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Schlachtfeld der Beredsamkeit

white quote paper cutout

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Aus dem Zettelkasten: Eine Lesung, die uns in die Redekunst von Marcus Tullius Cicero entführt, geführt von einem passionierten Vorleser, der – wie könnte es anders sein – seine Cicero-Brille aufsetzt. Aber Moment, bevor wir verzückt seufzen: Haltet einen Moment inne, denn wir betreten die Arena der Rhetorik – oder sollte ich sagen, das Schlachtfeld der Beredsamkeit?

Unser Vorleser, nennen wir ihn den Meister der Cicero-Rezitation, führt uns ein in die hohe Kunst, die Cicero und seine Nachfolger zur Perfektion getrieben haben. Cicero, dieser antike Meister der Worte, könnte heutige Schüler lehren, dass man erst etwas zu sagen haben muss, bevor man lernen kann, wie man es sagt. Ein zeitloser Rat, besonders in einer Ära, in der PowerPoint-Präsentationen als die heilige Schrift der Businesswelt gelten und jeder dahergelaufene Manager glaubt, er sei der geborene Rhetor. Häufig anzutreffen sind „Im-Bild-Steher“. Sie laufen hektisch zwischen Beamer und Leinwand hin und her oder vor den Zuhörern auf und ab. Wahre Könner verbinden beides zu einer erratisch anmutenden Choreografie. Die ‚Im-Bild-Steher’ verdecken gerne die Projektion, während sie wieder und wieder auf die Folie schauen.

Doch die Lesung geht weiter und macht einen beeindruckenden Schlenker zu Friedrich Schiller. Ja, Schiller! Der Dichter, der versuchte, die trockenen akademischen Diskurse mit der Schönheit der Literatur zu verbinden. Stellt Euch das mal vor: ein Kampf gegen die „Expertokratie“, eine Rebellion gegen die unverständliche Fachsprache, die wie ein geheimes Ritual gepflegt wird. Ein mutiges Unterfangen, besonders in einem Land, wo ein verschwurbelter Jargon als Zeichen wissenschaftlicher Exzellenz gilt. Aber Schiller, der alte Revoluzzer, wollte nichts weniger als eine Erneuerung der antiken Rhetorik – im modernen Gewand.

Was lernen wir aus dieser Lesung? Nun, erstens, dass die Fähigkeit, sich verständlich auszudrücken, kein banales Unterfangen ist. Im Gegenteil, es ist eine hohe Kunst. Zweitens, dass wir in einer Gesellschaft leben, die kaum Brücken zueinander findet. Ein Dilemma, das nicht nur Wissenschaftler und Politiker, sondern auch Führungskräfte der Wirtschaft betrifft.

Denkt an Ciceros Worte über die „unberührte Klugheit der Philosophen“ und die „redselige Dummheit der politischen Redner“. Treffend, nicht wahr? Für eine Demokratie ist dies gefährlich, weil die Sprachlosigkeit die Möglichkeit zur sachgerechten Debatte und Entscheidung raubt. Die Kunst der Rhetorik ist nicht nur die Kunst des Überzeugens, sondern vor allem die Kunst, komplexe Probleme verständlich darzustellen.

Zum Abschluss dieser geistreichen Exkursion in die Welt der Redekunst bleibt mir nur zu sagen: Bravo, Cicero, bravo, Schiller! Und ein herzliches Dankeschön an unseren Vorleser, der uns erneut gezeigt hat, dass wahre Beredsamkeit eine ständige Übung und ein tiefes Verständnis der Materie erfordert. Mögen wir alle ein wenig Cicero in uns entdecken und die Kunst der verständlichen Rede neu beleben.

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