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Kölsch statt Kino – Storytelling ohne Tom Cruise #ZPSüd

Im Messe-TV-Studio der Zukunft Personal Süd traf ich Petra Lammers, CEO von onto Story – und eine der wenigen, die Storytelling nicht mit Hollywood verwechselt. Keine Heldenreise, keine 30-Millionen-Dollar-Budgets, keine Tom Cruise-Missionen. Stattdessen: kollaborative Narrative, Reflexion statt Explosion, Sinn statt Pathos.

Lammers’ These: Die Heldenreise ist überbewertet. Sie stammt aus einer Zeit, in der die Männer loszogen, um Drachen zu erlegen – und die Frauen zu Hause die Erdbeeren sammelten. Was gut funktioniert bei Blockbustern, scheitert bei echten Themen wie Demokratie, Nachhaltigkeit oder politischer Bildung.

Auenland reicht nicht mehr

„Der Held rettet das Auenland – und wir können beruhigt auf dem Sofa sitzen bleiben.“ So beschreibt Lammers die Verlockung klassischer Dramaturgie. Doch bei Transformation, Klimaschutz oder sozialem Zusammenhalt helfen keine magischen Ringe. Es braucht kollektive Erzählungen, keine Einzelaktionen. Keine Superkräfte, sondern geteilte Verantwortung.

Und genau das macht das Erzählen so schwer – denn unser Alltag ist nicht dramaturgisch aufbereitet. Er ist zäh, widersprüchlich, schräg, oft genug auch lustig.

Was tun?

Lammers entwickelt mit OntoStory Formate, die mit Triggerpunkten arbeiten, mit Figuren wie Yuki oder Febi, mit bildhafter Sprache, mit Humor, Witz und Haltung. Statt Appellen: Erfahrungen. Statt Generalschlüssel: individuelle Zugänge. Ein Beispiel: das Höhenwindrad, das dreimal so hoch ist wie der Kölner Dom. „Dat es doch e Bild!“, so meine Anmerkung.

Was sie ablehnt, ist die abstrakte Floskel, wie etwa „Zivilgesellschaft“: Wer alle meint, erreicht niemanden. Also lieber konkreter: mit Bildern, mit Geschichten aus dem Alltag, mit ungewöhnlichen Perspektiven. Wie der Idee, defekte Toaster in eine DHL-ähnliche Box zu geben – zur Reparatur, zur Wiederverwertung. Kreislaufwirtschaft zum Anfassen. Auch das: eine Geschichte.

Schluss mit Chefansprache

Die populistische Versuchung ist klar: einfache Narrative, starke Figuren, keine Grautöne. Doch die Realität – ob in Ditmarschen, Sachsen oder Köln – funktioniert anders. Transformation gelingt nicht mit einem Satz des CEO, sondern durch Beteiligung, Bilder, Reibung. Und, wie Petra Lammers sagt: „Es muss Spaß machen.“

Kein Held, keine Reise – und trotzdem eine gute Geschichte.
Petra Lammers zeigt, dass man auch ohne Kitsch, Knalleffekt und Kinoerzählung Menschen bewegen kann. Nicht weil sie einem Führer folgen – sondern weil sie gemeinsam losgehen.

Mit Neugier. Mit Widerspruch. Und mit einem Lächeln, das auch in Kölsch noch trägt.

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