
Sie heißen jetzt Textopal Deluxe, Brainify.AI, ContentWunderWelt oder, mein persönlicher Favorit: Buzzbert & die magische Feder GmbH – klingt wie ein Kuscheltier mit Steuerberatungshintergrund, aber gemeint ist: eine KI-Software, die dein Marketing transformiert.
Transformiert, wohlgemerkt. Nicht einfach nur unterstützt oder erleichtert – nein, trans-fucking-formiert.
Da sitzt man also am Schreibtisch, leicht verkatert vom dritten Zoom-Meeting zur Purpose-Klärung, und plötzlich leuchtet auf dem Bildschirm dieser Button: „Jetzt loslegen.“ Und was dann passiert, ist eine Mischung aus IKEA-Anleitung, Tarotkartenlegen und geistiger Faltencreme.
Du gibst ein Stichwort ein – sagen wir: „Hafermilchrevolution für Millennials mit Commitment-Issues“ – und Buzzbert sabbert dir in Rekordzeit eine Headline hin, die klingt wie das Ergebnis eines Teambuilding-Seminars mit zu wenig Kaffee:
„Erstelle Inhalte effizient, markenkonform und KI-optimiert.“
Das ist das Versprechen. Und der Albtraum beginnt.
Dein Stil?
Wird extrahiert.
Deine Brand Voice?
Wird analysiert, katalogisiert, digitalisiert und – wenn’s sein muss – auch wegoptimiert.
Emotionen?
Werten wir aus.
Wirkung?
Prognostizieren wir.
Du?
Bist ab jetzt ein Parameter.
Und plötzlich sitzt du nicht mehr vorm Text – du schiebst ihn durch das neuronale Hamsterrad, bis aus deiner originellen Idee ein Content-Häppchen mit 4,7-Sterne-Scoring wird.
Willkommen im Performanceflash-Modus, wo Gefühle messbar, Gedanken formatiert und Aussagen maximal unverbindlich sind.
„Kollaboriere mit der Zukunft.“
steht da.
Und du spürst, wie dein Großhirn leise in die Mittagspause geht und Buzzbert übernimmt.
Er sagt:
„Das klingt nicht ganz markenkonform. Möchtest du deinen Tonfall anpassen?“
Und du klickst „Ja“, weil Widerstand ist… genau: unmarkenkonform.
Aber hey – jetzt gratis starten!
Oder wie man früher sagte: Willkommen im Textkoma.
Wozu noch selber denken, wenn dir ein virtueller Praktikant mit Sprachmodul in den Lieblingsfarben der Businesswelt (Softblau & Mittelgrau) das komplette Hirn weichkocht?
Vergiss Kant, vergiss Kafka – Buzzbert kennt deine KPI besser als du deinen Nachnamen.
Und wenn du brav warst, deine Stilrichtlinien fein säuberlich definiert, deine Inhalte mit Emojis gewürzt und deine „emotionale Wirkung“ einmal durch den Kreativ-TÜV gejagt hast,
dann wirst du vielleicht als „Contentheld“ gefeiert.
Mit Stockfoto, Daumen hoch und einem Latte Macchiato aus der Zukunft.
Denn das ist das Ziel:
Nicht Texte schreiben. Nicht kommunizieren.
Sondern: Ergebnisse generieren, Markenwerte aktivieren und dem Leben seinen letzten Rest Unschärfe rauben.

