
Köln, Halle 4.2, Zukunft Personal Europe. Zwischen LED-Wänden und Kameras tritt kein Start-up-Guru ans Mikrofon, sondern ein Praktiker: Rainer Odenhoven von Apleona. Er spricht nicht über Algorithmen oder Kapitalströme, sondern über Menschen. Über Führung. Über Wertschätzung. Und er setzt einen Kontrapunkt in einer Debatte, die lange von Schlagworten dominiert war: New Work, Purpose, Transformation.
„Jeder Mitarbeiter ist eigen gestrickt.“ Ein Satz, der beinahe altmodisch klingt – und gerade deshalb elektrisiert. Denn er erinnert daran, dass hinter allen Digitalisierungswellen, hinter allen Robotik-Debatten und hinter jeder Optimierung noch immer das Individuum steht, das gesehen, geführt und gehalten werden muss.
Das Defizit der Systeme
Die Karrieren vieler Führungskräfte beginnen in Fachabteilungen. Ingenieure, Techniker, Zahlenakrobaten steigen auf – und scheitern an Menschen. Empathie lässt sich nicht in Excel-Zellen abbilden. An Universitäten und Hochschulen fehlen bis heute Module über wertschätzende Führung. Lehrpläne füllen sich mit Controlling und Statistik, aber nicht mit der Kunst, Menschen zu verstehen. Odenhoven spricht aus, was in vielen Unternehmen längst bekannt ist: „Nicht jeder muss Führungskraft werden.“
Der Arbeitsmarkt im Umbruch
Gleichzeitig verschiebt sich das Fundament. Automobilindustrie und Zulieferer reduzieren zehntausende Stellen. Doch Entlastung bringt das nicht. Im Handwerk reißt die Lücke. Dort, wo der „goldene Boden“ liegt, fehlen die Fachkräfte. Ein Fliesenleger, der seine Arbeit inzwischen mit einer selbstentwickelten App plant, ist Sinnbild dieser Zeiten: Digitalisierung wird nicht als Modewort, sondern als Überlebensstrategie begriffen.
Mensch und Maschine
Wo keine Menschen mehr zu finden sind, übernimmt Technik. Reinigungsroboter in Nachtschichten, QR-Codes statt Papierlisten, digitale Protokolle für Kunden. Doch die Grenze ist klar: „Das Auge fehlt“, sagt Odenhoven. Für den Schaltschrank, für das Detail, für die Verantwortung. Hier bleibt der Mensch unersetzbar – und damit Führung, die Menschen ernst nimmt.
Die Arbeitgebermarke als Machtfaktor
Auch der Wettbewerb um Talente hat sich verschoben. Unternehmen sind nicht länger bloß Arbeitgeber, sie sind Marken. Social Media, Corporate Influencer, Instagram-Feeds – die Facility-Manager von Apleona lernen, was Modehäuser seit Jahren perfektionieren. Sichtbarkeit entscheidet. Glaubwürdigkeit noch mehr.
Ein Satz, der bleibt
Am Ende des Gesprächs verlässt Odenhoven den Managementjargon. Keine Charts, keine KPIs. „Die Welt ist hart genug. Auf der Arbeit sollen sich die Menschen sicher fühlen.“ Ein Satz, der wie ein Gegenprogramm wirkt zum hektischen Arbeitsmarkt, zur technokratischen Kälte vieler Debatten.
Führung ist mehr als Organisation. Führung ist Fürsorge. Wer das vergisst, verliert nicht nur Mitarbeitende, sondern auch Zukunft.
