
Der Vorschlag kam ausgerechnet von einem anonymen Kulturbeauftragten, der sich bei näherer Betrachtung als ehemaliger Dramaturg entpuppte (oder wie man heute sagt: als „Kultur-Influencer mit Intendanzpotenzial“). Er schlug vor, ein Bonner Theater fortan „Herbert-Anton-Bühne“ zu nennen. Als Begründung nannte er „die literarische Urteilskraft der Dichtung, das bonnnahe Pathos der Form sowie das unvergessene Seminar über Lessings Minna als Orgasmusdrama im Kontext der Frühaufklärung“. Das saß.
Natürlich regte sich sofort Widerspruch. Die Grünen forderten stattdessen eine Umbenennung in „Greta-Thunberg-Kommunikationsraum“, die FDP bevorzugte „Friedrich-Merz-Lounge mit Renditevorschau“. Und die SPD? Wollte einfach nur, dass endlich wieder Wasser auf der Toilette fließt.
Aber zurück zur eigentlichen Frage: Wäre eine Bühne, benannt nach Herbert Anton, nicht das perfekte Denkmal für eine Stadt, die sonst vor allem mit Beethoven, Bundeskanzlern und Brückenbaustellen assoziiert wird? Und wäre das nicht die elegante Form, Bonn wieder eine Bühne zu geben, auf der nicht nur Kultur stattfindet, sondern Kultur geschieht – im Präsens, im Pathos, in der Pause?
Man stelle sich vor: Premiere in der Herbert-Anton-Bühne. Auf dem Spielplan: „Die Trutz-Nachtigall ist eigentlich ein Sperling“. Ein sprachkritisches Tanztheater mit Monologen über die Doppelseite von Adorno und Aphorismus. Es gäbe stehende Ovationen – nicht für die Aufführung, sondern für das Programmheft.
Denn Anton, das wissen wir spätestens seit dem Abend in der Buchhandlung Böttger (der übrigens von einem gewissen Gunnar Sohn dokumentiert wurde – siehe Signaturen-Magazin, aber bitte erst nach dieser Glosse googeln oder einfach auf den Link klicken), war kein Mann für halbe Gedanken. Und erst recht keiner für ganze Worthülsen. Er war der lebende Beweis, dass ein Aphorismus nicht nur eine rhetorische Form, sondern eine intellektuelle Lebensversicherung ist.
In diesem Sinne, liebe Bonnerinnen und Bonner: Bevor ihr wieder „Bonn gewinnt“ plakatiert oder euch ein neues Stadtlogo in Eierschale und Anthrazit andrehen lasst – wie wäre es mit einem Anton-Slogan?
- „Bonn lebt auf – und denkt nach.“
- „Zwischen Beethoven und Böttger: Der Bonner Bildungshügel.“
- „Bonn: Wo man noch Schlange steht für ein gutes Gleichnis.“
Oder, ganz einfach:
„Urteilskraft first – Der Rest ist Koalitionsvertrag.“

