Technik-Experimente auf dem #StreamCamp13 in Köln @ruhrnalist

TV-Studio

Der Fernsehjournalist Kai Rüsberg – besser bekannt als @ruhrnalist – hat im Bloggercamp.tv-Interview demonstriert, wie man mit einfachen Mitteln Nachrichtenfilme aufnehmen kann. Er nennt das OneShotVideos, die mit dem Smartphone aufgenommen werden.

Der Einsatz einer Pausentaste, den man noch von Musikaufnahmen mit dem Kassettenrekorder kennt, ermöglicht kleine Ortswechsel und zeitraffende Einstellungen. Auf iOS-Geräten funktioniert das beispielsweise mit der App MoviePro.

Für den mobilen Einsatz also eine perfekte Lösung. Das funktioniert auch bei der Liveübertragung einer einzelnen Veranstaltung via Hangout on Air. Man braucht sich nur den Hangout-Link per Mail selbst zuschicken und öffnet die Session über verschiedene Geräte. Ich habe das heute mit einem alten iPhone und dem iPad 4 ausprobiert – es klappte problemlos. Die Bildqualität beim leistungsstärkeren iPad war natürlich um Längen besser.

Auf dem StreamCamp im Kölner Startplatz werden wir am 16. und 17. November noch viel mehr ausprobieren. Also eine gute Gelegenheit, um sich mit Session-Ideen auszutoben, Formatideen zu entwickeln, Geräte vorzustellen und im Dialog mit den Barcampern Erfahrungen auszutauschen. Es gibt noch Tickets.

Hersteller wie Logitech oder auch Händler sind ebenfalls herzlich willkommen, in Köln Geräte und Dienste vorzustellen.

Thomann hat leider abgesagt. Sie seien auf Musik fokussiert und das StreamCamp ist da eher uninteressant. Dabei geht es natürlich auch um Musik, um Gaming, um Mikrofone, um Live-Podcasting und, und, und. Schön blöd.

Fürs Podcasting haben die doch schöne Komplettangebote. Auch Livestreaming schreit nach solchen Paketlösungen. Vielleicht sind andere Fachhändler schlauer. Das StreamCamp ist die perfekte Bühne, um Geräte, Software und Dienste vorzustellen sowie testen zu lassen.

BoinxTV wird mit zwei Vertretern nach Köln kommen und die Software demonstrieren.

Heute Abend sind Hannes Schleeh und ich übrigens live beim Webmontag in Köln zugeschaltet, um das StreamCamp-Konzept zu erläutern.

Wie relevant mittlerweile Videos sind, demonstrieren die Zahlen, die Wiwo-Redakteur Michael Kroker veröffentlicht hat.

So habe YouTube in den USA bei den 18- bis 34-Jährigen bereits das Fernsehen abgelöst – die Google-Tochter erreicht in jener Gruppe mehr Nutzer als jeder Kabelnetzbetreiber.

OneShotVideos und die Online-First-Strategie der Sendeanstalten – TV-Nachrichten in Twitter-Länge @ruhrnalist #StreamCamp13

Video-Journalismus

Nach seinem Auftritt in der Session „Mobile Reporting“ beim Mainzer DJV-Kongress „Besser Online“, skizzierte der freie WDR-TV-Journalist Kai Rüsberg aka @ruhrnalist seine Philosophie über mobilen Journalismus in Bloggercamp.tv. Es geht um so genannte OneShotVideos, eine Technik, die der Video-Enthusiast auch für professionelle Einsätze etablieren möchte.

Es handelt sich um kurze journalistische Videos, die mit einfacher, extrem mobiler Technik und minimalem Nachbearbeitungsaufwand produziert werden. Die Ziellänge liegt auf dem Niveau von Twitter-Nachrichten, also maximal 2:20 Minuten oder kürzer.

„Alle Bildideen und Interviewteile werden möglichst in einer einzigen Einstellung einer sich am Drehort bewegenden Kamera aufgenommen. Das erfordert sowohl einige Überlegung vor dem Dreh zum Setting, zur Wahl der abbildbaren Motive als auch der möglichen Bewegungspfade und der dort sinnvollen Moderationen und Fragen sowie eines sinnvollen Filmausstiegs“, sagt Kai Rüsberg.

Die Filme bekommen dann quasi einen Live-Charakter.

„Es ist meine Form einer Filmsprache für aktuelle, journalistische Internetproduktionen: Die Drehzeit entspricht mehr oder weniger der Produktionszeit. Als Nachbearbeitung gibt es nur noch das Abschneiden vorne und hinten und das Hochladen ins Netz. Letztes ist bei Videos in HD-Qualität bei rund 100 Mbit pro Minute für den mobilen Einsatz schon eine echte Hürde und funktioniert eigentlich nur mit WLAN oder einem LTE-Mobilfunknetz“, erläutert der Fernsehjournalist.

Wie der Videodreh funktioniert, demonstrierte Kai Rüsberg am Beispiel einer Testfahrt mit dem Elektroauto Opel Ampera. Die Smartphone-Aufnahme fängt vor dem Auto an und läuft beim Einsteigen weiter (siehe auch den Einspieler in der Bloggercamp.tv-Sendung).

Er zieht hinter sich die Tür zu, der Wagen startet und das Interview geht während der Fahrt weiter.

„Das ist mit einer großen Kamera überhaupt nicht zu machen.“

Selbst ein externes Ton-Equipment ist verzichtbar.

„Ich halte meine Hand so um das Smartphone, dass der Ton nach vorne etwas abgeschirmt wird. Wenn ich da noch mit Mikrofonen arbeiten müsste, geht das nur mit funkgesteuerten Geräten. Dann wird das allerdings wieder schwieriger und aufwändiger mit Empfänger, Sender und Kopfhörer“, betont Rüsberg.

Er ist ein Fan von puristischer Technik. Man sollte bei den Aufnahmen auf die Hintergrundgeräusche achten, aber in den aller meisten Fällen funktioniert das ganz gut. Der Einsatz einer Pausentaste, den man noch von Musikaufnahmen mit dem Kassettenrekorder kennt, ermöglicht kleine Ortswechsel und zeitraffende Einstellungen.

Die Videoaufnahme bekommt dann noch mehr Dynamik, ohne mehrere Takes zu produzieren. Kai Rüsberg nennt das #WEBportage:

„Es soll eben mobil und schnell funktionieren. Auf dem Handy zu schneiden, ist sehr fummelig und kostet zu viel Zeit.“

Im Normalfall befindet man sich bei den kurzen Nachrichtenfilmen in Situationen, wo man spontan agieren möchte. Auf die Aktivierung einer Videoschnitt-Software sollte man daher verzichten.

Bewegung gibt es auch beim Livestreaming – ohne Ü-Wagen und schwerfällige Kameratechnik:

„Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten wollen das alle unbedingt starten. Da wird an allen Ecken überlegt, wie man Berichte realisiert, die nicht erst drei oder vier Stunden nach einem Ereignis in die Redaktion reinkommen und in den Abendstunden auf Sendung gehen. Für die Online-Präsenzen ist das viel zu spät. So ist der WDR gerade dabei, eine Online-First-Strategie einzuführen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man mit Methoden startet, die in Richtung von OneShotVideos gehen“, prognostiziert Rüsberg.

Auf der reinen Online-Seite erwartet er eine große Bewegung in Richtung Livestreaming. Beim Kölner StreamCamp am 16. und 17. November werden wir das unter Beweis stellen.

Siehe auch:

EXPERIMENTIERFREUDE IM DIGITALEN JOURNALISMUS – Durchwursteln und spielen.

Journalismus 2013: Nicht ohne mein Smartphone!