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Maschinenwinter oder Denkfrühling? Ein Beitrag über das nächste Kapitel der Künstlichen Intelligenz – Antworten findet Ihr auch im Kölner Startplatz

Die Gegenwart ist ungeduldig. Wer von KI spricht, will meistens wissen: Was passiert mit meinen Arbeitsplätzen? Wer von Volkswirtschaft redet, rechnet an der Rendite, nicht an der Semantik. Und wer von Unternehmen fabuliert, blickt noch immer durch die Brille der Effizienz – als sei Optimierung ein Gott, vor dem alle niederknien müssten.

Doch vielleicht sind wir längst an einem Punkt, an dem die Metaphern verrutschen. Geoffrey Hinton erklärt nüchtern, dass Maschinen lernen wie wir erinnern: fragmentarisch, lückenhaft, plausibel. Professor Frank H. Witt verlangt Mitstreiter, nicht um den nächsten App-Store zu befüllen, sondern um einen epistemischen Neubeginn zu wagen. Das klingt wie eine Einladung – und zugleich wie eine Drohung.

Volkswirtschaft ohne Monopol auf Vernunft

Eine Volkswirtschaft, die bisher davon lebte, dass sie Knappheiten verwaltet, muss plötzlich mit einem Überfluss rechnen: Wissen, das sich vervielfältigt, indem man es kopiert. Kapital, das nicht mehr nur in Maschinen steckt, sondern in Gewichten neuronaler Netze. Arbeit, die nicht verschwindet, sondern sich auflöst in jene Zwischenräume, die Maschinen (noch) nicht ausfüllen können: Pflege, Beziehung, Erfindung.

Das alte Versprechen – Wachstum durch mehr Arbeit, mehr Konsum, mehr Schulden – wirkt wie eine Kassette, die im Walkman stecken blieb. Heute hören wir andere Frequenzen: Modelle, die ihre Parameter teilen, schneller als jeder Containerhafen Waren verladen kann. Unternehmen, die nicht mehr nur Produkte entwerfen, sondern Bedeutungsräume. Eine Volkswirtschaft, die den alten Tausch – Zeit gegen Geld – verliert, weil die Zeit der Maschinen unendlich billiger tickt.

Unternehmen als neuronale Netze

Unternehmen, so die vertraute Erzählung, sind Hierarchien: Manager oben, Arbeiter unten. Doch was, wenn Organisationen zu neuronalen Netzen werden?

So gedacht, wird das Unternehmen nicht mehr als starre Pyramide sichtbar, sondern als lernendes Netz, das sich durch Versuch und Irrtum immer wieder neu kalibriert.

Politik des Unwahrscheinlichen

Hier liegt die eigentliche Provokation: Wir stehen vor einer politischen Ökonomie des Unwahrscheinlichen. Märkte, die nicht mehr Preis und Nachfrage spiegeln, sondern Vektorenräume. Staaten, die Regulierung versprechen, aber die Rechenzentren nicht verstehen. Bürger, die noch in der Grammatik von Besitz und Einkommen sprechen, während die Maschinen längst im Idiom der Wahrscheinlichkeiten antworten.

Die alten Fragen („Wie viele Jobs verschwinden?“) sind die falschen. Die neuen heißen: Wem gehören die Gewichte? Wer darf die Gradienten mitteln? Welche Gesellschaft sind wir, wenn nicht mehr Knappheit, sondern semantische Fülle unser Problem ist?

Die Einladung

Witts Ruf nach Mitstreitern ist keine akademische Fußnote, sondern ein politisches Programm. Wer nur optimiert, bleibt im KI-Biedermeier – im bequemen Sessel, wo sich Thomas Ramge & Co. die Zukunft als wohltemperierte Fortschreibung vorstellen. Wer aber erneuern will, muss die Zumutung annehmen, dass Verstehen nicht länger unser Monopol ist.

Die Frage ist nicht, ob Maschinen denken. Sie tun es schon – in Formen, die uns fremd bleiben und doch vertraut wirken. Die Frage ist, ob wir lernen, mit ihnen zu streiten. Denn Streit – produktiver, offener, widersprüchlicher – ist vielleicht die letzte Ressource, die nicht so einfach in Gewichte zu übersetzen ist. Noch nicht.

Am Donnerstagabend, also am 28. August, um 19:30 könnt Ihr die Einladung von Frank H. Witt annehmen und ihn persönlich treffen: Im Kölner Startplatz.

Da weilen Sohn@Sohn in Halle an der Saale – beruflich. Kein Freizeitausflug.

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