
Im Messe-TV-Studio der Zukunft Personal Süd trafen zwei Trainer aufeinander, die nicht nur über Methoden sprechen, sondern sie verkörpern:
Joachim Georg Beyer-Wagenbach, Präsentationscoach und Experte für Stimmwirkung (Die Macht der Stimme) – und Thomas Wunderberg, Trainer bei e³ trainings, zertifizierter Sehtrainer und Spezialist für Improved Reading.
Das Thema: Wirkung durch Wahrnehmung. Vom Umgang mit Nervosität bis zum bewussten Umgang mit Texten – ein Gespräch voller Pointen, Techniken und Selbstironie.
Von Kermit-Stimme zu Klartext
Joachim Beyer-Wagenbach beginnt mit einem Blick auf die Bühne: Nervosität, Lampenfieber, Verspannung – alles sichtbar, alles hörbar. Wer nicht gelernt hat, mit seiner Stimme umzugehen, verliert Bindung zum Publikum.
„Wenn Menschen lernen, sich zu akzeptieren und gelassen bei sich zu bleiben, dann verändert sich auch die Stimme“, sagt er. Dazu gehören Übungen mit dem Weinkorken – zur Artikulation – und Zungenbrecher wie „Blaukraut bleibt Blaukraut“ oder „Brautkleid bleibt Brautkleid“. Und er warnt vor dem „Kermit-Effekt“ – jener nervös-nasalen Stimmlage, die im entscheidenden Moment jede Autorität untergräbt.
Es geht ihm um Präsenz, nicht um Show. Und um das, was Hildegard Knef einst sagte: Wenn du das Publikum nach dem dritten Lied nicht hast, war der Abend verloren.
Für Redner gilt dasselbe – mit einer Abkürzung, die sich einprägt: Con before Con – Connection before Content.
Vom Grundschul-Lesen zum strategischen Textverständnis
Thomas Wunderberg setzt am anderen Ende der Kommunikation an – beim Lesen. Und zwar nicht als nostalgische Tugend, sondern als Alltagswerkzeug.
„Viele lesen grundschulgerecht“, sagt er – also zu langsam, unreflektiert und ohne Ziel. Improved Reading ist für ihn kein Schnellerlesen, sondern erwachsenengerechtes Lesen.
Er schildert, wie er als Führungskraft täglich 100 Mails las – ohne zu wissen, was eigentlich drinstand. Erst mit Lesestrategien änderte sich das. Ergebnis: weniger Stress, mehr Klarheit, bis zu drei Stunden Zeitgewinn pro Tag.
Lesen wird dabei nicht zum Pflichtprogramm, sondern zur Möglichkeit: „Wenn es ein blödes Buch ist, bin ich wenigstens schneller durch.“
Stimme und Text als tägliches Trainingsfeld
Beyer-Wagenbach empfiehlt, regelmäßig mit der eigenen Stimme zu arbeiten – z. B. beim Telefonieren. Dort sieht einen niemand, dort lässt sich unbemerkt üben. „Direkt loslegen mit der Atmung, nicht einatmen, dann sprechen – das ist die Basis.“
Wunderberg ergänzt: Lesekompetenz ist auch politische Bildung. Wer nur Überschriften scannt, bildet keine Meinung, sondern Reaktionsmuster. „Improved Reading“ bedeutet: konzentrieren, hinterfragen, bewerten.
Beide betonen: Ohne Ziel keine Wirkung. Weder im Auftritt noch im Textverständnis. Wer sich vorbereitet, bewusst liest oder spricht, gewinnt Kontrolle zurück – und damit Selbstwirksamkeit.
Stimme und Lesen sind keine Selbstverständlichkeiten.
Sie sind Werkzeuge – und Lebenslinien.
Wer seine Stimme kennt, bleibt hörbar.
Wer Texte strategisch liest, bleibt handlungsfähig.
Joachim Georg Beyer-Wagenbach hilft, den eigenen Ton zu finden – nicht nur stimmlich.
Thomas Wunderberg bringt das Lesen dorthin zurück, wo es hingehört: mitten ins Leben.
Und manchmal beginnt beides – mit einem Korken.
