Die rasant steigende Nachfrage nach Datenapplikationen zwingt die Netzbetreiber zu ständigen Investitionen beim Netzwerkausbau.
„Das drückt weiter auf die Marge. Schließlich erfordern sowohl feste als auch mobile Netze permanente Bandbreitenerweiterungen“, sagte Roman Friedrich von Booz vor drei Jahren.
Hier werde das Dilemma der Netzbetreiber besonders deutlich: Während die Umsätze bei stetigem Investitionsbedarf stagnieren, fahren marktfremde Player wie Apple die Gewinne ein.
„Die klassische TK-Branche gerät immer stärker in eine prekäre Situation. Wenn sie nicht weiter angestammtes Terrain verlieren will, muss sie jetzt konsequent in Innovationen, Inhalte und neue Geschäftsmodelle investieren„, so das Fazit von Friedrich.
Die Agenda für Netzbetreiber sei klar. Sie müssten an der App-Welle partizipieren. Die Zahl der App-Downloads werde weltweit in den nächsten fünf Jahren von 1,4 Milliarden auf rund 19 Milliarden steigen. Dieses Volumen bringe den Anbietern einen App-Umsatz von 17 Milliarden Euro ein. Zudem sollten Netzbetreiber über die Vermarktung eigener mobiler Werbeformen nachdenken und ihre Aktivitäten im Videogeschäft ausbauen. Notwendig seien zudem konvergente Betreibermodelle, eine radikale Kostenreduzierung und die Entwicklung zum „Smart Innovator“.
Und was ist von diesen Hausaufgaben realisiert worden? Was sagt Roman Friedrich zur aktuellen DSL-Tarifpolitik der Telekom?
Im ichsagmal-Interview äußerte sich René Henn, Sprecher der Bundesnetzagentur in Bonn, zu den neuen DSL-Tarifen der Telekom, die derzeitig die Gemüter in Wallung bringen.
„Grundsätzlich ist die Telekom, was die Ausgestaltung ihrer Endkundentarife anbelangt, frei. Sie muss darüber transparent informaieren und die Rahmenbedingungen der entsprechenden Verträge offenlegen“, so Henn.
Die Bundesnetzagentur wird das neue Tarifmodell jetzt aber wohl doch etwas genauer anschauen und prüfen, ob ein Verstoß gegen die Netzneutralität vorliegt.
Ob das neue Tarifmodell der Bundesnetzagentur vorgestellt wurde, wollte der Pressesprecher nicht beantworten:
„Zu internen Arbeitsabläufen gebe ich keine Auskunft.“
Sollten von der Drosselung des Internets auch Konkurrenten betroffen sein, die das Netz der Telekom als „Untermieter“ benutzen, könnte die Sachlage allerdings in einem neuen Licht erscheinen und die Netzagentur auf den Plan rufen.
„Ein Anbieterwechsel dürfte hier wenig Sinn haben: die meisten anderen Anbieter von DSL-Anschlüssen sind regionale Unternehmen, die zum größten Teil auf die Telekom und deren Technik zurückgreifen müssen. Das heißt: Wenn die Telekom auch ihre Großkundenverträge entsprechend anpasst, wird man irgendwann auch bei den anderen Anbietern eine Geschwindigkeitsbegrenzung haben. Eine Alternative können eventuell die Kabelnetze sein“, berichtet WDR 2.
Wann sich die Bundesnetzagentur zur Frage der Netzneutralität äußern wird, konnte mir Henn nicht sagen.
Technisch werde die Drosselung erst 2016 wirksam. Stellt die Netzagentur einen Verstoß gegen die Netzneutralität fest, ist sie als Regulierungsbehörde wieder im Spiel.
Auch die Bevorzugung von Diensten der Telekom dürfte dabei eine Rolle spielen und wird von den Konkurrenten kritisch beleuchtet. Hier könnte es um einen klaren Nachteil für Wettbewerber gehen.
Soweit die Recherchen für meine The European-Mittwochskolumne. Warte noch auf weitere Infos.
„Um dem zu begegnen, drosselt sie dem Anwender, der die Dienste anderer Anbieter nutzt, den Anschluss. Das ist natürlich eine Milchmädchenrechnung, aber wenn der Kunde sie akzeptiert, wird sie aufgehen.“
Als Ergebnis bekommen wir dann nur noch ein Internet-Menü mit Bits in der Farbe Magenta.
Wenn wir das nicht wollen, so Dr. Roman Friedrich von Booz & Co. im ichsagmal-Interview, müsse die Politik jetzt gegensteuern. Es gibt gute Gründe, die Netzinfrastruktur wie ein Gemeingut zu betrachten, wenn es um Aspekte der Freiheit und Offenheit geht. Das sei aber nur politisch zu lösen. Die Telekom testet ab, wie weit sie gehen kann.
Also gute Gründe, die Gefahr eines Zweiklassen-Netzes jetzt ganz oben auf der politischen Agenda anzusetzen.
Das Gespräch mit Friedrich muss ich noch auswerten.
Wer sich berufen fühlt, hier noch mit eigenen Betrachtungen in den Ring zu steigen, sollte mich kontaktieren. So ist die Frage wichtig, was denn folgen muss, wenn der Staat die Netzneutralität festschreibt. In einigen Ländern ist das ja schon der Fall. Wer A sagt, müsse dann wohl auch B sagen. Dann reicht es nicht aus, die Ausgaben für eine moderne Netzinfrastruktur auf die Konzerne der Telekommunikation abzuladen. Da ist dann auch staatliches Engagement gefragt. Habe ich auch im Interview mit Friedrich angesprochen. Die knapp fünfzehnminütige Audio-Aufzeichnung sollte man sich dann mal anhören.
Heute habe ich eine Mail von einem Bekannten aus Bonn bekommen. Und der lässt bei mir immer mehr Zweifel an der Qualität von Apple-Produkten aufkommen. Diesmal die Hardware:
Hi Gunnar,
es war sehr nett mit Dir das Thema Iphone zu diskutieren. Ich möchte noch einml kurz die Fakten zusammenfassen. Mein Sohn hat sein iPhone 5 völlig normal benutzt und es immer in ein Schutzhülle gehabt. Vor einigen Tagen kam er heim und zeigte mir sein in der Mitte gebogenen Smartphone, welches an den Seiten eine Trennung zwischen der Aluminiumschale und der Glasplatte aufweist.
Als nächstes rief ich die Telekom an, die mir maximiale Unterstützung zusagte und dies sogar auch einhielt. Ergebnis: Apple hat festgestellt, dass die hosentaschentemperatur zu heiss ist und deswegen sich das iPhone verzieht. Das ist ein eindeutiger Anwenderfehler und kann gegen die Zahlung von 269 Euro behoben werden. Dass am iPhone was falsch ist, steht nicht zur Diskussion.
Die Telekom hat sich bereit erklärt, die Hälfte der Kosten zu tragen, da ihnen die Sache wohl peinlich ist. Apple legt jede Gewährleistung ab. Die Aussentemperatur des Handys darf 35 Grad nicht ueberschreiten. Daher gehört es nicht in die Hosentasche.
Die völlige Verarsche. Wir machen alles mit.
Viele Grüsse
Sascha
Was macht man eigentlich im Sommer mit diesem Teil? Soll man es im Kühlschrank lagern? Oder bietet Apple ein mobiles Kühlaggregat an, um bei 40 Grad im Schatten telefonieren zu können?
Nach unserer Bloggercamp-Sendung um 18,30 Uhr werden wir Sascha so um 20 Uhr zu diesem Fall interviewen. Natürlich auch live übertragen via Hangout on Air. Wer ähnliches berichten kann an Ärgernissen über das iPhone 5, ist herzlich eingeladen, in der Gesprächsrunde mitzuwirken. Entweder mich oder Hannes Schleeh kontaktieren.
man darf es sich bei fieber nicht auf die stirn legen. übrigens, auch die handflächen haben mehr als 35 grad (wenn man nicht grad tot ist). also nicht anfassen, das gerät. apps kann man auch mit der nasespitze starten, wenn das iphone korrekterweise auf einem tisch liegt (möglichst marmor oder stein, nicht holz, da erlischt die garantie, muahahaha). vielleicht sollte apple die firma m&m kaufen, die schmelzen wenigstens nicht in der hand, da wäre ein technologietransfer angebracht…
Deutsche Buchhändler? Nee. Es sind jene Konzerne, die in den vergangenen Jahren schon eine Spur der Verwüstung im Buchhandel hinterlassen haben mit ihren Buch-Supermärkten, die immer mehr zu Tschibo-Filialen mutieren und den Verkauf von Büchern zur Nebensache machen.
Zu dieser illustren Runde zählen also Thalia, Weltbild, Hugendubel sowie Club Bertelsmann.
„Die Partner setzen dabei auf die neue Marke tolino. Der eReader tolino Shine ist ab dem 7. März 2013 bei allen Partnern erhältlich. Der tolino Shine ist 6 Zoll groß und verfügt über ein HD E-Ink Display mit integrierter Beleuchtung, 1024 × 758 Pixeln nebst 16 Graustufen. 183 Gramm wiegt das Gerät, welches bis zu sieben Wochen Akkulaufzeit bieten soll“, schreibt Cashy.
Nun gut. Da reagiere ich mit der Plattitüde: Die Kritiker der Elche sind selber welche. Eine unheilige Allianz, die sich da zusammen getan hat. Denn selbst die Rasenmäher-Politik dieser Gemischt-Warenläden reicht nicht mehr aus, um Amazon ernsthaft Konkurrenz zu machen. Es ist also eine Koalition der Verlierer.
Wer etwas für gut Büchern übrig hat, sollte in gut sortierte Buchhandlungen gehen mit Inhabern, die sich für Literatur begeistern können.
Der kommerzielle Erfolg von mobilen Internetanwendungen, -inhalten und -diensten geht bisher weitgehend an den Netzbetreibern vorbei. Das Geschäft machen Apple, Google und Co. Kein neuer Sachverhalt also. Die Datenexplosion bringt allerdings die Netzinfrastruktur immer häufiger an die Belastungsgrenze. Es drohen massive Ausfälle. Das machte Dr. Roman Friedrich von der Unternehmensberatung Booz & Company auf einem Pressegespräch in Düsseldorf deutlich. Traditionell wagt Friedrich kurz vor dem Start der Mobile World in Barcelona einen Ausblick auf die wichtigsten Trends der Branche für Telekommunikation.
Ohne massive zusätzliche Investitionen sei in Westeuropa das Limit der bestehenden Netze bereits in zwei Jahren erreicht. Insbesondere zu Spitzenzeiten könnten Engpässe auftreten. Um das allein in Deutschland anstehende Investitionsvolumen von über 30 Milliarden Euro für den Ausbau des neuen Mobilfunkstandard LTE und Glasfasernetze aus den Überschüssen finanzieren zu können, müsse es den Netzbetreibern schnellstmöglich gelingen, den zunehmenden Datenverkehr in Umsätze zu verwandeln.
Vor diesem Hintergrund war Ansicht von Friedrich die Einführung der Datenflatrate ein historischer Fehler der Netzbetreiber, denn wenige Power-Nutzer verursachen das Gros des Datenverkehrs. Im Schnitt erzeugen fünf Prozent der stärksten Datennutzer rund 75 Prozent des Datenvolumens eines Anbieters. Mit der sukzessiven LTE-Einführung öffnet sich ein Zeitfenster, um die Flatrate-Politik zu beenden oder zu reduzieren.
Künftig sollten Kunden einen Aufschlag für ein schnelles und sicheres Netz oder die bevorzugte Behandlung bei etwaigen Engpässen beim Datenzugang bezahlen. Nur so könnten die Telekommunikationsfirmen wieder substantielles Wachstum aus dem exponentiell wachsenden Datenaufkommen gewinnen und ihre Investitionen in die dafür notwendige Infrastruktur refinanzieren. skizziert Friedrich. So machen Verizon und AT&T aus den USA den europäischen Anbietern bereits eindrücklich vor, wie sich mit Preisdifferenzierung je nach Gerät und Integration aller mobilen Verbindungen unter einem Vertrag die Wachstumsraten und die Profitabilität erheblich steigern lassen.
Was so harmlos klingt, dürfte netzpolitisch noch zu einigen Nachbeben führen, wenn spezielle Pakete geschnürt werden, die beispielsweise Google-Dienste oder Facebook bevorzugen.
Genauso spannend dürfte die Diskussion verlaufen, wie TK-Konzerne über digitale Dienste für die Wirtschaft neue Umsätze erzielen. In Deutschland sind dafür die Voraussetzungen schlecht, sowohl auf Seiten der Wirtschaft als auch auf Seiten der Politik. Von Technologiefeindschaft von Unternehmen ist da die Rede und von unzureichenden Impulsen der Regierung. Am wenigsten Nachfrage erzeugen wohl die eGovernment-Projekte des Bundes. Da sind die 9MB-Mailfächer des Bundesinnenministeriums wohl kein Zufall….
Beide Themen habe ich in Düsseldorf angeschnitten mit spannenden Antworten von Dr. Friedrich.
Ich lese gerade eine Studie von T-Systems zum Thema „Customer Service der Zukunft“ – könnte man übrigens ohne große Schnörkel einfach „Kundenservice der Zukunft“ nennen. Und dann steht im fünften Kapitel folgendes:
„Angst vor neuer Technologie: Einige Kunden fühlen sich bei der Nutzung technischer Produkte und Dienstleistungen unwohl. Technische Begrifflichkeiten führen bei ihnen zu Verwirrung. Infolgedessen meiden sie technische Lösungen bzw. haben sogar Angst, durch deren Nutzung etwas irreparabel falsch zu machen. Herausforderung für Unternehmen: Unternehmen müssen ein klares Wording bei der Benennung und Beschreibung von Service Solutions sicherstellen sowie die technische Umsetzung so einfach wie möglich gestalten. Ansonsten kann die Angst vor neuen Technologien die Akzeptanz von Service Solutions negativ beeinflussen.“ Ach was….
Wirklich tolle Empfehlung: Klares Wording….Da sind wir ja schon wieder mittendrin in der Laberrhabarber-Buchstabensuppe.
“Durch Bündelung ihrer Kompetenzen können automatisierte Geschäftsprozesse bei den Kunden noch effizienter eingeführt werden.“
Jo. Zudem sind wir alle gut aufgestellt, besitzen ein weltweit führendes und fundiertes Portal-Know-how, schaffen Mehrwerte für Kunden – die natürlich im Mittelpunkt des Unternehmenskosmos stehen -, arbeiten effektiv an Solutions für das Ideen- und Innovationsmanagement, sorgen für einen zügigen Return on Investment, verschaffen den Marsmenschen einen unschlagbaren USP und unterdrücken unseren Brechreiz bei diesem unsäglichen Managementgefasel. Schreibt doch einfach mal die Studien und Pressemitteilungen wie spannende Romane. Arbeitet an einem erzählerischen Stil und verabschiedet Euch von der Techno-Bürokraten-Sprache.
Mein Neujahrswunsch an die Firmen-Schreiberlinge: Lest Karl Kraus und Kurt Tucholsky – erst danach wieder in die Tasten greifen.
„Da verlangt die Bundesregierung den flächendeckenden Breitbandausbau mit 50 MBit/s (was auch zu wenig ist, wenn Merkel auf dem IT-Gipfel von der Gigabit-Gesellschaft redet, gs). Die Länder stellen Fördermittel in Millionenhöhe bereit. Die Kommunen versuchen alles, damit bei Ausschreibungen möglichst viele Bürger schnelles Internet bekommen. Und die Telekom beruft sich in immer mehr Fällen auf eine Verfügung der Bundesnetzagentur, die es ihr erlaubt, den Ausbau zu verhindern, wenn in einem Ausbaugebiet 50 Prozent der Bevölkerung bereits mit einem (!) MBit versorgt sind. Dies ist häufig dann der Fall, wenn ein Investor auch solchen Kunden einen schnellen Internetanschluss anbieten möchte, die ganz besonders weit weg vom letzten Kabelverzweiger wohnen und aufgrund der langen Kupferleitung unter einer völlig unzureichenden Breitbandversorgung leiden. In diesen Fällen können neue Kabelverzweiger helfen, die mit Glasfaser versorgt näher an den Kunden heran gebaut werden als die alten der Telekom.“
Die Mindestversorgungsgrenze von einem MBit/s müsse unverzüglich aufgegeben werden, wenn gleichzeitig die Regierung der Wirtschaft das Ziel setzt, flächendeckend 50 MBit/s anzubieten.
„Noch unverständlicher ist aber, dass die Telekom sogar die Ausbaumöglichkeit bei unter einem MBit Versorgung für die investitionswilligen Wettbewerber kippen will“, kritisiert Alexander Lucke, Geschäftsführer der DNS:NET Internet Service GmbH.
Mit der Forderung nach Remonopolisierung aller Kabelverzweiger auf dem Land und einem Investitionsstopp für schnelleres Vectoring der Wettbewerber werde die Telekom ihrer Verantwortung nicht mehr gerecht.
„Die Bundesregierung als größter Anteilseigner muss diesem Spuk endlich ein Ende machen wenn ihre enorm ambitionierten Ausbauziele nicht zur Farce werden sollen“, fordert Jürgen Grützner, Geschäftsführer des VATM.
Wer beim virtuellen Blogger Camp über die „Krankenakte digitale Wirtschaft“ am 17. Dezember von 18,30 bis 19,00 Uhr mitmischen will, sollte sich kurzfristig bei mir melden.
„Führen Sie sich immer wieder vor Augen, dass das Internet eine große Maschine ist, mit der unzählige Organisationen und Menschen sich informieren, kommunizieren und sich unterhalten. Diese Maschine hat viele Schnittstellen in Form von Schreibtisch-Rechnern, Tablet-Computern, Smartphones, Internet-Fernsehern und Spielkonsolen.“
Im Internet der Dinge wird das alles vernetzt – vom Auto über den Kühlschrank bis zur Steckdose. Das Ganze sollte verständlich und leicht bedienbar sein wie ein Kaugummi-Automat, spielerisch-unterhaltsam informierend wie KIKA-Fernsehen, optimiert für den Nutzungskontext wie eine Blitzerwarner-App, vernetzbar mit allem und jedem durch Teilen und Abonnieren, werten und kommentieren mit Lese- und Schreibrechten für alle, mit eingebauten Feedback-Mechanismen als Service-Sensorium und verschlagwortet für das eigene und gemeinschaftliche Sortieren. So werde Kundenservice zum „Design-Objekt” und zur „Handwerkskunst” für die Gestaltung von Maschinen-Service sowie Social Web-Kommunikation.
„Kunden möchten dort, wo sie beim Unternehmen mit einem Anliegen ‚landen’, sofort die Wegweiser finden, wo es langgeht. Sie möchten wissen, ob sie auf dem richtigen Weg sind. Sie möchten schnell zum Ziel kommen und mühelos das Anliegen erledigen, um danach mit einem guten Gefühl ‚weiterzureisen’“, schreibt Bock in seinem Opus „Kundenservice im Social Web“ (erschienen im O’Reilly-Verlag).
Egal ob Selfservice-Software oder persönlicher Dialog, ob im direkten Gespräch oder über Medien vermittelt, die “Bedienung” durch Mensch oder Maschine müsse sich für Kunden „gut anfühlen“, leicht zugänglich, offen und freundlich sein, empathisch und verständlich. Für jedes Nutzungsszenario sollte ein entsprechendes Service-Angebot vorhanden sein, um personalisierte Services zu garantieren – ohne Restriktionen und Ausreden: Zu Hause, am Arbeitsplatz, im Geschäft, unterwegs im Auto, in öffentlichen Verkehrsmitteln, auf dem Fahrrad oder zu Fuß. Per stationärem PC, Notebook, Telefon, Handy, Smartphone oder Tablet PC. Auf Facebook, Twitter, Google+, Blogs, Foren, Frage-Antwort-Portalen, im Chat, per E-Mail, SMS, FAQ oder über das Kontaktformular.
„Was sich unterhalb der Motorhaube über die Kombination verschiedenster Dienste abspielt, darf für den Kunden gar nicht sichtbar sein. Entsprechend intelligent muss die Vernetzungslogik aufgebaut sein“, so Systemingenieur Bernd Stahl vom Netzwerkspezialisten Nash Technologies mit Sitz in Nürnberg und Stuttgart.
Alles werde gesteuert durch ein hochintelligentes Netz auf Basis semantischer Technologien und völlig neuen Geschäftsmodellen.
„Der Nutzer muss sich überhaupt keine Gedanken mehr machen über spezielle Endgeräte, die Auswahl von Diensten, das Netzwerk oder Serviceprovider. Er muss kein Ziel mehr eingeben über Telefonnummern, IP-Adressen oder Links. Alles das wird vom intelligenten semantischen Netz übernommen. Die Bedeutung der Anfrage wird automatisch in Einzelteile zerlegt, an unterschiedliche Ziele geschickt und zurück kommt der gewünschte Service oder das fertige Produkt“, prognostiziert Stahl.
Kunden sollten an allen Berührungspunkten mit einem Unternehmen die gleichen Information bekommen, ob gedruckt, gesendet, geschrieben, gefunkt, gepostet oder im direkten Gespräch, ob es um Preise, Konditionen, Modelle, Leistungsumfang, Anleitungen oder anderes geht, betont Telekom-Manager Bock.
Warteschlangen und Warteschleifen-Musik seien kein ästhetisches Erlebnis und treiben Kunden in die Flucht.
„Jahrelang wurden Kundenkontakte in telefonische oder virtuelle Warteschleifen verteilt. Moderne ‚lernfähige‘ Software in Service und Support kann das Verhalten von Kunden und Mitarbeitern bei der Informationsbewertung adaptieren und Inhalte verstehen. Unternehmen schaffen sich einen unschätzbaren Wettbewerbsvorteil, wenn sie automatisch das ‚Alltägliche‘ erkennen und lösen können und dadurch Raum für die individuelle Beratung schaffen“, betont der Kölner Ityx-Vorstandschef Süleyman Arayan.
Und die individuelle Beratung könne über Chat, Videotelefonie oder Apps erfolgen.
Seine Prognose: Die klassische Eins-zu-Eins-Kommunikation wird es in fünf Jahren kaum noch geben. Es wird Geschäftsprozess-Plattformen geben, die alle Kommunikationsformen und Geräte unterstützen.
Denn kaum noch ein Service-Anbieter könne mit der eigenen trägen Hardware auf die Veränderungen der Kundenkommunikation zeitnah reagieren. Über Cloud-Dienste steigt die Anpassungsfähigkeit und Schnelligkeit, um sich den Anforderungen der Echtzeitkommunikation im Social Web zu stellen.
Für den Ansatz des Service-Designs und des Design-Thinking ist ein interdisziplinäres Denken erforderlich.
„Für Kundenservice im Social Web sind Kompetenzen für Grafik-, Interaktions- und Service-Design, Konzeption und die technische Realisierung erforderlich. Darüber hinaus benötigen Sie Kompetenzen aus Kundenservice, Vertrieb, Marketing und Kommunikation, also allen Unternehmensbereichen, die Erfahrungen mit direkten Kundenkontakten und Öffentlichkeitsarbeit haben“, erläutert Bock.
Zudem sollte man die Ressourcen außerhalb des Unternehmens mehr nutzen. Beispielsweise über Kunden, die genau wissen, was gut für sie ist.
Telekom-Kunden können ab Oktober 2012 über Smartphone, Tablet und PC auf über 18 Millionen Musiktitel zugreifen – sowohl online als auch offline, schreibt Caschy in seinem Blog.
„Und zwar ohne, dass die Online-Nutzung des Spotify Streaming-Dienstes gegen das im Tarif enthaltene Datenvolumen gerechnet wird. Der erste Telekom Mobilfunktarif mit integriertem Spotify Premium Account wird ab Oktober 2012 für rund 30 Euro erhältlich sein. Gegen Ende des Jahres wird die Nutzung des Spotify Premium-Dienstes auch als Zubuchoption für etwa zehn Euro für Festnetz- und Mobilfunkkunden der Telekom möglich sein. Also: wer bei der Telekom ist und unterwegs online Musik streamen möchte, der findet vielleicht durch das nicht angerechnete Datenvolumen einen Vorteil für sich.“
Mal schauen, ob sich diese Preispolitik durchsetzt. Bin skeptisch. Genauso skeptisch wie bei den 39 Cent, die für eine DE-Mail verlangt wird. Auf der IFA will die Telekom für neuen Schub im digitalen und rechtssicheren Briefverkehr sorgen. „Aktuell werden nur etwa fünf Prozent aller E-Mails verschlüsselt. Eine Mail kann abgefangen oder verfälscht werden, man weiß nie zweifelsfrei, wer der Absender ist“, so Andreas Kadelke von der Telekom.
Technologisch wäre es sicherlich sinnvoll, der guten alten gelben Post und den dämlichen Faxbriefen (herrlich die Formulierung von Sascha Lobo in seiner aktuellen Spiegel-Kolumne: „Auf Facebook ist Authentizität nicht möglich. Das sollte eine Steilvorlage sein, die Authentizität auf den Schrotthaufen der historischen Unnotwendigkeiten zu werfen, wo sie zwischen Atomkraft, Nationalstolz und Faxgerät verrotten möge.“) eine digitale Variante an die Seite zu stellen. Nur dann muss das anders laufen. Politisch sei noch einiges im Argen, so die Bedenken von Netzwertig-Blogger Karsten Werner: Sowohl die Gesetzgebung als auch die Beauftragte der Bundesregierung für Informationstechnik würden sich davor drücken, einen der wesentlichsten, lange bekannten und vielfach diskutierten Angriffspunkte der Kritiker eindeutig auszuräumen: Den Vorwurf einer vereinfachten Zugriffsmöglichkeit öffentlicher Stellen auf den digitalen Schriftwechsel der Bürger.
„Unabhängig von den Motiven, die der Einzelne dahinter vermuten mag, zeigt bereits allein die mangelnde Sensibilität der verantwortlichen Instanzen, eben genau dieses Informationsbedürfnis auch aufzugreifen, wie wenig Verständnis von Seiten der Initiatoren für die Befindlichkeiten der Bürger zum Thema ‚Rechtsverbindliche digitale Kommunikation‘ überhaupt aufgebracht wird. Wer dieses Bedürfnis nach Rechtssicherheit lediglich mit einem lapidaren Verweis auf andere Regelungen abspeist, beziehungsweise es nicht einmal für nötig erachtet, diesen Aspekt in seinen Informationsangeboten zu kommunizieren, der darf sich später über eine mangelnde Teilnahme nicht wundern. Insbesondere vor dem Hintergrund der breit geführten öffentlichen Debatte um den ‚Staatstrojaner‘, wirft gerade dieses Versäumnis kein gutes Licht auf die verantwortlichen Stellen“, schreibt Karsten Werner.