
Das große Finale, die letzte Schlacht – als ob sie nach Wagner inszeniert wäre, mit donnerndem Orchester und einem Trupp irrlichternder Schildträger, die in den Echoräumen ihrer Telegram-Chats die Apokalypse herbeizitieren. Doch wenn es um die realpolitischen Probleme geht, die die Lebenswirklichkeit betreffen – Rentenformel, Pflegeversicherung, Klimapolitik –, ist von diesen selbsternannten „Patrioten“ nichts zu hören außer dem dröhnenden Schweigen der Ahnungslosen.
Die Angstpropheten der neuen Rechten reiten auf einem Schimmel aus Pathos und Pseudointellektualität, schreien „Systemwechsel!“ und „Wir oder die!“, während sie, in Wahrheit, weder ein „Wir“ definieren können noch die geringste Ahnung haben, wie man ein „Die“ mit Argumenten statt mit diffusen Feindbildern begegnet. Ihre Sprache? Eine Melange aus Drohgebärden und resignativem Fatalismus, aufgeblasen mit Begriffen wie „Umvolkung“ und „Heimatschutz“. Ihre Rezepte? Nichts außer rhetorische Nebelkerzen.
In dieser Szene des „wir sind dagegen um des Dagegenseins willen“ glänzen die selbsternannten Retter des Abendlandes vor allem durch eines: absolute Ideenleere. Denn während die Realität an die Tür klopft – eine alternde Gesellschaft, kollabierende Rentenkassen, der schleichende Klimakollaps – sitzen sie in ihrer Echokammer und zelebrieren ihre Opferrolle wie ein Shakespeare-Drama: „Wie sollen wir kämpfen, wenn uns das System die Waffen nimmt?“ Nun ja, vielleicht mit Sachpolitik? Aber nein, da schweigt der Wald.
Diese politische Untätigkeit, dieser intellektuelle Stillstand, lässt sich am besten mit einem Bild umschreiben: ein festgefahrener Traktor, der wild die Räder durchdreht, dabei aber nicht einmal einen Zentimeter vorankommt. Man stelle sich Carl Schmitt als Influencer vor, im Hosenscheißer-Modus, wie er in einem Instagram-Livestream sein neuestes „Manifest gegen das Nichts“ vorträgt, während das reale Leben weitergeht – ohne ihn.
Die Neue Rechte hat das Rentenproblem, das Gesundheitswesen und den Klimawandel nicht vergessen. Sie hat diese Themen nie verstanden. Das sind Themen, die Antworten verlangen, keine Kampfbegriffe. Doch im Zirkus der Endzeitvisionäre ist für Antworten kein Platz. Da werden nur große Gesten gebraucht – und die Möglichkeit, sich anschließend in die Opferrolle zu flüchten, wenn der Wind der Wirklichkeit mal stärker weht.
Denn am Ende bleibt nur der resignative Applaus ihrer eigenen Anhänger, die wissen, dass es keine Lösung gibt, nur mehr Gekreisch.

