
Früher nannte man es Anpassung, heute heißt es agiles Mindset. In den Konzernzentralen zwischen Wolfsburg und München kursieren wieder jene Stellenanzeigen, in denen man den „rebellischen Teamplayer“ sucht – also den Menschen, der „unkonventionell denkt“, solange er dabei nicht auf die Idee kommt, die Hierarchie infrage zu stellen. Das Idealbild des modernen Angestellten liest sich wie eine Horoskopbeilage der „Manager-Woche“: sportlich, kreativ, selbstbewusst, aber bitte kompatibel. Möglichst Schütze oder Löwe, keinesfalls Jungfrau – zu kritisch.
Man soll Nonkonformist sein, aber pünktlich im Jour Fixe erscheinen. Man darf „aus dem Bauch heraus entscheiden“, solange der Bauch mit dem Unternehmenszweck harmoniert. Und selbstverständlich „bringt man sich mit eigenen Ideen ein“ – aber bitte erst nach Abstimmung mit der Kommunikationsabteilung.
Der systemische Manager unserer Tage gilt als Förderer der Emanzipation: Er „befähigt“ seine Mitarbeitenden, eigenständig zu denken, und freut sich dann, wenn sie alle dasselbe denken. Woody Allens Filmfigur Zelig war dieser Manager avant la lettre: ein Chamäleon, das ganz individuell die Meinung der Mehrheit vertritt. Heute nennt man das „Cultural Fit“.
Schon der Ökonom Wilhelm Röpke warnte vor diesem Gleichklang, lange bevor es Corporate Influencer gab. Die wachsende Zahl der Abhängigen, so schrieb er, führe zwangsläufig zu „Intrigen, Mißgunst und Kontaktgiften“. Man möchte hinzufügen: plus Slack-Emoji-Kriege und LinkedIn-Selbstvermarktung.
Und während die einen an ihrer „Purpose-Story“ feilen, rotiert der Rest der Belegschaft im Takt des nächsten „Transformation Sprint“. Jeder Change produziert den nächsten Change. Jede Reorganisation verspricht Heilung und endet mit neuem Berater-PowerPoint-Fieber. Die Wirtschaft treibt, wie Röpke prophezeite, in einen sinnentleerten Geschwindigkeitsrausch – und niemand weiß mehr, wohin.
Vielleicht wäre es tatsächlich an der Zeit, den Schwerpunkt der Verantwortung wieder zu verlegen: weg vom Organigramm, hin zum Menschen, der noch ohne Workshop weiß, was er denkt. Doch das wäre natürlich unprofessionell. In der Welt der systemischen Manager ist nur eines schlimmer als ein Mitläufer: jemand, der wirklich anders ist.
