Green Monday fordert Gesetzesoffensive für Kreislaufwirtschaft – Von der Beschaffung bis zur Finanzierung: Zwei Jahre nach dem Start wächst aus der Community ein konkretes wirtschaftspolitisches Programm @bundeskanzler @schneidercar @Umweltbundesamt @DirkMessner @bde_presse
gsohn
Zwei Jahre nach dem ersten Green Monday zeigt sich, wie stark sich das Netzwerk aus Wirtschaft, Wissenschaft und Finanzwelt zu einem Treiber für nachhaltige Industriepolitik entwickelt hat. Auf der jüngsten Veranstaltung in den Räumen der GLS Bank verdichteten sich die Debatten zu einem klaren politischen Forderungskatalog – von der öffentlichen Beschaffung über Steueranreize bis hin zu neuen Finanzierungsmodellen.
Vergaberecht als Motor der Transformation
Im Mittelpunkt stand das vom Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) beauftragte Rechtsgutachten der Kanzlei Becker Büttner Held (BBH). Es belegt, dass die bestehenden Gesetze bereits eine Bevorzugung von Recyclingmaterialien erlauben – sie wird aber kaum genutzt. „Die öffentliche Hand hat eine historisch einmalige Chance“, sagte Anja Siegesmund, Präsidentin des BDE. „500 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds könnten den Startschuss für ein neues Kapitel industrieller Modernisierung geben – wenn sie in Stoffkreisläufe statt in Beton fließen.“
Das Gutachten fordert:
einen Vergabegrundsatz der umweltfreundlichen Beschaffung (§ 97 GWB),
eine Klarstellung in § 45 KrWG zur bevorzugten Nutzung von Recyclingrohstoffen,
und einklagbare Rechte für Bieter, wenn ökologische Kriterien missachtet werden.
Von der Quote zur Pflicht – das Sofortprogramm Kreislaufwirtschaft
Der BDE stellte zudem ein Sofortprogramm vor: Rezyklatquoten im öffentlichen Einkauf, steuerliche Anreize für langlebige Produkte, Bürokratieabbau für zirkuläre Geschäftsmodelle und Versicherbarkeit rückgebauter Baustoffe. „Zirkularität ist kein Luxus – sie ist Versorgungssicherheit, Klimaschutz und Standortpolitik in einem“, betonte Siegesmund.
Steuerliche Anreize und neue Bewertungslogik
Wilhelm Mauss, Geschäftsführer der Lorenz GmbH & Co. KG, forderte einen Nullsteuersatz für wiederverwendete Produkte. Sein Unternehmen erreicht bei Wasserzählern eine Wiederverwendungsquote von über 80 Prozent: „Wiederverwendung ist kein Rückschritt, sondern ein Fortschrittsmotor.“ Parallel fordert der Green Monday eine bundesweite Einführung des NRW-Modells, das die Bilanzierung gebrauchter Materialien als Vermögenswerte erlaubt – ein zentraler Hebel, um Schuldenbremse und Klimaschutz zu versöhnen.
Finanzierung als Schlüssel – Aysel Osmanoglu fordert neues Scoring
Aysel Osmanoglu, Vorstandssprecherin der GLS Bank, lenkte die Aufmerksamkeit auf die Finanzierungsseite: „Unser jetziges Scoring belohnt Abrieb und Kauf – nicht Reparatur und Wiederverwendung. Kreislaufwirtschaft beginnt beim Investitionsentscheid.“ Osmanoglu sieht nachhaltige Finanzierungen als Hebel für Rohstoffsouveränität und fordert, Kapitalströme künftig an der Lebensdauer von Produkten und der Ressourceneffizienz auszurichten. Damit könne die Finanzwirtschaft zum „stillen Treiber“ der Transformation werden.
Marktmechanismen und neue Leitplanken
Lars Baumgürtel von ZINQ, das kürzlich mit dem Deutschen Umweltpreis 2025 ausgezeichnet wurde, plädierte für ein drittes Emissionshandelssystem (ETS 3), das auch Ressourcenerhalt bepreist. „Recyclingmaterialien sind ökologisch überlegen, aber preislich benachteiligt – wir brauchen einen korrigierenden Marktmechanismus.“
Vom Fachthema zur Chefsache
Henning Wilts vom Wuppertal Institut brachte es auf den Punkt: „Deutschland kann Entsorgung, aber keine zirkuläre Ökonomie.“ Er forderte, die Kreislaufwirtschaft im Kanzleramt zu verankern – nicht in einer Unterabteilung des Umweltministeriums. Nur ein ressortübergreifender Ansatz zwischen Kanzleramt, Umwelt-, Wirtschafts-, Finanz- und Arbeitsministerium könne Deutschland vom Recyclingweltmeister zur zirkulären Industrienation machen.
7. Die Vorschläge der Community im Überblick
Der Green Monday formulierte einen Aktionsplan, der nun an Bundesumweltminister Carsten Schneider übergeben werden soll:
Zirkuläre Beschaffung als Zuschlagskriterium verankern
Bilanzierung und Bewertung gebrauchter Materialien reformieren
Versicherbarkeit rückgebauter Stoffe ermöglichen
Normenwesen modernisieren
Digitale Materialpässe einführen
Regionale Kompetenzzentren für Kommunen und Mittelstand aufbauen
Kreislaufwirtschaft als Finanz- und Industriepolitik
Die Verbindung von BDE, GLS Bank, Circular Valley Stiftung, Wuppertal Institut und innovativen Mittelständlern zeigt: Kreislaufwirtschaft ist längst kein Nischenthema mehr. Sie wird zur zentralen Industrie-, Finanz- und Standortpolitik der kommenden Dekade.
„Tempo braucht Richtung“, heißt es im Fazit des Green Monday. Und diese Richtung ist klar: Weg vom Abfall, hin zum Kreislauf – mit Recht, Kapital und Innovation als gemeinsamer Achse.