
Es war eine dieser absurd heißen Apriltage, als die Nachricht wie eine Bombe in den Büros des Fraunhofer IMW einschlug. Die Luft war schwer, fast greifbar, und in dieser stickigen Atmosphäre verkündete der Vorstand die Entscheidung: Teilschließung. Das Herz des Leipziger Forschungszentrums sollte herausgerissen werden. Das Echo im Institut: ein empörtes Raunen, eine Welle der Kritik und Verzweiflung. Doch die Krönung dieses grotesken Schauspiels lieferte der Pressesprecher der Fraunhofer-Gesellschaft mit seiner nüchternen Proklamation:
„Der Vorstand hat beschlossen, den Standort Leipzig zu sichern und die Innovationspolitik zu stärken.“ Wie schön, das klang doch fast poetisch. Fast. Doch die Realität verbarg sich hinter verschlossenen Türen und vertraulichen Papieren. Vertraulichkeit, die vor allem eines bedeuten sollte: das Abwürgen jeglicher Transparenz. Keine Zahlen, keine Fakten, nur vage Andeutungen über „mehrfach nicht erreichte Ziele“ und „nicht entwickelte Alleinstellungsmerkmale“. Der Vorstand beschloss, der Vorstand entschied – und damit basta.
In den Reihen des IMW regierte hingegen blankes Entsetzen. „Vertrauliche Analysen bei einem öffentlich geförderten Verein? Interessant.“ Die Spottlust der Wissenschaftler war nicht zu überhören. So stand es geschrieben und wurde doch ins Lächerliche gezogen, diese surreale Kommunikation der Spitzenfunktionäre. Der Aufruf nach dem Informationsfreiheitsgesetz war der verzweifelte Schrei nach Aufklärung. Ein Schrei, der in den kalten Korridoren der Bürokratie verhallte.
Denn wie antwortete das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)?
Kurz und bündig. Kein Informationszugang, weil die Informationen vertraulich erhoben wurden. Punkt. Und als ob diese Dreistigkeit nicht schon genug wäre, folgte der lapidare Verweis auf die verschlossene Unterlage, die „mit einem persönlichen Passwort verschlüsselt“ war. Es klang fast wie ein schlechter Scherz, nur dass niemand lachte.
Man könne ja Einspruch erheben, wurde in der Rechtsbehelfsbelehrung angedeutet, allerdings gegen eine kleine Gebühr – 30 Euro.
Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, und so wendet sich das IMW-Team in ihrer Not erneut an die Öffentlichkeit und stellt die brennenden Fragen:
- Warum sind die internen Analysen und die Beschlussvorlage nicht öffentlich?
- Welche konkreten „tiefgehenden Analysen“ wurden durchgeführt?
- Was bedeutet „hinter den mit der Institutsleitung mehrfach vereinbarten Zielen zurück“ konkret?
Die Antworten? Vielleicht wieder eine weitere wohlformulierte Floskel? In der Zwischenzeit bleibt der IMW-Belegschaft nur, auf die Unterstützung der Politik und der Universität Leipzig zu hoffen. Denn wer weiß, vielleicht birgt der Schulterschluss mit dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus ja doch noch eine unerwartete Wendung in dieser bizarren Posse.
Die Moral von der Geschichte? Transparenz ist ein hübsches Wort, das gerne in Pressemitteilungen benutzt wird. Die Realität? Ein dichter Dschungel aus Paragraphen und Gebührenordnungen, der jeden Informationssuchenden verzweifeln lässt. Willkommen im 21. Jahrhundert, wo Wissen Macht ist – und Macht heißt, das Wissen zu kontrollieren.
