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Ostermontag beginnt leise – wie ein Ei, das nicht zerbricht, sondern sich öffnet

Ein Behälter des Möglichen.
Brüchig. Weiß. Verschlossen.
Und doch: In seinem Inneren formt sich Leben.

Das Ei ist kein Happy-End, es ist ein Anfang, der zögert.
Ein Schwebezustand zwischen Tod und Morgen.
Zwischen Grab und Geschichte.

Wer ein Ei in der Hand hält, hält ein Versprechen.
Nicht laut, nicht grell – aber stark.
Denn das Eigentliche geschieht im Verborgenen.
Ohne Beweis, ohne Beifall.

Ostermontag ist der Tag danach.
Kein Paukenschlag. Kein Triumph.
Nur zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus.
Und einer, der mitgeht, ohne erkannt zu werden.
Die Auferstehung erscheint nicht in Schlagzeilen,
sondern im Gespräch.
Im Brotbrechen.
Im Alltäglichen.

Die Wiederaufstehung – ob religiös oder säkular verstanden – beginnt dort,
wo man das Alte nicht mehr halten kann
und das Neue noch nicht sichtbar ist.

So ist das Ei auch ein Bild für uns:
Für das, was in Krisen keimt,
für das, was unter der Oberfläche reift,
für den Moment, in dem etwas in uns bricht –
und daraus ein anderer Blick entsteht.
Auf die Welt. Auf das Leben. Auf uns selbst.

Ein Ostertext? Vielleicht.
Aber eher ein Text über Geduld.
Über Hoffnung ohne Garantie.
Und über den Mut, nicht gleich alles zu verwerfen,
was noch nicht glänzt.
Denn wahres Licht erkennt man oft erst,
wenn es sich nicht mehr ankündigt.

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