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Das große GPT-5-Schlachtenfest

Es gibt in den sozialen Medien ein Ritual, das so verlässlich ist wie das alljährliche „iPhone-Gate“: Ein neues KI-Modell wird veröffentlicht, und binnen Stunden marschieren Heerscharen selbsternannter „KI-Experten“ auf Twitter-X auf, um es zu richten. „Richten“ in beiden Bedeutungen: hinrichten – und richten im Sinne von „so hinbiegen, dass es spektakulär schiefgeht“.

Die Dramaturgie ist stets dieselbe:

Man stellt eine Frage, die nach außen hin „spannend“ klingt, aber so vage ist, dass selbst Gott sie erstmal googeln müsste.

Man wartet, bis ChatGPT stolpert.

Man hält die Fallhöhe fest – Screenshot, Post, virales Meme – fertig ist das Social-Media-Gold.

Sascha Lobo hat diese Kultur des digitalen Prangers in seiner „Landkarten-Galerie des Grauens“ ausgiebig bedient: Meckenburn, Saxany, Hanbsacha, Baden-Württemþg – Letzteres mit dem altenglischen Thorn, als wäre die Schwäbische Alb plötzlich ein Außenposten der Wikinger. Die Ergebnisse sind zum Schießen komisch. Und genau darin liegt das Problem.

    Denn, wie Frank H. Witt trocken anmerkt:

    „Natürlich probieren Fachleute mit dem Wunsch, einen viralen Hit in sozialen Medien zu landen, mit einem neuen Modell sofort aus, was möglichst spektakulär daneben geht. Man wird immer fündig, und sofort entsteht Social-Media-Gold, das auch noch beim zehntausendsten Mal enorme Reichweiten bringt. Deshalb verschiebt sich die öffentliche Wahrnehmung in Richtung GPT-5-Versagen.“

    Die Pointe: Genau diese Häme füttert das System, das man zu Fall bringen will. GPT-5 hat mit dem „Echtzeit-Router“ einen ersten, unbeholfenen Schritt in Richtung agentischer KI gemacht – eine Maschine, die selbst entscheidet, welches Spezialmodell welche Aufgabe übernimmt. Dass sie dabei gelegentlich eine Programmier-KI zwingt, Landkarten zu malen, ist so vorhersehbar wie ertragreich: Jeder Fehler ist eine kostenlose Trainingslektion.

    Vielleicht, nur vielleicht, nimmt OpenAI diese öffentlichen Prügel sogar billigend in Kauf. So viele Menschen haben noch nie so engagiert Fehlersuche betrieben – und das völlig gratis.

    Am Ende bleibt die Frage, ob die größte Errungenschaft von GPT-5 nicht der Thorn in Baden-Württemþg ist, sondern die Erkenntnis, dass Schadenfreude und Produktentwicklung längst ein und dasselbe geworden sind.

    Zudem gilt das digitale Motto: „Shit in, Shit out“.

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