Was man bei Amazon über Wikileaks nachlesen kann

Produktbeschreibung: Auf der Internetseite Wikileaks können Dokumente fast jeder Art komplett ohne Zensur veröffentlicht werden – gerade in Zeiten, in denen die Veröffentlichung brisanter Dokumente extrem schwierig geworden ist, ein wirklich wichtiger Beitrag zur Meinungsfreiheit. Mit Hilfe von Wikileaks wurden bereits sehr viele Skandale aufgedeckt, unter anderem zu Guantanamo Bay oder bei der Pleite der Kaupthing Bank.

Eine solche Seite ist natürlich immer wieder Anfeindungen ausgesetzt und es ist daher keineswegs sicher, dass man sie immer über Ihre Domain „wikileaks.org“ erreichen kann. Deswegen ist es wichtig, dass möglichst viele Leute die IP Adresse von Wikileaks kennen und dazu passt es natürlich perfekt, diese auf ein Shirt zu drucken! Zur Erklärung: Durch Eingabe der IP Adresse in den Browser kann man eine Seite auch dann noch aufrufen, wenn dessen Domain gesperrt wurde.

Mit dem Kauf dieses Wikileaks Shirts kannst Du außerdem einen kleinen Teil zur Finanzierung von Wikileaks beitragen, denn wir spenden 5 EUR für jedes verkaufte Shirt an Wikileaks!

Statt Boykott könnte man dieses T-Shirt an die Spitze Amazon-Verkaufscharts katapultieren. Dann gehen 5 Euro noch an einen guten Zweck! Mehr muss man ja nicht kaufen!

Und was man sonst noch so an Wikileaks-Shirts erwerben kann:

Wikileaks, die Doppelzüngigkeit der Regierenden und der Gipfel-Provinzialismus

„Die Publikationen von Wikileaks entsprechen dem Grundsatz der Hackerethik nach freier Verfügbarkeit von staatlichen Informationen als Basis einer demokratischen Gesellschaft“, stellte der Chaos Computer Club heute klar. Und treffend bemerkt der CCC:

„Anders als Menschen haben staatliche Stellen gerade keine Privatsphäre, die es zu schützen gilt, sondern lediglich Geheimnisse. Grundsätzlich betrachtet der CCC einen Anspruch des Bürgers auf die ihn betreffenden Informationen und die Transparenz der in seinem Namen erfolgenden staatlichen Aktivitäten als begründet. Die Doppelzüngigkeit der Regierenden wird nicht nur in den veröffentlichten Depeschen deutlich, sondern auch in ihrer Haltung zur Informationsfreiheit“. Auch wenn der Staat sich aufschwingt, das Kindermädchen für unsere Datenschutzbelange zu spielen, geht es doch meistens um Eingriffe in die Freiheit des Netzes, es geht um eine Instrumentalisierung des Datenschutzes für eine Ausweitung reglementierender Eingriffe. Ob Staatsvertreter als Hüter der Privatsphäre taugen, darf bezweifelt werden. Dieser IT-Gipfel ist also kein Beispiel für Internetkompetenz, sondern für einen bürokratischen Eiertanz der politischen Netz-Dilettanten. Da fällt mir eher Goethe ein: Über allen Gipfeln Ist Ruh, In allen Wipfeln Spürest du. Kaum einen Hauch.

Richtig sagt es der CCC-Sprecher Andy Müller-Maguhn, dass die westlichen Regierungen immer nur dann für Informationsfreiheit eintreten, wenn es andere Länder betrifft. „Sobald es jedoch um mehr als nur Lippenbekenntnisse geht, sobald Daten publiziert werden, die ihre eigenen Heimlichkeiten und Hinterzimmerdeals betreffen, handeln sie offenbar genauso undemokratisch, wie die Staaten, die sie sonst öffentlich lauthals verurteilen.“

Einen Lichtblick sieht der CCC bei einigen deutschen Internet-Providern, die ihren Kunden keine Steine in den Weg legen, wenn sie eine Kopie der Wikileaks-Daten bereitstellen wollen. Denn Internet-Provider sollen und dürfen, genau wie die Post, Angebot und Transport beliebiger Inhalte nicht verhindern. Der CCC ruft dazu auf, diese Freiheit zu nutzen und fordert gleichzeitig die deutschen und europäischen Internet-Anbieter auf, sich nicht von ungesetzlichen Drohungen einschüchtern zu lassen. „Auch die unrechtmäßige Beschränkung von Zahlungswegen wie Paypal, Visa oder Mastercard, die für den Betrieb von freien Informationsdiensten nötig sind, ist nicht hinnehmbar. Sie sind ein deutlicher Hinweis darauf, daß die US-amerikanische Monopolstellung für Online-Zahlungsmethoden als offensives Mittel der Zensur eingesetzt wird“.

Und wenn die strafrechtliche Posse gegen Julian Assange nicht aufhört, muss für seine Freilassung gekämpft werden.

Hacker-Ethik versus Staatsbürokratien – Eine erste Entscheidungsschlacht #wikileaks

Man wird sich diese Tage merken müssen, mit welchem Kesseltreiben, Staaten, Firmen und Politiker gegen die Enthüllungsplattform WikiLeaks vorgehen. Man wird sich überlegen müssen, ob man noch Firmen beauftragt oder als Dienstleister nutzt, die sich im vorauseilenden Gehorsam zum verlängerten Arm der obrigkeitsstaatlichen Deutungsmächte degradieren lassen. Man wird sich überlegen, mit wem man kooperiert, Geschäfte abschließt und im Netzwerk zusammenarbeitet: Amazon, Paypal oder everydns.net zählen wohl nicht mehr zur ersten Wahl.

Man sollte sich etwas genauer mit den Umständen des Haftbefehls gegen Julian Assange auseinandersetzen. Und mit Tweets, die mittlerweile gelöscht wurden:

Freigeister sollten sich von diesem Kampf der etablierten Mächte gegen die Selbstorganisation des Netzes nicht beeindrucken lassen. Die Positionselite will ihre Deutungshoheit retten und sie wählt die alten Taktiken des repressiven Konformismus. Wer aus der Reihe tanzt, wird zur persona non grata erklärt. In der Agitation gegen Assange soll ein Exempel statuiert werden, um „Nachahmer“ abzuschrecken. Die Staatsapologeten können es einfach nicht verkraften, dass im Internet jedermann die Möglichkeit besitzt, seinem Wort Gehör zu verschaffen. Die Metapher vom gläsernen Palast war schon von altersher ein Idealbild der demokratischen Ordnung – nur nicht für Politiker, die nicht für die Politik , sondern von der Politik leben. Transparenz ist ein Störfaktor für Machtpolitiker. Sie empfinden es als Zumutung, nicht mehr im inneren Zirkel der politischen Klasse verhandeln zu können, sondern sich mit dem politischen Universum selbstbewusster Bürger herumschlagen zu müssen. Wahrheit war niemals eine Tugend der Diplomaten – sie bevorzugen die kunstvolle Täuschung. Es handelt sich um eine organisierte Manipulation von Tatbeständen, der wir überall begegnen. Das funktionierte in der Vergangenheit recht gut. Nun steht der Machtanmaßung die Unberechenbarkeit und Unkontrollierbarkeit des Netzes entgegen.

Spiegel Online hat das sehr gut zusammengefasst. Der radikalen Haltung von Julian Assange und seinen Mitstreitern liegt eine Programmatik zugrunde, die ein Vierteljahrhundert alt ist: die Hacker-Ethik. „Und ihr Schöpfer Steven Levy ist der unbekannteste unter den einflussreichen Theoretikern des 20. Jahrhunderts. Levy ist kein Philosoph, auch kein Soziologe oder Staatsrechtler. Aber seine Thesen haben in der digitalen Gegenwart massive, weltverändernde Auswirkungen. Mit seiner ‚Hacker-Ethik‘ legte er den Grundstein für eine Ideologie, die schon Industrien ins Wanken, Regierungen in die Bredouille und Politiker und Manager an den Rand der Verzweiflung gebracht hat. Linux und Napster, Wikipedia und WikiLeaks – eine Vielzahl von Schöpfungen des digitalen Zeitalters, die radikale, rasante Veränderungen hervorgebracht haben, sind Kinder von Levys Hacker-Ethik. Genau wie viele derer, die sich nun hinter WikiLeaks stellen und das Recht der Organisation verteidigen, Geheimdokumente zu veröffentlichen“, schreibt Spiegel Online.

So wie das Internet-Urgestein John-Perry Barlow, der am Freitag über Twitter eine Unterstützungskampagne für WikiLeaks startete und von einem „Informationskrieg“ sprach. Barlow formulierte 1996 die Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace. Levy formulierte die „Hacker-Ethik“ 1984: „Misstraue Autoritäten – fördere Dezentralisierung. Der beste Weg, den freien Informationsfluss zu fördern, besteht in einem offenen System, in dem es keine Grenzen gibt zwischen dem Hacker und einer Information oder einem Gerät, das er auf seiner Suche nach Wissen, nach Information und nach Online-Zeit benötig. Das Letzte, was man braucht, ist Bürokratie. Bürokratien, egal ob in Form von Unternehmen, Regierungen oder Universitäten, sind fehlerhafte Systeme, die gefährlich sind, weil sie keinen Platz bieten für den forschenden Impuls echter Hacker. Bürokraten verstecken sich hinter willkürlichen Regeln. Sie beschwören diese Regeln herauf, um ihre Macht zu festigen und begreifen den konstruktiven Impuls als Bedrohung“, so Levy. Wenn die Staatsbürokraten von der Bedrohung nationaler Sicherheit faseln, meinen sie die Bedrohung ihres eigenen Macht-Biotops.

„Das Programm von WikiLeaks setzt die Hackerethik nun in ihrer radikalsten Form um: Wenn alles öffentlich, jede Information verfügbar ist, so interpretiert Julian Assange Regel Nummer drei, dann kann das der Menschheit nur zum Vorteil gereichen. Nur so könne die Ungerechtigkeit in der Welt bekämpft werden, glaubt er: ‚Nur auf enthüllte Ungerechtigkeit kann man antworten; damit der Mensch intelligent handeln kann, muss er wissen, was tatsächlich vor sich geht‘, schrieb er Ende 2006, kurz nach der Gründung von WikiLeaks. Assange geht allerdings in seiner Interpretation deutlich weiter, als sich Levy das wohl gedacht hatte. Er betrachtet Information explizit als Werkzeug radikaler politischer Veränderung: ‚Ungerechte Systeme‘, schrieb er 2006, seien durch massenweise Datenlecks ‚besonders verwundbar denen gegenüber, die sie durch offenere Formen des Regierens ersetzen wollen'“, so Spiegel Online.

Die persönlichen Ziele von Assange interessieren mich nicht. Ich habe auch kein Bedürfnis nach messianischen Lichtgestalten oder Moralapostel. Da halte ich mich lieber an Hannah Arendt. Sie schrieb: „Die Meinungsfreiheit ist eine Farce, wenn die Information über Tatsachen nicht garantiert ist.“ Und hier gibt es eben eine Zäsur: Technologisch sind die Hacker-Attacken nicht zu verhindern, egal, ob Assange im Knast landet oder einen Autounfall erleidet. Es wirkt die normative Kraft des Faktischen. Staaten, Machtpolitiker, Lobbyisten oder Konzerne müssen erkennen, dass sie keine absolute Kontrolle oder Befehlsgewalt mehr besitzen. Die Welt der Hacker entzieht sich dem disziplinarischen Regime der Möchtegern-Politiker.

Die Möglichkeitsräume beschreibt Kant: „Wenn wir den Befehl einer Autorität gegenüberstehen, sind es doch immer nur wir die auf unsere eigene Verantwortung hin entscheiden, ob dieser Befehl moralisch ist oder unmoralisch. Eine Autorität mag die Macht besitzen, ihre Befehle durchzusetzen, ohne dass wir ihr Widerstand leisten können; aber wenn es uns physisch möglich ist unsere Handlungsweise zu wählen, dann liegt die Verantwortung bei uns. Denn die Entscheidung liegt bei uns. Wir können dem Befehl gehorchen oder nicht gehorchen; wir können die Autorität anerkennen oder verwerfen.“

Oder dadaistisch interpretiert im Geiste von Walter Serner:
Tüchtig ist, wer nicht gegen die Gesetze sich vergeht. Tüchtiger, wer sich nicht auf sie verlässt. Am Tüchtigsten, wer immer wieder daran sich erinnert, dass nur staatliche Funktionäre sie ungestraft übertreten können – so etwas hätte auch Assange schreiben können.

Siehe auch:
Wikileaks verdient Unterstützung – auch von Journalisten.

Über Privatsphäre und Staatsgeheimnisse.

Was in Schweden als Vergewaltigung gilt.

Nachtrag:
So unterschiedlich können die Reaktionen sein:

Einer hat das Serner-Zitat nicht verstanden:

Abschied der Autokraten

Unternehmen organisieren sich nach innen und außen immer vernetzter – Stichwort Enterpise 2.0 – vornehmlich in den virtuellen Räumen der sogenannten Social Media. „Ganz bewusst baut eine wachsende Schar von Konzernen und Mittelständlern darauf, Mitarbeiter in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Twitter als Botschafter einzusetzen und aufzubauen. Mitarbeiter schreiben Blogs, laden Dokumente hoch, drehen Videos mit ihren Smartphones oder teilen Präsentationen auf Plattformen wie Slideshare. Selbst ausgeklügelte Richtlinien oder vertraglich fixierte Schweigeklauseln können nicht verhindern, dass dabei auch Daten nach außen dringen, die hätten im Unternehmen bleiben sollen“, schreibt Wiwo-Redakteur Jochen Mai.

Schon die Ambivalenz des Internets verhindere das: Man könne nicht so tun, als betreibe man ein kommunikatives, vernetztes Unternehmen auf dem Weg in die Wissensgesellschaft, das zudem auf die Eigenverantwortung seiner Mitarbeiter stolz ist – und zugleich chinesische Verhältnisse einführen, Netzwerkzugänge sperren, Blogs und Kommentare zensieren, Heimbüros schließen und am besten nur noch Rechner ausgeben, die weder über einen USB-Port, noch ein CD-Laufwerk verfügen. Das wäre vielleicht ein latenter Schutz, doch zu welchem Preis?

Aber genau das sind doch die Zustände in vielen deutschen Unternehmen. Die Konsequenzen der Netzwerkrevolution werden von vielen Vorständen einfach nicht verstanden. Immer noch haben Führungskräfte in Wirtschaft und Politik das Bedürfnis, jegliche Form von Kommunikation nach innen und außen zu kontrollieren. Nur PR-Mitarbeiter dürfen mit der Presse reden, die dann noch jeden Wort-Rülpser zur Autorisierung vorlegen muss. Nur die Finanzexperten dürfen mit der Finanzwirtschaft sprechen und nur der Vorstandshäuptling darf sich gegenüber der Zeitschrift mit großer Reichweite äußern. In privaten und staatlichen Organisationen sind noch einige neurotische Diktatoren, Borderliner, Brüller und Schreihälse unterwegs, die ihr Herrschaftswissen bunkern und für Machtspielchen missbrauchen, Untergebene runtermachen und sich am Elend der Arschkriecher ergötzen. Sie fühlen sich als Verlierer, wenn sie nicht jeden Tag siegen. In einer vernetzten Welt kann sich die cholerische Macht- und Positionselite immer weniger in Szene setzen. Und tschüs!

Siehe auch:
Studie: Pressesprecher auf Social-Media-Krisen schlecht vorbereitet.

Lustig auch die Kläffer der CSU.

Kontrollverlust, informationelle Revolution und die Schrumpfung der Mini-Machiavellisten

Die Veröffentlichung der amerikanischen Diplomaten-Berichte im Spiegel, die von WikiLeaks zur Verfügung gestellt wurden, sind alles andere als eine Sensation. Diese Dokumente sind allenfalls ein Beleg für die jämmerliche Profanität des politischen Diskurses. Interessanter sind schon die Reaktionen des politischen Führungspersonals auf den irreversiblen Kontrollverlust und die „informationelle Revolution“ – wie es Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff und Blogger Sascha Lobo in der ARD-Talkrunde bei Anne Will ausdrückten.

Geheimniskrämerei funktionierte vielleicht noch in der Zeit des Fürsten Metternich. Die Mini-Machiavellisten unserer Tage sind mit der neuen Transparenz des Netzes sichtlich überfordert. Sie reden von Verbrechen, Datenhehlerei (betreibt WikiLeaks mit den Daten einen lukrativen Handel, Herr Kocks?), Diebstahl und von einem Anschlag auf die Sicherheit. Sofort werden Forderungen nach strengeren Regeln für den Datenschutz laut.

Technologisch ist das nicht mehr zu bewältigen. Entsprechend sollten sich die Führungskräfte von Politik und Wirtschaft auf einen härteren Schlagabtausch mit der Öffentlichkeit einstellen und nicht so windelweich reagieren wie US-Botschafter Philip Murphy. Politiker und Manager schrumpfen in ihrer funktionalen Machtposition zu Gartenzwergen. Wir verlieren unseren Respekt vor diesen mittelmäßigen Gestalten. Und wenn sie ihre Arbeit nicht ordentlich verrichten, uns belügen und betrügen, werden sie vom Hof gejagt.

Siehe auch:

Bei Anne Will wurde die diplomatische Lüge beerdigt.

Im Netz der Denunzianten.

US embassy cables leak sparks global diplomatic crisis.