen Rezeption ein neues Gleichgewicht herauszubilden: Zwischen Storytelling und Substanz. Zwischen Social-Media-Kompetenz und gesundem Menschenverstand. Karussell-Posts, PDFs, kurze Videos, Lives – alles hat seinen Platz. Aber entscheidend sei, wie glaubwürdig man auftrete. In Wort, Bild, Geste. Nicht die Form beeindruckt, sondern der Resonanzraum, den sie schafft.

Frandsen sieht sich dabei weniger als Coach denn als „Hürdennehmerin“ – für Menschen, die sich auf LinkedIn sichtbar machen wollen, aber nicht wissen, wie. Die Plattform verzeiht vieles – außer Aufgesetztheit.

Dass LinkedIn Audio eingestellt wurde, bedauert sie. Es sei ein niedrigschwelliges Format gewesen, ideal für den Austausch ohne Kamera, mit starker Community-Bindung. Jetzt gehe man mit Video Live weiter – aufwendiger, aber nicht weniger sinnvoll. „Ich hoffe, sie bringen es zurück“, sagt Frandsen. Auch das wäre ein Zeichen für Zuhören in digitalen Zeiten.

Denn das große Thema bleibt: Wie können Menschen sich online zeigen, ohne sich zu verlieren? Vielleicht ist die Antwort so einfach wie schwer: mit Haltung, Geduld – und dem Mut zur Unvollkommenheit.


📝 Cordula Frandsen ist Corporate Influencer Trainerin bei CAMAO. Auf der ZP Nord sprach sie über Kommunikationskultur, Plattformtrends und die Relevanz von Echtheit im Social Web.

🎥 Das vollständige Interview: YouTube-Link
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