Tipps für den digitalen Unternehmer-Journalismus #freientagnrw

Der Freien-Treff 2014 des DJV-NRW im Journalistenzentrum Haus Busch
Die Abschluss-Session

Verlagshäuser in NRW betreiben eine Politik des Kahlschlags bei Stellen für Redakteurinnen und Redakteuren. Entsprechend wächst der Druck für viele „freigesetzte“ Journalisten, sich neu zu orientieren.

Besonders, wenn der Weg in die Selbständigkeit führt. Unternehmer-Journalismus ist eine mögliche Antwort. Wie das im Netz funktioniert, war heute Schwerpunkt bei der Veranstaltung freientag.digital des DJV-NRW. In drei Runden wurden sechs Workshops angeboten. Für die Teilnehmer bot sich dadurch die Gelegenheit, die Hälfte aller Sessions wahrzunehmen. Was für uns gut war, dürfte für die Referenten eine anstrengende Aufgabe gewesen sein. Entsprechend waren wohl auch die Stimmbänder der Vortragenden strapaziert. Großes Lob von meiner Seite für dieses Engagement.

Folgende drei Workshops habe ich besucht:

DJV NRW
Der Ruhrnalist

Kai Rüsberg aka @ruhrnalist mit seinem Spezialgebiet „Mobile Reporting – Mit dem Smartphone auf Sendung“ – also seine Philosophie über OneShotVideo-Journalismus.

DJV NRW
Journalist ist kein Filter mehr

Um die eigenen SEO-Kenntnisse aufzufrischen lohnte sich die Präsentation von Wirtschaftsjournalistin Bettina Blaß aka @kuechenzuruf „So werde ich im Netz gefunden“ – schön kompakt zusammen gefasst mit dem Schwerpunkt zum Hummingbird Update von Google und der Relevanz von Social Signals: „Journalisten sind nicht der Filter, sondern die Internetnutzer“.

Schwere Kost für die früheren Gatekeeper. Hier geht es übrigens zu der von Bettina empfohlenen Keyword-Datenbank.

Im letzten Slot hörte ich Frank Sonnenberg „Von der Idee zur Geschichte – Storytelling in 90 Minuten“. Praxisnah und orientiert an den Bordmitteln von freien Journalisten. Sonst stehen bei solchen Storytelling-Sessions häufig irgendwelche Hollywood-Produktionen und Heldengeschichten im Vordergrund, die man ohne große Budgets gar nicht realisieren kann und somit für Einzelkämpfer eher abschreckend wirken.

Die räumlichen Voraussetzungen im Haus Busch sind für solche Fortbildung ideal – nur schnelleres Internet sollte demnächst auf den Investitionsplan kommen 🙂

Zum Schluss noch die Wahrheit über Online vs. Print: Der Untergang des Abendlandes

Die Generation „V“ und Tipps für die Youtube-Suchmaschinenoptimierung @schleeh

Lasst uns das Werk teilen
Lasst uns das Werk teilen

In einem höchst lesenswerten Sammelband mit dem Schwerpunkt „SEO & Social Media im Einsatz“, mit der sympathischen Aufforderung des Hanser Verlages „Teilen ausdrücklich erwünscht“, hat sich auch mein Bloggercamp.tv-Kollege Hannes Schleeh verewigt.

Ab Seite 54 geht es natürlich um Youtube und Hangout on Air – so gehört es sich auch 🙂

Einen Trend wird man wohl nicht mehr bestreiten können:

„Videos auf YouTube zu schauen, ist bei meinen Kin- dern die zweithäufigste Beschäftigung im Internet. Da bekommt der Name Generation ‚Y‘ eine völlig neue Bedeutung. Noch haben die heutigen Teenager keinen Namen für Ihre Generation. Sie könnten aber eines Tages Generation ‚V‘ für Video oder Generation ‚M‘ für Mobil genannt werden“, schreibt Hannes.

Und das gilt nicht nur für junge Menschen, sondern auch für alte Knacker wie mich. Im Netz dominiert zwar noch die Verschriftung, wie es Wired-Autor Clive Thompson im Interview mit dem Internet Magazin skizziert.

„Wir schreiben so viel wie noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit.“

Pro Tag werden im Netz rund 3,5 Billiarden Worte verbreitet. Tendenz steigend. Parallel sehen wir aber auch einen Anstieg von Videos und Fotos. Thompson sieht bei den Youtube-Videos einen klaren Unterschied zum klassischen Fernsehen:

„TV ist etwas, das für den Hintergrund entworfen wurde. Niemand schenkt dem Fernsehen die volle Aufmerksamkeit – außer das läuft gerade eine richtige Katastrophe. Bei Online-Videos entscheiden sich die Leute sehr bewusst dafür, hinzuschauen. Video, je nachdem, wie man es nutzt, ist also sehr mächtig.“

Entsprechend wichtig wird die Frage des Suchens und Findens von visuellen Inhalten. Und da kommt dann auch wieder die Verschriftung zum Zuge:

„Der erste Ansatz, um seine Videos im Netz auffindbar zu machen, ist der Titel. Ein guter Titel sollte zum einen Appetit auf das Anschauen des Videos machen und auf der anderen Seite möglichst exakt den Inhalt beschreiben. Die- sen Text kann die Suchmaschine lesen. Und genau wie man als Mensch vom Titel eines Buches auf den Inhalt schließt, wirken die beschreibenden Worte eines Video-Titels bei der Suchmaschine. Suchmaschinen-Experte Jens Altmann empfiehlt die wichtigsten Worte an den Anfang des Titels zu stellen, denn YouTube gewichtet die ersten Worte des Titels höher. Das Fokus-Thema muss also immer zuerst genannt werden“, so Hannes in seinem Buchbeitrag.

Unterhalb des Titels findet man die Beschreibung zum Video. Bei einem Hangout on Air wird der Titel von YouTube noch einmal in die Beschreibung eingetragen. Hier hat man die Möglichkeit, weitere Details zum Inhalt des Videos einzufügen. In die Beschreibung dürfen auch Hyperlinks auf andere Internetseiten eingepflegt werden. Immer sinnvoll, wenn man beispielsweise in dem eigenen Blog auf das Video eingeht.

„Wer es seinen Zuschauern und der Suchmaschine noch bequemer machen will, der fügt auch noch ‚Shownotes‘, also Informationen zu den Inhalten mit Sprungmarken ein. Sprungmarken generiert YouTube selbstständig als Links. Sie geben den anzuspringenden Zeitpunkt im Video nach dem Muster ‚hh:mm:ss‘ in der Beschreibung an. Daraus wird dann beim Abspeichern automatisch ein Link, mit dem Ihre Zuschauer direkt zu der angegebenen Stelle im Video springen können. Damit lässt sich ein etwas längeres Video für das Publikum kundenfreundlich in passende Segmente aufteilen“, weiß Hannes.

An das Ende sollte man am Besten eine kurze prägnante Beschreibung mit den richtigen Keywords oder Schlüsselwörtern setzen, unter welchen das Video auch in den Suchmaschinen gefunden werden soll.

„Direkt unter der Beschreibung befinden sich die Tags, zu Deutsch die Etiketten. Hier schlägt Ihnen YouTube schon zum Titel und zur Beschreibung passende Tags vor. Mit Tags kann die Suchmaschine den Inhalt Ihres Videos noch besser einordnen. Nicht übersehen sollten Sie die richtige Einordnung ihres Werkes in die von YouTube vorgegebenen Rubriken. Ein medizinischer Tipp, der unter Automobil eingepflegt ist, wird nicht so leicht gefunden werden. Besser man wählt dafür Gesundheit, Wissenschaft oder allenfalls noch Tipps und Tricks als passende Kategorie aus“, schreibt Hannes und verweist auf einen „Geheimtipp“:

Untertitel oder Transskripte!

„YouTube versucht schon während der Verarbeitung Ihres Films auf der Plattform den gesprochenen Inhalt in lesbaren Text umzuwandeln. Bei wenig Nebengeräuschen und einem sehr deutlich Hochdeutsch sprechenden Menschen gelingt das schon sehr gut. Bei einem Bayer mit fränkischem Akzent und häufigen ‚Ähms‘ sieht das Ergebnis nicht ganz so vorzeigbar aus. Aber Sie haben die Möglichkeit, das nachzubessern. Der Suchmaschinen-Experte empfiehlt schon beim Erstellen des Videos drauf zu achten, dass die Schlüsselwörter, unter welchen das Video später gefunden werden sollen, im gesprochenen Beitrag auch erwähnt werden. Damit kommen sie auch in das automatisch erstellte Transskript und dies dient dem Suchalgorithmus als Hinweis auf den Inhalt.“

Die Speech-to-Text-Funktion von Youtube ist allerdings noch ausbaufähig und kommt noch nicht einmal in Ansätzen an die Spracherkennungsrate von professioneller Diktiersoftware heran. Mit Nuance habe ich über dieses Problem gesprochen. Es wird wohl noch einige Zeit daher, bis ein entsprechender Transkriptionsdienst die nötige kontextuelle Verarbeitung von Sprache leistet mit einer Erkennungsrate, die weit über 60 Prozent liegt. Sollte Nuance da was auf den Markt bringen, würde die Software wohl durch die Decke gehen.

Aber das sei nur nebenbei bemerkt. Insgesamt bietet der Sammelband von Hanser ein breites Themenspektrum für die tägliche Arbeit im Social Web. Sehr löblich, dieses eBook kostenlos zu publizieren.

Siehe auch:

YouTube: frisches Design mit Fokussierung auf neues Menü rollt aus.

Vine und Chaos im #hangoutonair bei Bloggercamp.tv – mal schauen, ob sich dieser Videodienst in Deutschland durchsetzt.

Aufruf zur Seo Blogparade: Was hat sich für dich geändert?

Forum in Düsseldorf: Von Datenausspuck-Maschinen und sinnvollen Webtools fürs Marketing

Christian Halemba von der Unternehmensberatung Mind Business ist ein Datenmensch und von der Frage getrieben, wie man aus Daten sinnvolles Wissen generieren kann. Das Internet erweist sich dabei als höchst ergiebige Quelle für die Marktforschung, so Halemba in seinem Vortrag beim Marketing Solution-Forum in Düsseldorf. Die Kommunikation im Netz habe weitreichende Konsequenzen für Unternehmen, wenn es um Produkte und Dienstleistungen geht. Auch der Einkauf im stationären Einzelhandel werde durch die Vorabinformationen im Internet stark beeinflusst. „Exemplarisch kann man das in der Branche für Telekommunikation erkennen. So beziehen 90 Prozent der Konsumenten, wenn sie ein Handy brauchen oder einen Mobilfunkvertrag, ihre Informationen aus dem Internet“, sagte Halemba.

Vor 30 oder 40 Jahren zog man Quellen heran wie die ZDF-Sendung WiSo, Stiftung Warentest oder redaktionelle Beiträge. „Die standen in den Umfragen der Marktforschung immer ganz oben und wurden als glaubwürdig eingestuft. An zweiter Stelle stand das soziale Umfeld. Freunde, Bekannte, Familie, Arbeitskollegen oder Experten. Danach kamen die Händler, von denen man immer noch annahm, dass sie ein relativ neutrales Statement zu Produkten und Dienstleistungen abgeben. Weit zurück lag die klassische Werbung. Das war Jahrzehnte lang so. In den vergangenen Jahren hat sich das Bild völlig verändert. Direkt an die Spitze hat sich das Internet gesetzt und erreicht die gleiche Größenordnung, für die die anderen Quellen Jahrzehnte benötigt haben. Das Netz ist bei der Informationsbeschaffung und beim Vertrauensvorsprung auf dem gleichen Level wie Freunde, Bekannte, Testzeitschriften und redaktionelle Beiträge. Eine besondere Rolle spielen dabei Foren. Was dort steht, wird als authentisch wahrgenommen und spielt eine erhebliche Rolle bei der Entscheidungsfindung“, erklärte der Mind Business-Berater.

Das sei erstaunlich vor dem Hintergrund der 90-9-1-Regel. Was man im Internet über Monitoring-Tools analysieren könne, ist nicht repräsentativ. „Mit rund einem Prozent gibt es ganz wenige, die regelmäßig etwas schreiben. Teilweise sogar mehrere tausend Beiträge pro Jahr. Dann gibt es eine zweite Gruppe mit 9 Prozent, die gelegentlich im Internet publizieren. Die allermeisten schreiben nie etwas. 90 Prozent der Internetnutzer schreiben nie etwas, aber sie lesen und glauben das, was sie lesen“, so Halemba.

Social Media-Monitoring leiste das Zuhören, Draufschauen und Interpretieren – das kennt man von der klassischen Marktforschung. „Bislang wird noch sehr wenig für Web-Analysetools ausgegeben. An die traditionellen Anbieter werden jährlich Aufträge in der Größenordnung von zwei Milliarden Euro vergeben. Social Media-Monitoring kommt bislang nur auf rund 50 Millionen Euro. Diese Daten werden von Marktforschern kaum genutzt. Eher von PR-, Personal- oder Rechtsabteilungen. So kann man beispielsweise Markenrechtsverletzungen sehr einfach über das Internet recherchieren“, weiß Halemba.

Am Anfang sollten Unternehmen überlegen, welche Quellen in die Web-Analyse einbezogen werden: Redaktionelle Beiträge, Foren, Communitys, Online-Shops, Twitter, Facebook oder Bewertungsportale. Bei der Nullmessung sei es ratsam, möglichst umfassend vorzugehen, um ein Gefühl für die Zahlengerüste zu bekommen. „Was ist für meine Produkte und Services relevant? In späteren Phasen können sich Unternehmen auf Kanäle konzentrieren, die sich als ergiebige Plattformen bewährt haben. Ich spreche auch von der Buzz-Herkunft“, erläutert der Marketingexperte. Zudem müssten Entscheider genau überlegen, was man wissen will und was man aus internen Daten schon weiß. „Bei der Auswahl der Anbieter von Monitoring-Tools ist große Sorgfalt geboten. Es reicht nicht aus, rein quantitative Auswertungen vorzunehmen. Mit einer reinen Datenausspuck-Maschine reduziert sich das Ganze auf eine Zählerei von Fliegenbeinen. Es gibt noch kein Instrumentarium für die vernünftige Messung von Netzwerkeffekten, Reichweite, Einfluss, Relevanz und Masse. Es ist noch eine junge Disziplin“, so Halemba.

Die komplette Story erscheint morgen auf NeueNachricht. Hier schon mal mein Youtube-Interview mit Halemba:

Der komplette Vortrag als Audio-Aufzeichnung:

Und hier die weiteren Interviews mit den Ausstellern des Marketing Solution-Forums in Düsseldorf:

Siehe auch: