Verkündet den Magnetismus in roten POSe – Das Ende des vodafonistischen Worthülsen-Spektakels

PhrasendrescherNun ist es an der Zeit, das vodafonistische Worthülsen-Spektakel für beendet zu erklären. Mit 19 Prozent ist das Votum deutlich ausgefallen: Die Dopingweisheit aus dem Radsport hat das Rennen gemacht. „Wir geben Dir die Power dazu, wir geben Dir empowerment“.

Diese rotgetünchte Weisheit aus den Zeiten des Existenzialismus hatte die nötige Enkomplexität, um das systemische Paradigma von Niklas Luhmann in Dekomplexität zu transformieren. Denn die Manifestation der Kundenbevorzugung mit Klingeltönen ist eine wichtige Synergie auf dem Wachstumspfad nach der Client first-Strategie „Much more for more“. In Fußgängerzonen steht der Kunde im Mittelpunkt auch wenn er Nichtkunde ist, um ihm Markenversprechen und Kundenversprechen über Markenwesen der Generation upload zu kommunizieren und mit weltweit führenden Mehrwertgeschenken zu begeistern und Markenbotschafter in knallrote POSe zu schicken, die ihren Glauben an den Magnetismus kundtun und die Kopernikanische Wende über Consumer-Vorteilsprogramme sowie Daten-Tarife einleiten.

Die nötigen Schlussworte hat sowieso Don Alphonso vor einigen Wochen gesprochen. Gewinner der systemischen Stilkunde für Vodafonisten ist Anke. Das Opus schicke ich Dir per Post, wenn Du mir Deine Adresse mitteilst.

Basic, Alphonso, Niggemeier, Knüwer und Co.: Die neuen Alpha-Journalisten

Alpha-JournalistenDie Stephan Weichert und Christian Zabel haben ein neues Buch vorgelegt über die Alpha-Journalisten 2.0. Tauchten in ihrem ersten Werk über die Alpha-Journalisten der klassischen Medien noch die üblichen Verdächtigen wie Stefan Aust, di Lorenzo, Diekmann, Illner, Jauch oder Plasberg auf, sind es jetzt Knüwer, Don Alphonso, Niggemeier, Basic oder Sixtus. So ändern sich die Zeiten, auch wenn es Hans Urlich Jörges nicht wahrhaben will: „Die guten Redaktionen sollten ihre Siele geschlossen halten, damit der ganze Dreck von unten nicht durch ihre Scheisshäuser nach oben kommt“, mit solchen Sätzen stellt man nur seine technologische Inkompetenz unter Beweis. Die Suada zwischen der Print- und Onlinewelt verkennt die systemischen Veränderungen, egal, welche Alpha-Tierchen nun gerade saisonal zu den Stichwortgebern zählen. Siehe auch meinen Blogbeitrag „Blogger-Zoff im Handelsblatt: Knüwer und die Identitätskrise des Printjournalismus – Warum sich die Streithähne des Düsseldorfer Wirtschaftsblattes mit dem Luhmannschen Zettelkasten beschäftigen sollten“.

„Die «Alpha-Journalisten 2.0» verändern den klassischen Journalismus – auch den, der noch ganz analog zu den Kunden gebracht wird. Die publizistische Plattform der digitalen Bohémiens, das Internet, ist dabei nicht einfach ein neues, höher entwickeltes Medium; vielmehr saugt es alle bestehenden Massenmedien in sich auf, deutet sie um und definiert ihre Ausdrucksformen und ihre publizistische Wirkung neu. Es ermöglicht neue Formen der journalistischen Produktion, Distribution und vor allem Interaktion. So sind die Enthüllungen von Bildblog.de nicht Ausfluss einer grossen Redaktion von investigativen Journalisten, sondern sie stammen grossenteils von Lesern, die dem Boulevardblatt meist kritisch gegenüberstehen. Ohne die externe Hilfe wäre ein solches Produkt gar nicht möglich, wie Deutschlands bekanntester Blogger, Bildblog-Gründer Stefan Niggemeier, selber sagt“, so Weichert und Zabel.

Während sich Journalisten zunehmend mehr als neutrale Vermittler denn als Kontrolleure der Macht begreifen, zeichne sich die Blogger-Szene durch Nonkonformismus, gesteigerte Meinungsfreude und oft auch durch Ablehnung langatmiger redaktioneller Prozesse aus. Die meisten Wortführer im Internet seien begnadete Netzwerker; der von Markus Beckedahl ins Leben gerufene Blogger-Kongress „re:publica“ ermöglicht ein bundesweites Networking über die Online-Hochburgen in Berlin, Hamburg und München hinaus.

„Die Alpha-Journalisten 2.0 stehen den klassischen staatlichen Strukturen reserviert gegenüber. Die Jungen nehmen Sicherheitsversprechen im Zeitalter der Globalisierung nicht für bare Münze. Zudem setzen sie stärker auf Eigeninitiative und Unternehmertum denn auf korporatistische Karrierewege. Wenn die Sozialstandards langfristig nicht zu halten sind – so die Devise –, dann will man wenigstens Freiheit haben“, schreiben die Autoren in der Einleitung des Buch, die in der NZZ abgedruckt wurde.

Von den „neuen“ Journalisten werde erwartet, dass sie wie selbstverständlich mit Tönen, Texten und Bewegtbildern balancieren. Die Fähigkeit, diese Darstellungsformen zu kombinieren, avanciere zur Schlüsselqualifikation. „Der Journalismus, das lässt sich nach diesem Einblick in die Verfasstheit der Alpha-Journalisten 2.0 festhalten, erfährt den wohl dramatischsten Umbruch seit der Erfindung des Fernsehens“, resümieren Weichert und Zabel.

Stephan Weichert ist Professor für Journalistik und Studiengangleiter an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in Hamburg. Christian Zabel ist Assistent des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Telekom AG und arbeitete zuvor als freier Journalist. „Die Alpha-Journalisten 2.0. Deutschlands neue Wortführer im Porträt“ ist im Verlag Herbert von Halem erschienen.

Knüwer, Don Alphonso und blühende Blog-Landschaften in Deutschland

Handelsblatt-Redakteur Thomas Knüwer analysiert die deutsche Bloggerszene und sieht sehr viel Positives . So verweist er auf den neuen Blog von Don Alphonso, der unter dem Dach der FAZ unter dem Titel „Stützen der Gesellschaft“ über den Niedergang des Bürgertums sinnieren wird.

„Willkommen im Blog der besseren Gesellschaft oder dem, was heute davon übrig ist, in der finanziellen Sorglosigkeit und beim Klassenkampf von oben gegen Neureiche und andere Zumutungen, beim Niedergang von Religion und Stand, bei den Müttern aller Buffetschlachten und ihren Töchtern mit Ehekrisen, über die man nicht redet, wenn mehr als 10 Freundinnen zuhören, fahren Sie mit beim leicht illegalen Geldtransport in die Schweiz und zum Speckkauf nach Meran, seien Sie Gast beim großbürgerlichen Wertekanon und profitieren Sie von dessen Kleingedruckten, setzen Sie sich gefälligst gerade hin, bewundern Sie die Tischdecke und die Bücher, genießen Sie Tee und tantenmordende Torten von Goldrandgeschirr aus erfolgreichen Erbkriegen, und bemühen Sie im Gespräch nur angemessene Dünkel. Erkunden Sie eine Welt, in der die Stützen der Gesellschaft selbst Stützen brauchen, vom Kindermädchen über den Vermögensverwalter bis zum letzten, einsamen Schnaufer am Rollator in der Seniorenresidenz„, so die vielversprechende Ankündigung auf der Website der FAZ.

Spannend dürfte nach Ansicht von Knüwer auch werden, was aus Basic Thinking wird. „Rund 47.000 Euro hat also sein Server- und Web-Hosting-Unternehmen aus Köln hingelegt. Und es ist, wie ich finde, erstmal nicht so übel investiertes Geld. Denn für diese Summe hätte eine Firma mit – mit Verlaub und Entschuldigung an alle Server- und Web-Hosting-Unternehmen – solch einem vergleichsweise langweiligen Geschäftsfeld nicht diese Breitenwirkung in klassischen Medien erreichen können“, so Knüwer.

Zu seinen weiteren Favoriten zählen Weissgarnix oder der die sich in die Finanzkrise eingrabenden Querschüsse. „Auch der Journalistenschredder ist eine meiner subjektiven Entdeckungen 2008, ebenso der eigentlich über Medien schreibende Konsument Stefan Winterbauer. Und dann gibt es noch so hübsche, nicht auf Themen fokussierte Blogs wie Felis Wor(l)d„, resümiert Knüwer. Nicht fehlen in der Aufzählung darf der Blog Netzwertig – für ITK-Interessierte immer eine Fundgrube. Wenn es um politische Debatten geht, bringt die Achse des Guten immer wieder Beiträge, die quer zum Mainstream liegen.