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Nur einziges Mal die Meeting-Aura spüren

Es ist schon 104 Uhr. Es ist 14:10 Uhr. Oder viertel drei. Oder einfach zu spät. Managementleere. Mit Doppel-e. Wie Betriebswirtschaftsleere. Weil. Weil nichts bleibt. Außer Leere.

Wöhe ist tot. Aber lebt weiter, wie ein untoter Wirtschaftsprofessor, der sich durch PowerPoint-Präsentationen schlurft. 500 Seiten Bullet Points, 200 Diagramme, 1,5 Ideen. Management. Die große Kunst der Strategieformulierung. Zahlenstapelei. Planung. Controlling. Kontrolle. Oder keine Kontrolle. Jedenfalls nicht über das eigene Leben.

Die Disruptionsjongleure rufen: Agilität! Transformation! Zukunft! Und alle so: nick, nick, excel, excel. Agil ist jetzt jeder, auch die Buchhaltung. Post-its sind die neuen Hierarchien. Meetings sind die neuen Arbeitszeiten. Und der Vorgesetzte ein Facilitator mit Sinn-Coaching-Seminar. Die Personalentwicklung predigt Eigenverantwortung, aber wehe, jemand ist eigenverantwortlich. Dann braucht es eine Task Force. Mit Roadmap. Und Net Promoter Score. Und Synergie-Koeffizient. Und Engagement-Index. Und dem brandneuen „Cultural Alignment Factor“, kurz CAF, der misst, wie gut Mitarbeitende in der Unternehmensfamilie angekommen sind. Und Sinn! Die Sinnmaschine dreht sich, bis alle schwindlig sind.

Aber bitte: alles auf Augenhöhe! Das ist wichtig! Augenhöhe! Also im Meeting dann doch bitte der flache Hierarchie-Kreis, aber nicht zu flach. Sonst fehlt die Struktur. Dann doch lieber ein Hierarchie-Hexagon, das fühlt sich irgendwie moderner an. Dazu noch eine Achtsamkeitsminute zu Beginn. Atmen. Zentrieren. Einmal die Meeting-Aura spüren. Jetzt darf diskutiert werden. Aber bitte achtsam! Keine negativen Vibes, keine unproduktiven Impulse.

Aber vielleicht. Vielleicht gibt es irgendwo eine Hochschule, eine Business School, in der die Zukunft schon läuft. Vielleicht sitzen sie dort, die neuen Macher, und erfinden das Management neu. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Wahrscheinlicher ist, dass sie einen neuen Master-Studiengang erfunden haben: Business Creation. Statt Verwaltung jetzt also Erschaffung! Und was erschaffen sie? Ein weiteres Gremium für ein Strategiepapier.

Und dann diese Meetings. Meetings mit 17 Leuten. Davon sprechen drei. Zwölf denken an ihre Mails. Zwei tun so, als würden sie mitschreiben, malen aber nur Kreise ins Notizbuch. Einer schweigt, weil er schon innerlich gekündigt hat. Ergebnis: Es wird ein Follow-up-Meeting angesetzt. Thema: Effizienzsteigerung anhand des „Holistic Productivity Score“ (HPS), der sich aus Meeting-Teilnahme, PowerPoint-Folien-Anzahl und gefühlter Teamharmonie berechnet.

Aber Führung! Leadership! Das neue Mantra. Jetzt mit noch mehr Buzzwords. Purpose. Mindset. Disrupt yourself. Wer nicht mitzieht, ist toxisch. Wer Kritik äußert, hat das Big Picture nicht verstanden. Wer produktiv ist, ist verdächtig. Wo bleibt da die Work-Life-Balance? Work Hard, Play Hard. Play Hard, Burn Out. Dann Coaching buchen. Resilienz trainieren. Bisschen Yoga, bisschen Achtsamkeit, dann geht’s weiter.

Es ist 14:11 Uhr. Oder 104 Uhr. Oder einfach nur Zeit, den ganzen Unsinn mal zu hinterfragen. Aber dafür gibt’s kein Budget. Scheiße. Wieder ein Jahr nix gerissen.

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