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Kommentar: Rettet die Welt – mit Papier! Ein Start-up und die große Illusion der Nachhaltigkeit

Na klar, jetzt also Papier! Nach der Nummer mit der kompostierbaren Zellulosefolie, die irgendwie kompostierbar war – oder auch nicht, je nachdem, ob dein heimischer Kompost ein NASA-Zertifikat für „Ideale Bedingungen“ vorweisen konnte – ziehen die Leipziger Schoko-Gurus von The Nu Company den nächsten Trumpf aus dem Ärmel: recyclebares Papier. Und wir sollen jubeln, weil wir jetzt nicht mehr „kompostieren“, sondern „recyceln“ dürfen. Hurra!

Man muss es ihnen lassen, diese Leipziger wissen, wie man das Narrativ der Nachhaltigkeit neu verpackt. Jetzt also Papier, ein Material, das das Umweltbundesamt gerne als den feuchten Albtraum jedes Öko-Evangeliums bezeichnet. Klar, ein bisschen Holz fällen, ein bisschen Energie verfeuern, und nicht zu vergessen, die freundliche Chemie, die wir ins Wasser kippen. Alles gut für den Planeten, oder?

Aber warte, es wird noch besser: Recyclebar. Dieses Zauberwort, das in der Mülltrennungs-Lotterie immer für ein bisschen moralischen Seelenfrieden sorgt. „Ja, ich hab’s in den blauen Sack geworfen. Der Planet ist gerettet.“ Wie beruhigend. Dass der Recyclingprozess selbst mit seiner Energieverschwendung und dem Wasserverbrauch ein echter Umweltknaller ist, lassen wir mal außen vor. Details, Details.

Nun also der große Wechsel von der Zellulosefolien-Fantasie zum Papiertraum. Kein Wort mehr von der gescheiterten Kompostierungs-Utopie. Stattdessen: „Wir sind jetzt grün, weil Papier besser ist als Plastik!“ Woher diese Überzeugung kommt? Nun ja, frag mal nicht so genau nach. Hauptsache, es fühlt sich besser an. Und das ist ja das Entscheidende in dieser ganzen Öko-Show. Nicht, was wirklich passiert, sondern wie es sich für den Konsumenten anfühlt. Und wenn wir uns dann alle gut fühlen, weil wir unsere Schokoriegel in „recyclebares“ Papier wickeln, dann können wir uns doch endlich mal entspannt zurücklehnen. Der Planet? Na klar, dem geht’s super!

The Nu Company liefert uns also die nächste Staffel ihrer Öko-Epos-Serie, diesmal mit dem großen Plot-Twist: Papier statt Plastik, Holz statt Kompost. Und wie üblich bleibt der Applaus nicht aus. Schließlich geht es nicht um Lösungen, sondern um das gute Gefühl, das wir haben, wenn wir glauben, dass die Weltrettung nur eine Papierrechnung entfernt ist.

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