Mit Scheinkorrelationen das politische System diskreditieren – Die merkwürdigen Ausflüge des Herrn Krall

Es ist immer wieder erstaunlich, wie selbst ernannte Finanzexperten, die in Unternehmensberatungen arbeiten, irgendwann ihre Berufung für politische Fragen entdecken und sich fortan an der Rettung von Nation, Abendland und Wohlstand abarbeiten. Zu ihnen zählt der Euro-Crash-Prophet Markus Krall, der mit hochrotem Kopf und krawalligen Reden für Volk und Vaterland in die Bütt geht.

Dabei geht es dann nicht nur um den üblichen geldpolitischen Alarmismus gegen Brüssel und die Europäische Zentralbank, nein, Krall knöpft sich das gesamte politische System in Deutschland vor und beleuchtet die Gemengelage mit einem eigentümlichen Sozialdarwinismus.

In einer Rede im Hayek-Club in Frankfurt machte sich Krall Gedanken über das Einkommen von Bundestagsabgeordneten und politische Karrieren: „Das Einkommen von Bundestagsabgeordneten ist fix und beträgt etwa das Zweieinhalb bis Dreifache des Durchschnittseinkommens des Deutschen. Und das bedeutet, dass jeder, der weniger verdient als diese Diäten, die eigentlich eine Entschädigung für einen Einkommensausfall ja sein sollten, dass jeder der weniger verdient, einen Anreiz hat, da rein zu gehen und jeder, der mehr verdient, hat keinen Anreiz da reinzugehen“, so Krall. Es gebe löbliche Ausnahmen. So kandidiere ja ein Millionär für den CDU-Parteivorsitz, wie es die Bild-Zeitung so schön breitgetreten habe, betonte Krall bei seinem Auftritt.

Intellektuelle Elite geht angeblich nicht in die Politik

„Statt stolz darauf zu sein, dass er im Leben was erreicht hat, muss er herumdrucksen und den Leuten erklären, dass er eigentlich irgendwie gar nichts dafür kann. Völlig falscher Ansatz aus meiner Sicht. Das Problem ist nämlich, dass wir viel zu wenige haben, die mehr als das Durchschnittseinkommen verdienen und trotzdem in die Politik gehen. Das Ergebnis ist auch, dass die vielen, die weniger verdienen, die wenigen die mehr verdienen, aus den Entscheidungsprozessen der Politik heraus drängen und heraushalten. Das sehen wir gerade live und in Farbe…das Problem, dass diese Einkommensstruktur schafft und die Selektion derer, die in die Politik reingehen, ergibt sich aus der Korrelation zwischen Einkommen und Intelligenz. Es ist nun mal so, dass Menschen mit hoher Intelligenz, mehr Geld verdienen, weil sie diese Intelligenz zur Erzielung von Einkommen einsetzen. Das ist so. Und ich habe es auch nicht erfunden. Ich kann auch nichts dafür. Und es ist auch politisch nicht korrekt. Aber das bedeutet, dass wenn ich Menschen aus einer Einkommensschicht quasi oberhalb eines gewissen trash hole threshold aus dem politischen Entscheidungsprozess ökonomisch heraus halte oder einen Selektionsprozess einführe, der das bewirkt, dass ich dann nicht die hellsten Lampen in der Birne in die Politik bekomme. Die intellektuelle Elite dieses Landes geht nicht in die Politik“, behauptet Krall.

Kombiniert mit dem Listensystem und der adversen Selektion von Einkommen und Intelligenz „bedeutet das, dass unsere Parteipolitik rückgratlose Minderbemittelte an die Spitze bringt“, sagt Krall. Die Hayekianer amüsiert das hörbar.

Ist Krall die hellste Lampe?

Vielleicht ist aber auch der goetzpartners-Managing Director Krall nicht die hellste Lampe, wenn er Korrelationen von Kausalitäten nicht unterscheiden kann.

Menschen mit hoher Intelligenz verdienen mehr Geld? Eine Umfrage des Potsdamer Soziologen Wolfgang Lauterbach und zweier DIW-Forscher unter 130 Millionärshaushalten ergab, dass 40 Prozent eine Unternehmertätigkeit als Hauptgrund ihres Vermögens nennen, 35 Prozent nannten Erbschaften oder Schenkungen. Eine qualitativ angelegte Dissertation, die der Soziologe Lauterbach betreute, differenziert das weiter:

Die Mehrheit der untersuchten Biografien – mehr als 60 Prozent – kommt aus Familien, in denen schon der Vater als Unternehmer oder Selbständiger arbeitete. In der deutschen Bevölkerung insgesamt sind nur sechs Prozent Unternehmer und Selbständige. Der Vater des einen Superreichen hatte eine Metzgerei, der andere ein Stahlwerk, der dritte ein Gartenbedarfsunternehmen, mehrere waren Landwirte. Schon in der Jugend lernten die Söhne (unter den Befragten ist eine einzige Frau) unternehmerisches Denken. Nur eine Minderheit stammt aus Angestellten- oder Arbeiterfamilien – man könnte auch sagen, Herkunft gleich Zukunft.

Viele dieser Selfmade-Millionäre sind eher hemdsärmelig, ihre Sprache ist wenig geschliffen, wie die Interviews in der Studie zeigen. Viele Sätze der Superreichen sind eher abgehacktes Gestammel.

Ihre schulischen oder universitären Erfolge waren eher mittelmäßig. Einige haben nicht mal Abitur. Wichtiger als das, was an der Uni gelernt wurde, sei implizites Lernen gewesen. Viele waren in ihrer Jugend ambitionierte Sportler, trainierten für Wettbewerbe als Leichtathleten, Skifahrer, Kunstreiter oder Schwimmer. Was sie allesamt auszeichnet. Sie waren und sind Verkaufstalente – also zumindest die untersuchten Superreichen. Der Faktor Intelligenz für hohes Einkommen ist da wohl eher Nebensache.

Aber um diese Zusammenhänge, die den Exkurs von Krall widerlegen, geht es gar nicht. Krall schürt Ressentiments gegen das politische System in Deutschland. Dafür ist ihm wohl jede Scheinkorrelation recht. Und der Rahmen seines Auftritts ist auch kein Zufall. Die Hayek-Gesellschaft wird mittlerweile als Mistbeet der AfD gesehen.

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