
Bonn, Sommer, Rheinaue. Eigentlich Bühne, Welt, Musik. Und doch: die Stadt benimmt sich wie eine schwäbische Schwiegermutter mit Dezibelmesser im Nachthemd, streng, pedantisch, jederzeit bereit, den Spaß zu unterbrechen. Acht Minuten Lynyrd Skynyrd zu laut – und zack! – das Verwaltungsgewitter: zwanzigtausend Euro Bußgeld. Ein Strafzettel fürs Leben selbst.
Und jetzt, Wahlkampf, plötzlich die große Erleuchtung im OB-Büro. Katja Dörner, fünf Jahre lang schweigend im Garten der Vorschriften, findet kurz vor der Wahl das Pathos der Rockgitarre. „Ich wünsche mir Konzerte, die auch mal laut sein dürfen.“ Ach wirklich? Welch kühne Vision! Dass Musik laut ist, wussten bislang nur Schlagzeuger und Nachbarn mit offenem Fenster.
Fünf Jahre Stillstand, jetzt Spätlese der Erkenntnis, trocken, säuerlich, wie Wein am falschen Hang. Statt Kulturpolitik: Förderlein hier, Projektlein dort, die kleine Süßigkeit für den großen Schmerz. Währenddessen stirbt die Stadt langsam den Provinztod, Kultur als Sondermüll, Kunst als Aktenvorgang.
Und draußen: Menschen, die tanzen wollen. Bands, die krachen wollen. Eine Stadt, die eigentlich brüllen müsste, singen, schreien, sich selbst feiern. Aber nein: Dezibel-Messgeräte am Rheinufer, Vorschriften als Ohrstöpsel, Verwaltung als Endgegner.
Das ist die Farce. Musik wird zum Verstoß, Leben zum Lärm, Kultur zur Ordnungswidrigkeit. Und mitten drin eine Oberbürgermeisterin, die kurz vor dem Showdown entdeckt, dass Konzerte Freude sind.
Zu spät.
Zu leise.
Zu durchsichtig.
Der Wahlkampf lärmt, die Stadt verstummt.
