
Das Internet, liebe Leute, diese große, weite Spielwiese der Freiheit und des Wissens, hat sich inzwischen in etwas verwandelt, das nur als digitaler Hindernisparcours für Fortgeschrittene beschrieben werden kann. Stellt euch vor, ihr seid ein Kind im Süßigkeitenladen – Bonbons, Pralinen, Schokolade, alles vor euch ausgebreitet – und dann kommt die Verkäuferin und sagt: „Für nur 5,99 kannst du ein Bonbon essen. Das zweite kostet dann 7,99 im Abo.“
„Niemand hat die Absicht, eine Paywall zu bauen,“ sagte man uns, während die ersten Steinchen schon sorgfältig übereinandergelegt wurden, unsichtbar natürlich, weil niemand ja eine Mauer bauen will. Eine Mauer, klar, wer macht denn sowas heute noch? Nein, wir haben stattdessen die Paywall, die freundliche, unsichtbare Mauer des digitalen Zeitalters. Ohne Stacheldraht, dafür mit Monatsabo. Keine Wachtürme, aber Kreditkartenabrechnungen.
Da klickst du arglos auf einen Artikel – sagen wir, du willst wissen, ob Tomaten jetzt offiziell als Obst anerkannt sind – und ZACK! Eine Paywall springt dir ins Gesicht wie ein hyperaktives Eichhörnchen. „Für nur 2,99 im Monat!“ ruft sie, als wäre das das beste Angebot seit der Erfindung des Internets. Du lehnst dich zurück und denkst: „Na gut, was soll’s. Ich muss wissen, ob Tomaten Obst sind.“ Aber dann kommt es – das Angebot für das Premium-Abo! Für nur 5,99 bekommst du nicht nur die Antwort, sondern auch „exklusive“ Rezepte, die du eh nicht kochen wirst, und „Werbefreiheit“. Ein Schnäppchen, oder?
Doch Moment mal, du hast ja schon ein Abo. Oder zwei. Oder vielleicht drei. „Für nur 9,99 im Monat hast du Zugriff auf Millionen Songs, die du nie hören wirst!“ „Für nur 12,99 siehst du alle Serien, die du nicht schauen kannst, weil du zu beschäftigt bist, Abo-Rechnungen zu prüfen.“ Und jetzt noch dieses Tomatenabo? Aber klar, was sind schon ein paar Euro mehr? Schließlich geht es hier um Wissen, um Freiheit, um Tomaten!
Natürlich, wir erinnern uns noch an die alten Zeiten, als das Netz ein wilder Westen war. Alles war zugänglich, alles war frei, und niemand dachte daran, uns diese Freiheit in Monatsraten zu verkaufen. „Niemand hat die Absicht, eine Paywall zu bauen!“ Natürlich nicht! Wer würde denn auf so eine Idee kommen? Doch plötzlich, da ist sie – die Paywall, lächelnd, freundlich, fast einladend: „Komm doch, tritt ein! Aber zuerst, zeig mal deine Kreditkarte!“
Und wir? Wir zahlen. Nicht ohne Protest, aber wir zahlen. Die digitale Mauer hat uns eingekreist, und anstatt zu fliehen, abonnieren wir sie. Ironischerweise, um unsere Freiheit zu bewahren – die Freiheit, jeden Artikel zu lesen, jedes Video zu sehen, jede Musik zu hören. Freiheit ist nicht umsonst, meine Freunde. Sie kostet monatlich, automatisch abgebucht, bis du nicht mal mehr weißt, wie viele Abos du eigentlich hast.
Aber keine Sorge, „Niemand hat die Absicht, eine Paywall zu bauen.“ Außer vielleicht jeder.

