Sprachcomputer brauchen mehr Dialogintelligenz – Warum Tonwahlsysteme nerven

Kundenfrust bei klassischen Sprachcomputern
Kundenfrust bei klassischen Sprachcomputern
Klassische Sprachautomaten sind für viele Verbraucher ein Ärgernis. Wenn Firmen schlechte Systeme anbieten, würde das einen schlechten Eindruck beim Kunden hinterlassen, so Professor Elmar Nöth, Experte für Sprachverarbeitung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, gegenüber dem Fachmagazin „Direktmarketing“: „Der Mensch soll sich aber nicht auf die Maschine einstellen, sondern die Maschine auf den Menschen. Billige Systeme führen zu genervten Leuten, und das ist schlecht für Kunden und Unternehmen.“

Sprachautomaten brauchen daher eine sehr ausgefeilte Dialogintelligenz. Davon ist Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge in Berlin, überzeugt. Sprachsysteme sollten nicht nur die Fähigkeit besitzen zu sprechen, sondern müssten sich auch auf das Gesagte einstellen können. Der Anrufer gibt Anweisungen oder stellt Fragen, die vom Computer befolgt oder beantwortet werden. Noch weiter gehen Entwicklungen, die den Anrufer erkennen, seine Emotionen heraushören und sich entsprechend anpassen können. „Die Personalisierung der Dialogsysteme ist ein wichtiger Schritt, um Kundenwünsche vorausahnen zu können auf Basis der Kundendaten. Dann sind differenzierte Services und Auskünfte möglich, je nachdem wer, wann und wo anruft“, erläutert Pape. Der Dialog laufe dann wie folgt: Hallo Herr Herrmann! Oh! Ich sehe, dass Sie in letzter Zeit mehrfach versucht haben sich einzuwählen. Möglicherweise haben Sie Probleme mit…

Von der Sprachsteuerung zum persönlichen Assistenten
Von der Sprachsteuerung zum persönlichen Assistenten
Die alten Tonwahl-Systeme, drücken Sie die 1, wenn Sie ein Problem mit Ihrem Drucker haben, drücken Sie die 2, wenn Sie eine Frage zu neuen Produkten haben, seien nicht mehr zukunftsfähig. „Diktiererkenner werden immer besser und auch die Dialogtechnologie macht enorme Fortschritte. Die Systeme können viel mehr verstehen und die Dialoge werden immer natürlicher“, so Pape zur Weiterentwicklung der Sprachsteuerung. Interessante Dinge könnten in der mobilen Welt passieren. Der Dienst „Google Voice Search“ habe das Potential, sich zu einem persönlichen Assistenten zu mausern.

Sprachsteuerung als Dialogmanager für mobile Geräte

Die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine wird nach Expertenmeinung vor allen Dingen durch die mobile Spracherkennung vorangetrieben. So geht Datamonitor in der Studie „The Proliferation of Innovative Speech Applications in Mobile Computing“ davon aus, dass sich die Sprachsteuerung von Handsets in den kommenden fünf Jahren verdreifacht: von 32,7 Millionen US-Dollar auf 99,6 Millionen US-Dollar. In Fahrzeugen geht man von einer Steigerung von 64,3 Millionen auf 208,2 Millionen aus. Als wichtigen Wachstumsfaktor sieht das CIO-Magazin die immer besseren Netzwerke, die zu neuen Wegen bei der Sprachübertragung führen. „Der Trend scheint zu einer Mischung aus netzwerkbasierter und eingebetteter Sprache zu gehen, mit der man beispielsweise das Menü steuern und eine Internetsuche durchführen kann“, so die Fachzeitschrift. Vor allem bei Arbeitnehmern im Außendienst und in Lagerhallen würde sich die Nützlichkeit der Sprachsteuerung erweisen. Die Datamonitor-Studie berichtet von positiven Erfahrungen von Betreibern von Lagern, deren Mitarbeiter ihre Konzentration dank der mobilen Spracherkennung nicht von Tätigkeiten wie dem Heben von Gegenständen abwenden mussten. Ein Wachstumsmarkt sei auch das Gesundheitswesen und hier vor allem die Altenpflege. Bei gleich bleibenden Budgets müssten immer mehr alte Menschen betreut werden.

Die von der Berliner Firma Aastra-Detewe entwickelte Sprachtechnologie soll Pflegedokumentationen in der stationären Altenhilfe einfacher, schneller und besser machen: „So ist eine Nachtschwester für viele Bereiche und Bewohner zuständig und kann nicht alle Akten ständig bei sich tragen. Die Spracherfassung über das mobile Telefon vereinfacht die Dokumentation, sichert die Qualität und spart nebenbei noch Zeit“, erklärt Andreas Latzel, Deutschlandchef der Aastra-Gruppe. Aastra-DeTeWe kombiniere interaktive Anwendungen auf DECT-Mobiltelefonen mit einem speziell von Pflegewissenschaftlern angepassten Sprachportal. So werden alle Eingaben in Echtzeit überprüft und direkt in einer elektronischen Patienten-Akte abgelegt. Bei einem Pflegeheim mit etwa 100 Mitarbeitern und einer durchschnittlichen Fluktuation setzt Aastra-DeTeWe auf Sprachportale. Bei ihnen können interaktive Sprachdialoge zusammengestellt werden, um automatisiert mittels Sprache zu navigieren.

„Die Prognosen der Marktforscher und Branchenvertreter spiegeln die aktuelle Entwicklungsdynamik wider. Dabei zeichnen sich drei Trends ab, die getrennt zu betrachten sind. Erstens ist die Endgeräte-Bedienung per Sprachbefehl im Auto stark im Kommen und wird die Akzeptanz von Spracherkennung in vielen anderen Anwendungsgebieten positiv beeinflussen. So bietet Navigon die Spracheingabe von Navigationszielen mit einem Satz in ihren Highend-Versionen ihrer Navigationssysteme an. Die großen Autokonzerne werden hier nachziehen“, erklärt Bernhard Steimel, Sprecher der Voice Days plus. Allerdings könne es noch zwei bis drei Jahre dauern, bis die Technik für alle Fahrzeugklassen verfügbar ist. „Zweitens gibt es vielversprechende Ansätze, Sprachsteuerung bei Smart Phones im Zusammenspiel mit anderen Eingabe- und Ausgabemodi einzusetzen. Ein gutes Beispiel ist die mobile Internetsuche ‚Google Mobile App’ für das iPhone. Innovationsmotor ist hier die rasant wachsende Entwickler-Community für den App Store von Apple“, so Steimel.

Als dritten Faktor sieht er die intelligente Verknüpfung von mobilen Applikationen und Sprachcomputern im Call Center-Umfeld. „Das Handy wird hier zu einem Serviceterminal, wo man ähnlich wie am Bankautomat seinen Kontostand abfragt oder eine Buchung vornimmt. Bei komplexeren Transaktionen kann jederzeit eine Telefon-Verbindung mit einem Service-Mitarbeiter aufgebaut werden; das intelligente Sprachsysteme übergibt alle Eingaben an dessen Arbeitsplatz“, erläutert Steimel. Auf den Voice Days plus in Nürnberg werden T-Mobile und Vodafone erste Prototypen im Praxisforum „Mobile Service“ am 7. Oktober vorstellen.

Dialogmanagement-System
Dialogmanagement-System
Bei der Sprachsteuerung für die mobile Internetnutzung steckt man allerdings noch in den Kinderschuhen. Das gilt vor allen Dingen für die entsprechenden Dienste der Suchmaschinenanbieter. Ein intelligentes Dialogmagement ist noch nicht möglich, um wirklich von virtuellen und persönlichen Assistenten zu sprechen: „Der Dialog-Manager agiert als zentrale Stelle im System, interpretiert jede Anfrage und leitet diese zur Verarbeitung an die übrigen Module weiter. Er entscheidet, ob und wie eine Frage gestellt wird und wie eingehende Fragen beantwortet werden. Diese auf Künstlicher Intelligenz beruhende Komponente enthält dynamische Strategien, die abhängig von der jeweiligen Situation aufgerufen werden können“, erklärt Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge in Berlin. So könne man einen Flug nach London buchen, dann nach den Temperaturen fragen und nach Erhalt der Antwort sich wieder der Flugbuchung zuwenden. Regelbasierte und heuristische „wenn….dann“-Abfragen machten es möglich, dem Kunden auch komplexe Informationen mitzuteilen: „Für den angegebenen Preis stehen nur zwei Drucker zur Verfügung, aber für einen Aufpreis von nur 50 Euro kann ich Ihnen vier weitere Drucker anbieten, die schneller und besser sind“.

Abschied vom Tastenwahlblock – Sprachsteuerung als „Tipping Point“ des mobilen Internets

Lösungen von Nuance für die Automobilbranche
Lösungen von Nuance für die Automobilbranche
Mobile Computer und Navis setzen sich nach einem Bericht des Computer Informationsdienstes (CID) immer mehr durch. Doch wer unterwegs auf den Rechner zugreifen möchte, hat nicht immer die Hände frei oder muss die Augen auf seine Umgebung richten. Hier sehen die Marktforschungsexperten der Datamonitor Group die größten Chancen für Sprachsteuerungs-Applikationen. Die weltweiten Umsätze mit sogenannter „Advanced Speech Recognition” (ASR) sollen demnach in Smartphones und mobilen Kleinrechnern von 32,7 Millionen US-Dollar im Jahr 2009 auf 99,6 Millionen US-Dollar im Jahr 2014 steigen. Für die Spracherkennung in Fahrzeugen sagen die Analysten eine Steigerung von jetzt 64,3 Millionen US-Dollar auf 208,2 Millionen US-Dollar im Jahr 2014 voraus.

Sprachsteuerung für mobile Geräte
Sprachsteuerung für mobile Geräte
Sprachcomputer zählen auch für die Suchmaschinen zu den wichtigsten Instrumenten, um das mobile Internet bequem bedienen zu können. So bietet Yahoo ab sofort die Handy-Applikation „oneSearch Voice“ für Smartphones und das iPhone in Deutschland an. Das lästige Tippen auf der kleinen Tastatur oder dem Touch-Screen falle weg. Es genüge jetzt, den Suchbegriff per einfach auszusprechen. Die Darstellung der Ergebnisse werden für Handy-Displays optimiert angezeigt: Statt langer Linklisten liefere Yahoo nach Kategorien gegliederte Antworten. Sucht man beispielsweise mit der gesprochenen Eingabe „Bundesliga“ nach aktuellen Fußballergebnissen, erhält man eine Vielzahl von detaillierten Resultaten wie aktuelle Spielstände, Tabellenübersichten, Fotos sowie weiterführende Links. Die Ergebnisse sind nach Angaben von Yahoo übersichtlich in Kategorien aufbereitet. „Das System ist lernfähig: Es passt sich immer besser an die individuelle Sprechweise seines Nutzers an, je häufiger es eingesetzt wird. Während die meisten mobilen Spracherkennungssysteme auf einzelne Kategorien wie lokale Suchen spezialisiert sind, bietet wir den Nutzern die Möglichkeit, offene Suchanfragen zu stellen – mit hoch relevanten Ergebnissen für jede Art von Spracheingabe“, erklärt Michael Stenberg, Partner Director Central & Eastern Europe Yahoo! Mobile. Stenberg. Wer es dennoch lieber klassisch mag, könne nach wie vor auch die herkömmliche Texteingabe nutzen.

tipping pointDurch das Spracherkennungs-Feature will Yahoo seine Position als zentraler Einstiegspunkt ins mobile Internet festigen. Die Applikation kann unter http://de.m.yahoo.com/voice direkt auf unterstützte Handys oder über den iTunes Store auf das iPhone heruntergeladen werden. Die Sprachsteuerung wird von Web 2.0-Pionier Tim O’Reilly http://radar.oreilly.com sogar als „Tipping Point“ gewertet: Der Begriff bezeichnet jenen Moment, in dem etwas Einzigartiges zum Normalzustand wird und einen qualitativen Umschlagspunkt markiert. „Es ist es an der Zeit, Telefone als erstklassige Geräte zu sehen, um auf das Internet zugreifen zu können, und nicht nur als Möglichkeit, Inhalte und Anwendungen umzuwidmen, die ursprünglich dazu gedacht waren, mit einer Tastatur und einem Bildschirm gelesen zu werden“, meint O’Reilly.

Tastenwahlblock auch digital bislang nicht tot zu kriegen
Tastenwahlblock auch digital nicht tot zu kriegen
Auch in der ITK-Branche erwartet man Impulse von der Sprachsteuerung: „Computer werden heute immer noch primär über eine Tastatur bedient, die aus der Schreibmaschine entstanden ist, so als ob jeder Tastendruck einen mechanischen Hebel in Bewegung setzt. Selbst der Zeilenvorschub und Wagenrücklauf alias Carriage return ist uns erhalten geblieben, obwohl damit schon lange kein Papier mehr transportiert wird. Telefone haben zwar die Revolution von der Wählscheibe hin zur – in der Regel – 3×4 Tastatur gemacht, standardisiert nach ITU E.161, das erfolgte aber bereits in den 70er Jahren. Selbst moderne Handys und Smartphones halten sich noch an den Tastenwahlblock, entweder in mechanischer Ausführung oder als Icon-Darstellung auf einem Touchscreen“, weiß Andreas Latzel, Deutschland-Chef des ITK-Spezialisten Aastra, der viel Wert auf die Benutzerfreundlichkeit seiner Systeme legt. Die Technikentwicklung verlaufe zwar rasant, im Kern aber immer noch traditionell. Vorhersehbar sei, dass der Tastaturblock an seine Grenzen stoße – spätestens mit der breiten Einführung der SIP-Telefonie und der SIP-Teilnehmeradressen.

„Anders als bei professionellen Tischgeräten kommt die Ausstattung von Handys mit alphanumerischen Tastaturen zwar auch vor, ist aber in der Regel wegen der beschränkten Abmessungen nicht befriedigend. Da bietet sich der Weg zum Sprachinterface an: der Ansage von Adressen oder Einträgen des Telefonbuchs in normaler Sprachform. Sinnvoll ist das beim Autofahren oder anderen Tätigkeiten, die beide Hände verlangen“, erläutert Latzel. Noch interessanter werde die Sprachsteuerung nach Ansicht von SemanticEdge-Geschäftsführer Lupo Pape, wenn Wissen über die Domäne und Dialogintelligenz hinzukommen. „Dann kann man von Sprachdialogsystemen sprechen. Das ist das, was wir mit dem Personal Assistant umsetzen. Dazu müssen die Wissensgebiete semantisch aufbereitet und Dialogstrategien hinterlegt werden. Die wichtigsten Use-Cases gilt es zu modellieren“, resümiert Pape.

Die elektronische Flut: Wie mit Künstlicher Intelligenz der Informationsstress bewältigt werden soll

Die E-Mail-Überflutung droht nach Ansicht von Matthias Spaetgens, Kreativ-Geschäftsführer bei Scholz & Friends, zur Arterienverkalkung moderner Organisationen zu werden: „Wir leben von den Ideen unserer Leute. Doch die Mailflut unterbricht permanent kreative Prozesse und zerstört die Kommunikationskultur“, beklagt sich der Werbefachmann nach einem Bericht der Welt am Sonntag (WamS). Ein breiter und schnell fließender Strom schwappe über Berufstätige, die ihre Arbeit an einem internetfähigen Computer versehen. „Ein Teil kommt von außen – es sind digitale Wurfsendungen, in denen für Potenzmittel, Reisen oder Glücksspiele geworben wird. Selbst wenn nur ein Prozent der Botschaften solche ‚Spammails’ sind, will der Softwarehersteller McAfee errechnet haben, entstehen einem Unternehmen mit 1000 Mitarbeitern dadurch jährlich rund 40.000 Euro Kosten“, so die WamS.

Dazu komme der tägliche kommunikative Overkill, für den es noch keine Filter gibt. Eilige Terminsachen, Sitzungsprotokolle, Rückfragen, zotige Powerpointwitze. „Der Strom versiegt nie und fordert ständige Aufmerksamkeit. Wer ihn staut, steht nach dem Urlaub vor einem ganzen See, und es fließt ständig nach“, schreibt der WamS-Redakteur Steffen Fründt. Mailserver würden auch keine Vorzimmer mehr kennen. „Früher wurde die Post von den Sekretariaten für Führungskräfte vorsortiert und nur das Wichtigste kam in die Tagesmappe. Heute beschäftigen sich die meisten Chefs höchst persönlich mit ihrem elektronischen Posteingang“, sagte Lars Thomsen vom Münchner Trendbüro „Future Matters“ beim Mehrwertforum der Deutschen Telekom in Berlin.

Informationsflut bewältigen mit Künstlicher IntelligenzDie permanente Informationsüberflutung führe zu Gefühlen von Überlastung und Fremdbestimmung. In immer mehr Jobs liege die zentrale Kompetenz in einem professionellen Medienmanagement. So wendet die Firma ItyX, Systemintegrator und Spezialist für Kundeninteraktionen, Methoden der Künstlichen Intelligenz an für die automatisierte E-Mail-Verarbeitung. Das Spezialgebiet von ItyX-Vorstand Andreas Klug ist die Computerlinguistische Forschung zur Optimierung von digitalen Geschäftsvorfällen.

„Unser System ‚Mediatrix’ kann beispielsweise im Kundenservice eingehende E-Mails analysieren und intelligent an verfügbare Servicemitarbeiter verteilen. Es senkt die Bearbeitungszeiten um 25 bis 55 Prozent“, sagte Klug bei seinem Mehrwertforum-Vortrag „Digitale Innovation trifft Künstliche Intelligenz. Es handele sich um ein lernfähiges System auf Basis dynamischer Lernmengen. „Durch den Einsatz von Mediatrix steuert das Bosch Communications Center (BCC) mandantenspezifische E-Mail-Prozesse und baut gleichzeitig essentielles Wissen auf“, ergänzte BCC-Manager Gerd Hauer, verantwortlich für den Standort Berlin. Die E-Mail-Anfragen werden automatisch kategorisiert und Expertenteams zugeordnet. Die Mitarbeiter erhalten Antwortvorschläge. Es gibt Übersichten der Kundenhistorie, Nachverfolgungs- und Eskalationsfunktionen sowie eine integrierte Wissensdatenbank.

Auf dem Mehrwertforum wurde zudem ein System vorgestellt, um die Ressourcenauslastung im Kundenservice und die Qualität der Servicebearbeitung zu verbessern. Um für die automatische Anrufverteilung ein flexibles Echtzeit-Monitoring zu realisieren, hat das Dortmunder Softwareunternehmen VoicInt Telecommunications sein „Web Enterprise Monitoring“ an die Call- Center-Plattform der Deutschen Telekom angebunden. „So stehen Kunden umfassende Informationen, Statistiken und Kennzahlen parallel zu den laufenden Prozessen bereit. Über einen beliebigen Webbrowser und sogar über Mobilfunkgeräte wie das iPhone können die Verantwortlichen beispielsweise Informationen zur Anzahl der Anrufe und Gespräche, zur Erreichbarkeit, zu Gesprächsdauer oder Service Level abrufen“, erläuterte Peter Nowack, Geschäftsführer von VoicInt.

Dialogmanager In der Optimierung der Mensch-Maschine-Schnittstelle sieht Sprachdialogexperte Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge, den Schlüssel zur Bewältigung der Informationsflut. Intelligente Systeme sollten in der Lage sein, Vorschläge zu unterbreiten, die auf dem Verständnis und Kontext der Situation beruhen. „Die Absichten, Hintergründe und der ‚Leidensdruck‘ des Kommunikationspartners müssen antizipiert werden“, sagt Pape. Er favorisiert den virtuellen Dialog Manager: „Er ist das Gehirn des Systems: Stratege, Controller, Informationsassistent, Vertriebsmitarbeiter: Der Dialog-Manager agiert als zentrale Stelle im System, interpretiert jede Anfrage und leitet diese zur Verarbeitung an die übrigen Module weiter. Er entscheidet, ob und wie eine Frage gestellt wird und wie eingehende Fragen beantwortet werden“, erläutert Pape die Vorzüge einer intelligenten Automatisierungsstrategie.

Boom des mobilen Internets nicht aufzuhalten – Innovationsbedarf bei der Interaktion von Nutzer und Technik

80 Prozent der Internetnutzer in Japan gehen mobil ins Web
80 Prozent der Internetnutzer in Japan gehen mobil ins Web
Nach Ansicht von HTC-Chef Peter Chou http://www.htc.com ist es erst durch den Computerhersteller Apple gelungen, das Mobiltelefon zum Internet-Terminal zu machen. „Der Grund ist, glaube ich, ein tief greifendes Missverständnis bei den Telefonherstellern. Wir Ingenieure haben uns viel zu sehr auf technische Details oder ellenlange Funktionslisten konzentriert – aber die Masse der Benutzer hat das wenig geschert. Apple hat es als Erster mit einem ganz neuen, ganz anderen Geräte- und Bedienkonzept versucht. Und Erfolg gehabt“, so Chou im Interview mit der Wirtschaftswoche.

Den größten Innovationsbedarf fürs Handy der Zukunft sieht er in der Interaktion zwischen Nutzer und Technik. „Eine wirklich intelligente Sprachsteuerung wäre ein Ansatz. Aber das erfordert enorm viel Rechenleistung, und die braucht viel Strom. Die nötigen Akkus machen die Geräte groß und schwer. Das ist eine der ganz großen Herausforderungen, nicht nur für die Handyproduzenten, sondern die gesamte IT-Branche“, so Chou gegenüber der Wirtschaftswoche.
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Nach Ansicht von Björn Behrendt, Geschäftsführer der Wissenscommunity Hiogi gibt es mittelfristig nur zwei Steigerungsmöglichkeiten zum genialen iPhone-Design und den strikten Softwaredesignvorgaben von Apple, die geprägt sind durch die zwei Knöpfe und den großen Touchscreen mit Fingertipp-Bedienung: „Spracherkennung und Befehle über Gedanken. Da viele Gerätehersteller noch meilenweit entfernt sind von der iPhone-Usability empfiehlt sich auch für HTC: lieber schnell kopieren als in Ehre zu sterben“, so Behrendt.

Klar sei auf jeden Fall, dass der Boom des mobilen Internets nicht aufzuhalten ist. „Trendsetter sind die Asiaten. So hatten im vergangenen Jahr schon 90 Prozent der Südkoreaner einen mobilen 3G-Zugang und 63 Prozent führen mobile Zahlungen durch. Vier Fünftel der Japaner gehen mobil ins Web und schon jeder Zehnte macht das ausschließlich mobil“, sagte Behrendt bei seinem Vortrag auf dem Mehrwertforum der Deutschen Telekom in Berlin. Hier der Vortrag von Behrendt.

Neue Technik werde in der Startphase häufig überschätzt. „Jahre später dann, wenn sie vor ihrem Durchbruch steht, wird ihr Einfluss unterschätzt. Hype-Zyklen nennen Experten dieses Phänomen. Einen solchen Zyklus hat auch das mobile Internet durchlaufen. Während der Versteigerung der UMTS-Lizenzen überboten sich Visionäre mit Prognosen, das Handy werde schon bald zu einer Art digitalem Butler mutieren. Alle machten Jagd auf die Killer-Applikation, die ultimative, weil geldbringende Anwendung. Doch Mobiltelefone blieben graue Kästen, mit denen Kunden allenfalls Kurznachrichten verschickten. Für das mobile Surfen interessierte sich kaum jemand“, schreibt die Wirtschaftswoche.

Nun sei der Knoten geplatzt. Um 16 Prozent werde der Umsatz mit mobilen Datendiensten in diesem Jahr weltweit zulegen, auf 124 Milliarden Euro. Das erwartet der Branchenverband Bitkom. Laut einer Umfrage des Bundesverbands Digitale Wirtschaft nutzt bereits jeder Dritte das mobile Internet. Parallel dazu leitete die Telekom-Tochter T-Mobile im vergangenen Jahr dreimal mehr Daten durch ihre europäischen Netze als 2007. Das mobile Internet sei ein neues Massenmedium, das laut Google-Chef Eric Schmidt ein größeres Geschäft werde, als das PC-Internet es je war.

„Das mobile Internet ist erst in Ansätzen erkennbar. Da ist vor allen Dingen in Europa noch sehr viel Marktpotenzial vorhanden. So kann niemand vorhersagen, was passiert, wenn beispielsweise ortbasierte Services auf auf Web 2.0-Communities treffen. Natürlich hat das eine enorme Sprengkraft wenn Giganten wie Apple, Google, Microsoft und Nokia aufeinander treffen und gleichzeitig noch Heerscharen von Applikationsentwicklern auf deren freigegebenen Plattformen innovative Dienste für den mobilen Nutzer entwickeln und täglich neue Dienste auf den Downloadcharts vom Apple-Store oder demnächst auch OVI stehen“, erläutert Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge in Berlin.

Die Innovationsgeschwindigkeit verlaufe zur Zeit ungehemmt, keiner weiß, wo das hinführen wird und wie sich unser Leben und wie sich insbesondere auch die Wertschöpfungsketten in der Wirtschaft verändern werden. „Interessant ist, dass trotz der ganzen Vielfalt der Software, Hardware und Anwendungen, die sich dahinter verbergenden Nutzungsszenarien der Endverbraucher meist sehr einfach bleiben: ‚Wo ist der nächste Fahrradladen?’; ‚Welche Freunde sind gerade in der Nähe?’; ‚Wie gut ist der Inder dort an der Ecke?’; ‚Gibt es die Kamera noch irgendwo billiger?’“, so der Sprachdialogexperte Pape. Das seien Nutzungsszenarien, die nach einer Spracherkennung und einem Sprachdialog geradezu schreien. „Wenn es gelingt, den Sprachdialog in die mobilen Anwendungen einzubinden, dann wird die ganze Entwicklung noch einmal eine neue Dimension bekommen. Spracherkennung und Sprachdialog werden auch der Schlüssel dafür sein, Bevölkerungsgruppen an der Entwicklung teilhaben zu lassen, die von der neuen Technologie bisher ausgeschlossen sind“, resümiert Pape. Das müssten die großen Anbieter in ihren Strategien für das mobile Internet berücksichtigen.