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Vor dem #GreenMonday: Stahl und die grüne Utopie, die irgendwo da draußen liegt

Köln, ein Dienstag im September, der vorgibt, ein Montag zu sein. Der Green Monday. Er steht bevor, am 17. September, und in den Köpfen vieler kreisen die Gedanken schon jetzt um die Zukunft. Die Bühne wird bald bereit sein, die Lichter werden angehen. Menschen werden zusammenkommen, um von einer grünen Zukunft zu sprechen, von Visionen. Markus Reifferscheid, SMS group, wird dort stehen und von Stahl sprechen. Hart, kalt, schwer – und vor allem: dreckig. CO2, CO2, CO2. Die Zahlen werden durch den Raum fliegen, schwere, bleierne Fakten, die keiner ignorieren kann. 2,2 Tonnen CO2 pro Tonne Stahl, 1,8 Milliarden Tonnen weltweit. Diese Worte werden in den Köpfen haften bleiben, schwer und unvermeidlich.

Und doch, da ist sie, die grüne Utopie, ein ferner Traum, so weit weg wie der Horizont. „Grüner Wasserstoff“, wird Reifferscheid sagen, aber vielleicht wird es klingen wie ein Flüstern, das in der kühlen Luft hängt. Wasserstoff, das Wundermittel, das uns erlösen soll, doch nicht genug davon, nicht einmal annähernd. „Es reicht nicht“, wird er murmeln, und plötzlich wird der Raum wieder kalt, wie der Stahl selbst.

Während sich diese Szenen in den Köpfen derer abspielen, die dem Green Monday entgegenfiebern, herrscht in Duisburg eine angespannte Stimmung bei Thyssenkrupp. Die Worte von Miguel López, dem Vorstandsvorsitzenden, sollen aufmuntern: „Es gab nie eine Insolvenzgefahr des Stahlbereichs und es gibt sie auch jetzt nicht.“ Wie ein Mantra wiederholt, um die Geister zu besänftigen, die um die Duisburger Unternehmenszentrale schleichen.

Tiefe Gräben, so beschreibt es die FAZ. Tiefe Gräben zwischen den Interessengruppen, zwischen Mutter- und Tochtergesellschaft, zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Und da ist López, der wie ein Getriebener spricht: „Wir brauchen einen nüchternen, realistischen Blick in die Zukunft.“ Ein nüchterner Blick, der längst verloren gegangen scheint in den endlosen Runden der Aufsichtsratssitzungen, wo nichts entschieden wird, nur Minimalkompromisse.

Und dann wird es am 17. September in Köln anders sein, wenn die Menschen zusammenkommen, um von grüneren Stahlwerken zu träumen. Reifferscheid wird auf der Bühne stehen und von der Zukunft sprechen, die so schön sein könnte. Doch der Weg dorthin ist lang und steinig. Grüner Wasserstoff – das Versprechen einer neuen Ära, aber es gibt ihn nicht in den Mengen, die wir brauchen. Selbst wenn wir alles hätten, wäre es nur ein Tropfen im Ozean. Ein langer Prozess, 20, 30 Jahre vielleicht, um dorthin zu kommen, wo wir hinwollen. Und selbst dann? Wird es genug sein? Kann eine Branche, die so fest im Alten verankert ist, wirklich den Sprung ins Neue schaffen?

Reifferscheid wird von digitaler Transformation sprechen, von neuen Technologien, die alles besser machen sollen. Doch der Weg zur grünen Utopie ist voller Stolpersteine.

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