
„Schönwetter-Managen kann jede(r). In der Krise zeigt sich, wer wirklich steuern kann.“ Mit diesem Satz brachte Tina Müller, CEO von Weleda, im Messe-TV-Interview und in ihrer Keynote auf der Zukunft Personal Europe die Lage auf den Punkt. Es war kein weichgespülter Auftritt, sondern eine präzise Ansage an Wirtschaft, Politik und HR.
Transformation als Bewährungsprobe
Müller schilderte, wie Weleda die vergangenen Krisenjahre genutzt hat, um stärker aus ihnen hervorzugehen: Wachstum, Gewinne, klare Positionierung. Während manche Konzerne bei ESG oder Lieferketten zurückrudern, betonte sie: Für Weleda ist Nachhaltigkeit kein freiwilliges Extra, sondern „nicht verhandelbarer Purpose“.
Kreislaufwirtschaft und neue Geschäftsmodelle
Im Gespräch wurde deutlich: Weleda setzt auf Kreislaufwirtschaft, Refurbishing und innovative Modelle, die Nachhaltigkeit und Wachstum verbinden. „Man kann mit Nachhaltigkeit wachsen – aber nur, wenn man mutig ist, neue Wege zu gehen“, so Müller. Das erfordert Investitionen, Commitment und eine klare Haltung gegen die Versuchung, in schwierigen Zeiten nachzulassen.
Diversity als Signal
Beim Thema HR und Vielfalt zeigte sie sich optimistisch, warnte aber vor Rückschritten: „Diversity ist kein Thema für Schönwetterphasen.“ Frauen im Management seien kein Alibi, sondern eine Frage von Qualität und Wettbewerbsfähigkeit. Sie forderte Aufsichtsräte auf, Frauen in die entscheidenden Nominierungskomitees zu bringen – und appellierte an Managerinnen, den Schritt in die Verantwortung zu wagen, trotz kurzer Halbwertzeiten auf CEO-Posten.
Haltung zeigen – auch politisch
Besonders deutlich wurde Müller, als es um Haltung ging: Für Weleda sei eine demokratische Grundhaltung ebenso wichtig wie ökologische Nachhaltigkeit. „Wer für Demokratie einsteht, muss Kritik aushalten.“ Dass CEOs in die politische Debatte eingreifen, sei überfällig: „Mehr CEOs in Ministerposten würden diesem Land guttun.“
HR als Co-Pilotin
Ihr Fazit: Transformation gelingt nur, wenn HR und CEO wie im Cockpit Seite an Seite arbeiten. „Da darf kein Blatt dazwischen passen.“ Personalmanagement sei nicht Verwaltung, sondern strategischer Co-Pilot – gerade dann, wenn es stürmisch wird.
