
Während Marlon Zewen auf Bundesstadt.com analytisch die Differenz zwischen Bundestrends und Kommunalrealität vermisst, blicken wir mit dem Sichtbarkeitsindex von Sohn@Sohn dorthin, wo Kommunalpolitik tatsächlich wirkt: auf die Laternen, in die Feeds, auf die Plätze Bonns.
Aktuelle Sichtbarkeitswerte (KW 27):
- 🟦 Guido Déus (CDU): 33 % – sichtbar, offensiv, omnipräsent
- 🟩 Katja Dörner (Grüne): 29 % – stark bei Plakaten, schwach im Netz
- 🟥 Jochen Reeh-Schall (SPD): 18 % – solide offline, digital kaum präsent
- 🟨 Petra Nöhring (FDP): 7 % – punktuell aktiv
- 🟥 Michael Faber (Linke): 6 % – stabil im Umfeld
- ⚪ Johannes Schott (BBB): 4 % – lokal verankert, aber ohne Dynamik
📌 Tendenz der Woche:
Déus übernimmt die Spitze. .
Dörner verliert digital an Momentum.
🔍 Unser Modell ersetzt keine Umfrage – es reflektiert momentane Sichtbarkeit auf fünf Ebenen:
Plakatierung, Social Media, lokale Medienresonanz, Veranstaltungsaktivität, Alltagspräsenz.
Marlon Zewen zeigt, warum klassische Hochrechnungen an der Kommunalrealität oft vorbeigehen. Unser Index zeigt, wer wahrgenommen wird. Beides zusammen ergibt ein realistischeres Bild als jede „Sonntagsfrage ohne Sonntag“.
📅 Nächster Prognose-Check: Mittwoch, KW 28
Update:
Aus der repräsentativen Wahlstatistik zur Bundestagswahl 2025 ergeben sich für Bonn mehrere Implikationen, die auch für die Kommunalwahl im September 2025 von Bedeutung sind:
1. Wahlbeteiligung steigt mit dem Alter – Bonner Parteien profitieren unterschiedlich
Die Wahlbeteiligung in Deutschland – und analog auch in Bonn – steigt deutlich mit dem Alter der Wähler:
- 18–24 Jahre: ca. 78,8 %
- 60–69 Jahre: ca. 85,5 %
- 70+ Jahre: nur noch ca. 79,3 %btw25_heft4
In Bonn mit seiner stark alternden Bevölkerung bedeutet das: Parteien, die bei älteren Menschen stark sind (CDU, teilweise SPD), haben strukturelle Vorteile. Parteien wie Grüne und Linke, die bei jungen Wählern überproportional punkten, müssen mobilisieren, um diesen Nachteil auszugleichen.
2. Gender-Gap: Grüne bei Frauen deutlich stärker
Die Grünen schneiden bei Frauen besser ab als bei Männern, umgekehrt ist die AfD bei Männern stärkerbtw25_heft4. In Bonn, wo der Frauenanteil an der Wählerschaft leicht überdurchschnittlich ist, könnte das den Grünen zusätzlichen Schub geben – insbesondere in Stadtteilen mit hoher Akademikerinnen-Quote (z. B. Südstadt, Kessenich, Poppelsdorf).
3. AfD schwach bei älteren Frauen – und schwächer in Bonn
Ältere Frauen meiden die AfD deutlich: Bei den über 70-Jährigen geben nur rund 13,7 % der Männer und 6,5 % der Frauen der AfD ihre Stimmebtw25_heft4. In Bonn, wo das Wahlverhalten insgesamt moderater ist, lässt sich daraus schließen, dass die AfD trotz bundesweiter Stärke auch im Kommunalwahlkampf 2025 keine zentrale Rolle spielen dürfte.
4. Briefwahl boomt – mobilisierungsstarke Parteien profitieren
Der Anteil der Briefwähler ist hoch, vor allem in älteren Altersgruppen. Parteien mit einer gut organisierten Stammwählerschaft (CDU, SPD) können hiervon stärker profitieren als neuere oder junge Listen wie Volt oder Die PARTEI.
5. Junge Zielgruppen unterrepräsentiert
Die Wahlbeteiligung unter 30 Jahren bleibt deutlich unter dem Durchschnitt. Gerade für progressive Parteien wie Volt, Grüne und Die Linke stellt das eine Mobilisierungsaufgabe dar. In der Stadt Bonn könnte es entscheidend sein, diese Zielgruppen über soziale Medien, Hochschulinitiativen oder Stadtteilaktionen zu aktivieren.
Fazit:
Die repräsentative Wahlstatistik legt offen, dass der Wahlausgang in Bonn stark von Alter, Geschlecht und Wahlmodalität geprägt ist. Wer jung, weiblich und urban gut vernetzt ist, wählt eher grün oder progressiv. Wer älter ist und eher klassisch wählt (Briefwahl, persönliche Stimmabgabe), stärkt etablierte Parteien wie CDU und SPD. Diese Erkenntnisse sollten in jede Prognose und jeden Wahlkampfplan zur Kommunalwahl 2025 einfließen.
