Ohne Ordnungstheorie keine Soziale Marktwirtschaft – Ökonomenstreit über den Wert der Wirtschaftspolitik

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Ohne die so genannte Ordnungs-Ökonomik hätte es in Deutschland keinen Ludwig Erhard und auch keine Soziale Marktwirtschaft gegeben. In einem Aufruf, der in der FAZ vor einer Woche veröffentlicht wurde, wenden sich deshalb 83 Wirtschaftswissenschaftler gegen Bestrebungen, die Lehre von der Wirtschaftspolitik an den Universitäten zurückzudrängen. Professuren für Wirtschaftspolitik sollen zweckentfremdet oder umgewidmet werden, und betriebswirtschaftliche Bachelor-Studiengänge sehen wirtschaftspolitische Lehrveranstaltungen nicht mehr vor“, kritisieren die Unterzeichner, zu denen renommierte Professoren wie Bruno S. Frey, Herbert Giersch, Norbert Berthold, Artur Woll, Viktor Vanberg, Renate Ohr und Gerd Habermann zählen.

Zu einem Versagen in der realen Wirtschaftspolitik komme es in der Regel nicht deshalb, weil den Entscheidungsträgern logische Fehler unterlaufen, sondern weil sie die Wirkungen ihrer Instrumente falsch eingeschätzt haben oder weil von den wirtschaftspolitischen Institutionen falsche Anreize ausgehen oder weil Verhaltensweisen bei den Wirtschaftssubjekten vorherrschen, die mit der reinen Theorie nicht übereinstimmen. „Über diese Zusammenhänge zu informieren, ist Aufgabe der Lehre von der Wirtschaftspolitik. Kunstfertigkeit in der Ableitung logischer Schlussforderungen ist manchmal nur von begrenztem Nutzen, wenn es darum geht, Realität zu verstehen und zu beurteilen“, heißt es weiter.

Immer mehr Ökonomen würden auch in anderen Ländern die Realitätsnähe ihrer Analysen dem Ziel formal-logischer Stringenz opfern, und auch dort werde diese Tendenz in der Öffentlichkeit lebhaft beklagt. „Die USA sind keine Ausnahme. Die Ökonomen ziehen sich aus der Wirklichkeit zurück, weil die Karriereanreize in ihrem Fach verzerrt sind. Die vorherrschende Ausrichtung der universitären Forschung und Lehre bietet kaum einen Anreiz für Nachwuchswissenschaftler, sich mit wirtschaftspolitischen Fragen zu beschäftigen. Denn die Ergebnisse der wirtschaftspolitischen Analyse sind häufig kontrovers und – da sie empirischer Natur sind – nie mit letzter Gewissheit beweisbar. Für die Zurschaustellung logischer Virtuosität bleibt wenig Raum“, kritisieren die 83 Ökonomen.

Professuren für Wirtschaftspolitik müssten daher unabdingbarer Bestandteil der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung und Lehre bleiben. Die wirtschaftspolitische Expertise, die an Universitäten wie Freiburg oder Köln über Jahrzehnte gepflegt wurde, entwickelt sich zum ungeliebten Stiefkind. International orientierte Volkswirte sollen sich angeblich gegen die Kritik der 83 deutschen Kollegen wehren. Das berichtet zumindest das Handelsblatt.

Der Aufruf sei provinziell, rückwärts gewandt und inhaltlich falsch. Hintergrund des Manifestes mit dem Titel „Rettet die Wirtschaftspolitik an den deutschen Universitäten“ seien Debatten an den Hochschulen Köln und Freiburg darüber, wie frei werdende Lehrstühle für Wirtschaftspolitik besetzt werden sollen. Beide Fakultäten möchten international ausgerichtete Volkswirte berufen, die die heute in ihrem Fach gängigen Methoden beherrschen. Köln möchte eine auf Makroökonomie spezialisierte Forschergruppe schaffen. „Und genau hier muss die Kritik ansetzen, wenn man die Erfolgsgeschichte der Sozialen Marktwirtschaft betrachtet. Freiburg und Köln gehörten nach 1945 zu den wichtigsten Hochschulen für die Entfaltung der Ordnungs-Ökonomik. Ludwig Erhard hat die Soziale Marktwirtschaft eben nicht als wissenschaftlich-empirisches Modell begründet. Das Konzept seiner Währungsreform, zwei Jahre vor Kriegsende begonnen und 1948 umgesetzt, wollte richtungsweisende Grundsätze entwickeln“, sagt Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Harvey Nash.

So sei die Soziale Marktwirtschaft nicht als theoretische Formel, sondern als politische Konfession mit „kühlem Kopf und heißem Herzen“ erdacht worden. Die heutigen ökonomischen Modelle stünden im Widerspruch zur gesellschaftspolitischen Praxis. „Das Manifest der 83 Professen zeichnet eben kein Zerrbild der Volkswirtschaftslehre, sondern ist ein überfälliger Zwischenruf, um auf die Defizite der modernen wirtschaftswissenschaftlichen Forschung hinzuweisen“, erklärt Nadolski. Zu einem ähnlichen Urteil gelangt Professor Joachim Starbatty aus Tübingen. „Das, was wir Finanzkrise nennen, ist zugleich eine Krise des derzeit dominanten Wirtschafts- und Lebensstils und auch – das muss unumwunden eingeräumt werden – der modernen Volkswirtschaftslehre. Wer von den Nobelpreisträgern der Wirtschaftswissenschaft, wer von den im Fernsehen präsenten Großwissenschaftlern, wer von den Wirtschaftsweisen hat rechtzeitig seine
warnende Stimme erhoben? Auf welchen repräsentativen Kongressen ist das Heraufdämmern der Krise gesehen worden“, fragt sich Starbatty.

Viele Wirtschaftswissenschaftler würden die ökonomische Realität auf statistische Zeitreihen reduzieren. Diese könnten uns helfen zu erklären, was passiert ist, nicht aber zu erkennen, was sich zusammenbraut. „Was nicht in gerade modischen, mathematisch gefassten Modellen behandelt wird, existiert nicht mehr. Was keine Chancen hat, in amerikanischen Journals publiziert zu werden, wird beiseitegeschoben“, kritisiert Starbatty, der das Manifest mitunterzeichnet hat. Weil sich die Zunft der Ökonomen nicht mehr um das kümmere, was „jenseits von Angebot und Nachfrage“ liegt, kann sie sich kein umfassendes Bild mehr von Wirtschaft und Gesellschaft machen. Wer die einschlägigen Fachzeitschriften durchblättere oder die von der Europäischen Zentralbank publizierten Aufsätze studiere, wird dem Ökonomen und Erhard-Berater Wilhelm Röpke recht geben, dass das meiste, was da „unter dem großmäuligen Titel der modernen Ökonomie“ getrieben werde, ein „riesenhafter szientistischer Leerlauf“ sei.

„Einige internationale Wirtschaftswissenschaftler reagieren immer noch gereizt, wenn man ihre völlig überschätzte makroökonomische Theorie demontiert und ihre Selbstüberschätzung thematisiert. Die haben noch immer nicht den Ernst der Lage begriffen“, betont der Personalexperte Nadolski. In den hochabstrakten Modellen der Wirtschaftswissenschaft werden entscheidende Faktoren ausgeblendet, die das menschliche Verhalten prägen. „Der plötzliche Verlust an Vertrauen, ausgelöst durch die Finanzkrise, der seit einem halben Jahr auch die Realwirtschaft lähmt, war in keinem Modell vorgesehen. Erst in jüngerer Zeit bemüht sich die Verhaltensökonomik zu verstehen, welche zum Teil auch irrationalen Motive (zum Beispiel das Herdenverhalten) die Marktakteure antreiben. Zugleich sollten nicht die fragwürdigen Motive der Politik unterschlagen werden, die den Rahmen für die Wirtschaft setzt. Auch hier herrscht wahrlich nicht die reine ökonomische Vernunft“, kommentiert FAZ-Redakteur Philip Plickert.

Die traditionelle Lehrstühle für Wirtschaftspolitik, wie in Köln, seien daher unverzichtbar. „Die konkrete Kenntnis wirtschaftspolitischer und rechtlicher Institutionen und ihrer Anreiz- und Lenkungswirkungen ist das Thema guter Ordnungsökonomik. Davon braucht es mehr und nicht weniger. Viele Aussagen der Ordnungsökonomen sind zwangsläufig normativ. Der Katalog konstitutiver Prinzipien, die Walter Eucken, der Urvater der deutschen Ordnungsökonomen, aufgestellt hat, enthält im Kern immer noch die Grundregeln einer guten Wirtschaftspolitik: Respekt für die Eigentumsrechte und die Vertragsfreiheit, eine stabile Währung, Wettbewerb und die Betonung der privaten Haftung. Einige dieser Prinzipien wurden grob verletzt, wie nun die meisten Ökonomen eingestehen. Die Krise sollte für sie nun Anlass sein, aus der Formelwelt in die reale Welt zurückzukehren und sich wieder stärker den Grundsatzfragen zu stellen“, fordert Plickert.

Wenn von der Rettung der Wirtschaftspolitik als Ordnungspolitik die Rede sei, dann ist eine akademische Disziplin gemeint, die das Wägen lehrt und vom Abschätzen der Folgen wirtschaftspolitischer Entscheidungen handelt, schreibt Hans D. Barbier, Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung, in seiner FAZ-Kolumne „Zur Ordnung“. „Für solche Ordnungspolitik hatte der Lehr- und Forschungskanon deutscher Universitäten traditionell einen guten Leumund. An deutschen Universitäten wurde gelehrt und gelernt, das ‚Respice finem!’ – ‚Bedenke die Folgen deiner Entscheidungen und ihrer weichenstellenden Wirkung!’ – nicht aus dem Auge zu verlieren“, führt Barbier weiter aus. Die 83 Ökonomen, die jetzt zur Rettung der Ordnungspolitik an den Hochschulen aufgerufen haben, verdienten daher jede Unterstützung.

„Mein“ Oster-Konjunkturpaket II: iPhone für alle Studenten, Wireless City und eine Neuauflage der Breitbandinitiative

Im Konjunkturpaket II der Bundesregierung findet sich als Beschluss 1 „Zukunftsinvestitionen der öffentlichen Hand“, und darin die Aussage: „Investitionsschwerpunkte sind der Bildungsbereich, insbesondere Kindergärten, Schulen, Hochschulen und die Infrastruktur, insbesondere Verkehr, Krankenhäuser, Städtebau und Informationstechnologie.“ Hier bieten genügend Möglichkeiten, um kurzfristig die Kommunikations-Infrastruktur und Anwendungen voranzutreiben. Bedarf gibt es in Deutschland hinreichend. Neben den nach wie vor DSL-technisch nicht erschlossenen rund 700 Ortsnetzen existiert ein Bedarf in vielen Ortsnetzen, in denen DSL nur mit geringen Bandbreiten verfügbar ist. Laut Bericht des Verbandes Bitkom waren in Deutschland im Februar 2009 erst 58 Prozent der Haushalte mit Breitbandzugängen erschlossen. Die Zugänge mit 16 Mbit/s Bandbreite oder mehr und somit die wirklich multimedialen Zugänge sind noch deutlich in der Minderheit.

Da die einzelnen Netzbetreiber jeweils für sich Geschäftspläne rechnen müssen zur Erschließung der Ortsnetze oder der Hauptverteiler der Telekom, sind die ländlichen Regionen mit ihren durchschnittlich größeren Distanzen und damit dem höheren Aufwand und zusätzlich geringer Kundendichte immer benachteiligt.

Hier können Länder und Kommunen eingreifen, sozusagen als Neuauflage der Breitbandinitiative von 2002. Gemeinschaftliche Förderkonzepte und Co-Finanzierungen bieten mit den neuen technischen Möglichkeiten wie ADSL2+, Reach-Extended ADSL, FTTH (Fiber to the home) oder Long Term Evolution (LTE) viele Ansätze für eine flächendeckende Versorgung mit schnellen Breitbandzugängen. Da Breitbandzugänge als ein wesentlicher Faktor für Produktivitätszuwächse gelten – Südkorea hatte schon 2007 rund 90 Prozent aller Haushalte mit Breitband-Internet versorgt – könnte das Konjunkturpaket II hier zur Schaffung einer leistungsfähigen Informationsgesellschaft beitragen.

Generell verfügbare Breitbandzugänge mit wirklich hoher Bandbreite stellen auch die Voraussetzung für Anwendungen wie Cloud Computing, IP Centrex und Software-as-a-service (als gehostete Lösung) dar, also für die Unabhängigkeit des Anwenders und seiner Endgeräte von lokal installierter Technologie. Das erleichtert gleichzeitig die Entwicklung von echten Managed Services.

Für Kommunen und Städte liegt die Umsetzung einer „Wireless City“ nahe, einem auf mobilen Breitbandzugängen basierenden Service. Hier können Zugang, Authentifizierung und Abrechnung für komplett mit WLAN ausgeleuchteten Einkaufszonen, Innenstädten und Verkehrsknotenpunkten zusammengefasst werden, verbunden mit mobiler Navigation, Veranstaltungskalendern, kulturellen Angeboten und Shopping-Führern.

Gerade bei Navigationssystemen im Handheld-Format geht der Trend hin zur WLAN- und 3G-Vernetzung und auch zur Fähigkeit, Videos abzuspielen. Sie bieten sich als ideales Endgerät für Einkaufsbummel und Städtetouren an. Derartige Konzepte für eine „Wireless City“ hat bereits die Wolfsburg AG ausgearbeitet – ein Gemeinschaftsunternehmen der Stadt Wolfsburg und der Volkswagen AG. Nun fehlt es noch an Visionen und Entscheidungsfreude der Kommunen – was ja nichts Neues ist. Aktuell beschränken sich die Infrastrukturprojekte der Kommunen eher auf klassische Baumaßnahmen, also auf die Sanierung der öffentlichen Bausubstanz. Hochschulen sind abseits der technischen Studienfächer häufig noch immer informations- und kommunikationstechnisch unterentwickelt. So erschlagen sich in Köln in den Uni-Cafeterien, um einen WLAN-Empfang zu bekommen. Nicht gerade eine smarte Lösung für Wissensarbeiter des 21. Jahrhunderts.

Einige Hochschulen sind aber bereits mit dem Thema „Wireless Campus“ beschäftigt, nämlich der kompletten WLAN-Abdeckung des Campusgeländes und dem entsprechenden Angebot aller Dienste über HTML-Browser. Hierüber lassen sich Bibliothekszugriffe, Downloads von Vorträgen, Online Recherchen bis hin zum Videostreaming von Vorlesungen mobil und flachendeckend anbieten. Diese Dienste können von Studenten wie auch Dozenten über die verschiedensten Endgeräte genutzt werden. Das klassische „Schlange stehen“ zur Einschreibung, Seminarregistrierung, bei der Nutzung von Bibliothekscomputern gehört dann der Vergangenheit des vordigitalen Zeitalters an. Bleiben noch die Schlangen an den Essensausgaben der Mensen als nostalgische Reminiszenz, zumindest wenn die Qualität der Küche stimmt. Was an der FU-Berlin selten der Fall war – außer wenn es Grießbrei mit Kirschen gab….Siehe auch den Bericht über den Vorschlag für die Uni Köln, allen Studenten als Gegenleistung für die Studienzwangsabgaben ein iPhone auszuhändigen. Das wurde sofort mit einem wütenden Anruf des Uni-Pressesprechers beantwortet. Dahin sollte aber der Weg einer modernen Hochschule gehen. Ansonsten macht es halt die Uni München schneller, dann werden sich die Verantwortlichen der Domstadt auch wieder ärgern.

Uni München setzt auf Podcasting

Siehe Beitrag in der Bild. Dann wäre ja der nächste Schritt ein iPhone für alle Studenten als Gegenleistung für Studiengebühren, wie es in Köln diskutiert aber wohl erst am Sankt Nimmerleins-Tag entschieden wird. Ich glaube, die Entscheider in München werden auch diese Maßnahme schneller einführen.

Nachtrag: iPhone für alle Studenten der Uni Köln als Gegenleistung für Studiengebühren – Wie sehen denn die Gegenleistungen in Wirklichkeit aus?

Die reservierte Reaktion des Pressesprechers der Uni Köln auf die Vorschläge zur Ausgabe von iPhones inklusive Flatrate-Vertrag an alle Studenten sollte nachdenklich stimmen. Wie sieht die Realität denn aus? Wie viel Service bieten die Unis für die Zwangsabgabe? In Köln gibt es beispielsweise schlechte Noten für die Anzahl der Lehrräume, gemessen an der Studentenzahl, sowie für die Öffnungszeiten der Studienbüros und Prüfungsämter. Bislang gibt es in Deutschland nur wenige Hochschullehrer, die ein neues Verständnis ihrer Lehrtätigkeit entwickeln: Einer der wenigen Professoren ist Betriebswirt Markus Voeth, der Deutschlands erster Dienstleistungsprofessor werden will. Mit zehn Serviceversprechen will Betriebswirt Markus Voeth Deutschlands erster Dienstleistungsprofessor werden. „Im Bürotrakt seines Instituts hat er eine Tafel mit zehn Serviceversprechen an die Wand gedübelt: Er verspricht, Klausuren innerhalb von vier Wochen zu korrigieren, persönliche Feedbackgespräche zu führen und E-Mails binnen 24 Stunden zu beantworten. Besonders begabte Studenten will Voeth mit eigenen Veranstaltungen fördern und sie an Firmen vermitteln“, schreibt die Financial Times Deutschland (FTD).

„Mit meinen Serviceversprechen möchte ich zeigen, dass die Studenten für mich umworbene Kunden sind“, so Voeth gegenüber der FTD. Im Restaurant könne der Kellner schließlich auch nicht sagen: „Jetzt zahlen Sie erst einmal 80 Euro, dann gucken wir, was für ein Essen Sie bekommen.“ Nach der Einführung von Studiengebühren von 500 Euro pro Semester seien die Hochschulen erst recht in der Pflicht, ihr Angebot zu verbessern. Nachahmer finden sich an deutschen Universitäten kaum. Es hagelt eher Kritik von Kollegen.

„Es ist bemerkenswert, dass der Marketingprofessor Voeth nicht nur moderne Dienstleistungsprinzipien lehrt, sondern diese auch gegenüber seinen Studenten praktiziert und damit vorlebt. Über Kritik muss man sich allerdings nicht wundern. Immerhin setzt der erste Dienstleistungsprofessor Maßstäbe, an denen sich manche seiner Kollegen nicht messen lassen können oder wollen. Dahinter mag auch ein veraltetes am Dienstbotendasein orientiertes Dienstleistungsverständnis stehen, das dem traditionellen, professoralen Selbstbewusstsein widerspricht“, vermutet Dr. Manfred Wirl, Experte für Dienstleistungsökonomie. Ein Professor, der sich gegenüber seinen Studenten mit konkreten Serviceangeboten verpflichtet, stelle die Hierarchie und damit das althergebrachte Verhältnis zwischen Professor und Studenten auf den Kopf.

Haltet Ihr es für realistisch, an der Uni Köln in den Genuss eines iPhones zu gelangen? Eure Erwartungen interessieren mich.

Der Pressesprecher der Uni Köln war von der Meldung nicht so ganz angetan, dann zur Präzisierung folgende Änderung: Jeder Student sollte ein iPhone bekommen – Vorschlag als Gegenleistung für Studiengebühren

Das hier von einem Vorschlag die Rede ist, war doch klar. Mal sehen, wie sich die Uni Köln entscheidet:

 

Studenten, die sich mit ihren Laptops an WLAN-Hotspots drängeln, gehören an der Abilene Christian University (ACU) http://www.acu.edu schon längst der Vergangenheit an. Jeder Erstsemester-Student wurde mit einem iPhone oder einem iPod Touch ausgestattet. Ähnliches soll nach den Plänen von Professor André Bresges, Leiter des Instituts für Physik und Didaktik der Universität Köln http://www.uni-koeln.de/math-nat-fak/didaktiken/physik/Menschen/Bresges.html, auch in der Domstadt Realität werden: „Für die Hochschule könnte das iPhone ein phantastisches Gerät sein. Die Einsatzmöglichkeiten für das Studium sind nahezu unbegrenzt“, sagte Bresges auf der iPhone developer conference http://www.iphonedevcon.de in München.

Der ACU-Lehrbetrieb sei dafür ein gutes Beispiel. Hier sei der Einsatz von Podcasting, eBook-Lesegeräte und Abstimmungsgeräte (Clickers) schon selbstverständlich. Taschenrechner, elektronisches Wörterbuch, Laptop, Organizer und Handy gehören an der ACU zur Standardausrüstung. „Die Dozenten haben mit dem iPhone Zugang zu einem neuen mobilen ‚Lehrraum’, der überall verfügbar und mit allen Funktionen ausgestattet ist, während die Studierenden auf alle Campus-Dienste und Lernmaterialien zugreifen können – unabhängig von ihrem Aufenthaltsort. Jeder Student sollte auch in Köln ein iPhone mit einem Flatrate-Mobilfunkvertrag als Gegenleistung für seine Studiengebühren erhalten – pro Jahr nimmt die Universität immerhin rund 38 Millionen Euro ein“, schätzt Bresges.

Als größte Hochschule in Deutschland hätte das Signalwirkung. Für das mobile Lernen, für die Zufriedenheit der Studenten und für innovative Lehrkonzepte wäre das eine bahnbrechende Entscheidung. „Die Hörsäle sind überfüllt, die Gebäude ausgelastet und die Lehrräume breiten sich wie Schimmelpilze in Köln aus. Da könnte das iPhone wertvolle Dienste leisten, etwa bei Simulationen von Experimenten, Informationen über Raumbelegungen via GPS, Terminänderungen, für die Förderung der Gruppenarbeit und bei der besseren Betreuung von Übungsgruppen. So könnten wir genau ermitteln, wo Studenten noch Schwächen haben und beispielsweise gezielt Vorlesungsinhalte über Podcast-Beiträge wiederholen“, sagte Bresges, der sich in verschiedenen Forschungsprojekten mit der Frage beschäftigt, wie man mit mobilen Lösungen Wissen, Medien und Informationen zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Ort bekommt. Für die Entwicklung einer Trainingssoftware zur sicheren Einschätzung der eigenen Fahrgeschwindigkeit, die bei mobilen Verkehrskontrollen der Polizei zum Einsatz kommt, wurde er 2004 mit dem „Safety Star“ von Renault, STERN und dem Bundesfahrlehrerverband ausgezeichnet.

Weitere Informationen über die iPhone-Entwicklerkonferenz in den nächsten Tagen.