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Zwischen Bühne und Bildschirm: Wie Mareile Blendl mit filmischen Methoden neue Wege in der Personalentwicklung eröffnet #ZPNord

Auf der Bühne ist sie zu Hause – als Schauspielerin in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen. Doch auf der Fachmesse Zukunft Personal Nord war Mareile Blendl in anderer Rolle zu erleben: Als Kommunikationstrainerin, Gründerin und Impulsgeberin für eine neue Art der Personalentwicklung. Ihr Thema: Die Entfaltung von Kompetenz – nicht durch klassische Seminare, sondern durch erlebte, körperlich verankerte Selbsterfahrung. Die Bühne: Ein improvisiertes Studio direkt an der Keynote Stage, umgeben von prall gefüllten Messehallen, deren Themen von Rekrutierung über künstliche Intelligenz bis hin zu betriebliches Gesundheitsmanagement reichten.

Blendl hat ein Trainingsformat entwickelt, das sich deutlich von den etablierten Verfahren in der HR-Welt absetzt. „Mein Ansatz speist sich nicht primär aus theaterpädagogischen Übungen, sondern aus filmischen Methoden“, erklärt sie. Ausgangspunkt sei das Phänomen, dass technologische Beschleunigung – etwa durch den Einsatz von KI-Tools wie ChatGPT – zwar Effizienzgewinne bringe, zugleich jedoch das zwischenmenschliche Drama erhöhe. „Wir erleben täglich Mikroanpassungen, permanente Umstellungen, neue Rollenanforderungen – das führt zu Spannungen, die im Arbeitskontext selten thematisiert werden.“

Die Trainings von Blendl setzen daher auf Selbstwahrnehmung, Wirkungssensibilität und Körpersprache – Fähigkeiten, die gerade in hybriden und digitalen Arbeitsumgebungen leicht vernachlässigt werden. Blendl arbeitet mit Gruppen, nicht frontal, sondern spielerisch und sinnlich: mit Düften, Brausepulver, Bewegung. „Bei mir gibt es keine graue Theorie“, sagt sie, „sondern erfahrbare Erkenntnisräume.“ Der Mensch wird nicht auf seine Funktion reduziert, sondern als ganzheitliches Wesen angesprochen.

Mini-Pitch statt Bewerbungsgespräch

In der Messehalle ging es um das Format des sogenannten Mini-Pitch: Die Fähigkeit, sich selbst, seine Kompetenzen und seine Potenziale in wenigen Minuten präzise und wirkungsvoll zu präsentieren – sei es im Vorstellungsgespräch, im Kundentermin oder in der internen Kommunikation. Für Blendl ist der Mini-Pitch ein verdichteter Moment der Selbstwirksamkeit. Er berührt die Grundfrage jeder beruflichen Entwicklung: Wie komme ich zur Wirkung?

Diese Frage ist aktueller denn je. Denn klassische Rekrutierungswege – so etwa der bildungsbürgerliche Habitus, das Auslandstrimester in den USA, das Vorstellungsgespräch mit normierten Fragen – geraten zunehmend in die Kritik. Auch auf der ZP Nord war zu spüren: Die Forderung nach Offenheit für Quereinsteiger, Ausbildungsabbrecher oder autodidaktisch geprägte Berufsbiografien nimmt zu. „Jeder Mensch hat Kompetenzen, unabhängig vom formalen Hintergrund“, so Blendl.

Neue Rollen, neue Unsicherheiten

Die Herausforderungen der heutigen Arbeitswelt lassen sich für Blendl nicht allein durch Tool-Schulungen und Stellenanzeigen lösen. Vielmehr gehe es um eine neue Rollenbildung. „Ich spreche mit vielen Menschen, die ihre bisherige berufliche Identität völlig neu definieren müssen“, berichtet sie. Die Digitalisierung verändert nicht nur Prozesse, sondern auch Tätigkeitsprofile: Ein Texter wird plötzlich auch Lektor, ein Projektmanager wird zum Content Creator, der mit KI-Tools kooperiert.

Diese permanenten Rollenanpassungen, so Blendl, verlangten eine hohe psychische Beweglichkeit. „Wir dürfen nicht nur auf die Optimierung der Prozesse schauen, sondern müssen die Menschen in den Blick nehmen, die sich in diesen Prozessen behaupten müssen.“ Ihr Trainingsansatz bietet keine Rezepte, sondern Erfahrungsräume, die helfen, innere Widerstände zu überwinden, die eigene Wirkung zu erkennen – und auszuspielen.

Schauspiel als Beziehungskunst

Dabei greift sie auf ihre Erfahrungen aus der Schauspielerei zurück. Castings etwa seien ein Paradebeispiel für kondensierte Performanz: „Ich verkaufe mein Gesicht, meine Emotionen, mein Gefühl – in direkter Konkurrenz zu anderen.“ Auch im Unternehmenskontext gelte: Wirklichkeit ist immer auch Inszenierung. Doch statt diese Tatsache als Täuschung abzulehnen, plädiert Blendl für eine bewusste Gestaltung: „Schauspiel ist eine Beziehungskunst – auch in der Arbeitswelt sind wir Mitgestalter unserer Beziehungen.“

Die wichtigste Ressource bleibt für sie der Körper – in einer Zeit, in der junge Menschen häufig über Überforderung, Isolation und Entfremdung klagen. „Wir müssen die Menschen wieder in Bewegung bringen“, sagt sie. „Sonst verlieren wir Talente an die Überforderung.“

Zurück in die eigene Spur

Inmitten einer Messe, die stark auf technische Tools, Softwarelösungen und KI-Innovationen fokussiert war, setzte Mareile Blendl mit ihrer Präsenz und ihrem Ansatz einen Kontrapunkt. Ihr Impuls: Zurück zum Menschen. Nicht als romantischer Rückzug, sondern als notwendige Ergänzung zu digitalen Strategien.

Die Personalentwicklung der Zukunft, so ihre These, braucht keine neuen Methoden, sondern neue Erfahrungsräume – Räume, in denen Menschen sich selbst begegnen können. Nicht als Rolleninhaber, sondern als ganze Persönlichkeiten.

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