
Der jüngste Kurzbericht des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) beleuchtet die Arbeitszeitwünsche junger Beschäftigter und widerlegt damit einige gängige Klischees über die Generation Z. Die Autoren Andrea Hammermann und Holger Schäfer analysieren auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) und anderer Studien, wie sich die Präferenzen hinsichtlich der Arbeitszeit im Laufe der Jahre verändert haben.
Freizeit versus Arbeitszeit
Es ist ein weit verbreitetes Vorurteil, dass die Generation Z eine freizeitorientierte Einstellung zur Arbeit hat. Tatsächlich zeigt der Bericht, dass die gewünschte Arbeitszeit junger Beschäftigter im Zeitverlauf abnimmt. Dies ist jedoch kein exklusives Phänomen dieser Altersgruppe, sondern betrifft auch ältere Generationen. Hammermann und Schäfer betonen, dass der Rückgang der Wunscharbeitszeit vor allem bei jungen Beschäftigten mit geringen Stundenlöhnen besonders stark ist.
Differenzierte Analysen
Besonders aufschlussreich ist die detaillierte Betrachtung nach Altersgruppen. Hier zeigt sich, dass nicht nur die jüngsten Beschäftigten ihre Arbeitszeitwünsche reduzieren, sondern auch die 26- bis 40-Jährigen und die über 40-Jährigen. Männer möchten im Jahr 2021 durchschnittlich 35,4 Stunden pro Woche arbeiten, Frauen hingegen 29,5 Stunden. Diese Annäherung der Arbeitszeitwünsche zwischen den Geschlechtern ist eine bemerkenswerte Entwicklung, da Männer zu Beginn der 2000er Jahre noch eine deutlich höhere Wunscharbeitszeit angaben.
Ein komplexes Bild
Die Analyse der Arbeitszeitwünsche von Nichterwerbstätigen und deren Präferenzen für zukünftige Erwerbstätigkeit zeigt eine Erosion des Vollzeitwunsches unter den unter 30-Jährigen. Diese Gruppe zeigt eine zunehmende Indifferenz gegenüber der Frage, ob sie in Vollzeit oder Teilzeit arbeiten möchten. Dies ist besonders beunruhigend in Anbetracht der demografischen Herausforderungen, die der Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren bewältigen muss.
Konsequenzen und Empfehlungen
Die Autoren warnen vor den Konsequenzen dieser Entwicklung. Der demografische Wandel führt zu einer Verknappung des Arbeitskräfteangebots, und es ist fraglich, ob eine intensivere Zuwanderung und eine erhöhte Erwerbsneigung diesen Trend ausgleichen können. Daher ist es umso dringlicher, dass politische Rahmenbedingungen geschaffen werden, die längere Arbeitszeiten attraktiver machen.
Der Bericht des IW liefert eine fundierte und differenzierte Analyse der Arbeitszeitwünsche junger Beschäftigter und stellt klar, dass die jüngere Generation keineswegs pauschal als freizeitorientiert abgestempelt werden kann. Vielmehr zeigt sich, dass die Reduktion der gewünschten Arbeitszeit ein übergreifendes Phänomen ist, das auch ältere Altersgruppen betrifft.
Politik muss Anreize für Mehrarbeit schaffen
Deutschland stehe vor einer demografischen Herausforderung von historischem Ausmaß: Die Babyboomer-Generation tritt nach und nach in den Ruhestand, und die nachrückenden Generationen können die entstehende Lücke am Arbeitsmarkt nicht füllen. Ob diese Lücke durch verstärkte Zuwanderung kompensiert werden kann, bleibt unsicher.
Diese Entwicklung gefährde den Wohlstand, so die IW-Forscher. Wohlstand. Deutschland könne es sich nicht leisten, die Arbeitszeit zu verkürzen. „Wenn weniger gearbeitet wird, dann werden auch weniger Güter hergestellt und Dienstleistungen angeboten. Alles, was wir für unseren Konsum, aber auch für Umverteilung etwa für soziale Zwecke zur Verfügung haben, wird weniger.“
Statt einer weiteren Verkürzung der Arbeitszeiten sieht das IW eine dringende Notwendigkeit darin, die durchschnittliche Wochenarbeitszeit um eine oder zwei Stunden zu erhöhen.
Wichtig seien entsprechende Anreize. Dies könne durch steuerliche Erleichterungen, flexible Arbeitszeitmodelle und anderen Maßnahmen geschehen, die es den Menschen erleichtern, mehr Zeit in ihre Erwerbstätigkeit zu investieren.
Ohne solche Maßnahmen drohe eine Gefährdung des wirtschaftlichen Wohlstands. Der Rückgang der verfügbaren Arbeitskraft könnte nicht nur die Produktion von Gütern und Dienstleistungen einschränken, sondern auch die finanziellen Mittel verringern, die für soziale Zwecke und Umverteilungsmaßnahmen zur Verfügung stehen.
Siehe dazu:
Mehr arbeiten, weniger arbeiten, 4-Tage-Woche, 6-Tage-Woche, angebliche Faulheit der Generation X-Y-Z, Zunahme von Burnout-Patienten in Psychiatrien, Frust am Arbeitsplatz. Die Debatte zur Arbeitszeit geht in Deutschland drunter und drüber. Wir wollen für Klarheit sorgen und das Debattenthema anstoßen – vom Personalmanagement über die Arbeitsmarktpolitik bis zur Wissenschaft.
„Die Diskussion um die Arbeitszeit tobt: Die einen träumen von der Vier-Tage-Woche, die anderen würden am liebsten schon mit 63 Jahren in Rente gehen. Seit Jahren fordern Arbeitnehmervertreter kürzere Arbeitszeiten. Dabei will längst nicht nur die Generation Z weniger arbeiten, sondern alle, zeigt eine neue IW-Studie. Die Wünsche reichen im Schnitt von zwei bis drei Stunden weniger in der Woche, Tendenz weiter sinkend“, so das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Wir werden das in der Sendung Zukunft Personal Nachgefragt mit Dr. Andrea Hammermann, Senior Economist für Arbeitsbedingungen und Personalpolitik am IW, und weiteren Experten debattieren. Dazu zählt Vera Schneevoigt. Sie war bis September 2022 Chief Digital Officer des Bosch-Geschäftsbereichs Building Technologies in München. In früheren Tätigkeiten war sie Geschäftsführerin bei der Fujitsu Technology Solutions GmbH, einem japanischen Unternehmen (Ressorts: Produktion, Logistik, Einkauf) und bei Unify einer Private-Equity geführtem ehemaligen Unternehmensbereich der Siemens AG.
Und Mister Arbeitszeit-Management Guido Zander. Einschalten am Dienstag, 25. Juni 2024, um 15 Uhr. https://lnkd.in/eMnmHk3M

