Höchste Auszeichnung für Denkmalschutz geht an die Initiative Beethovenhalle

Gerade hat es auch die Tagesschau berichtet: Im Kieler Schloss sind zehn ehrenamtliche Einrichtungen und engagierte Bürger mit dem Deutschen Preis für Denkmalschutz ausgezeichnet worden. Der Preis – eine silberne Halbkugel – ist die höchste Auszeichnung auf diesem Gebiet in Deutschland. Er wird an Persönlichkeiten und Gruppen vergeben, die sich ehrenamtlich dem Schutz, der Pflege und der dauerhaften Erhaltung des baukulturellen und archäologischen Erbes widmen.

Ausgezeichnet wurde die Initiative Beethovenhalle aus Bonn – darüber habe ich ja bereits berichtet. Seit mehr als einem Jahr engagieren sich drei Kunstgeschichtsstudenten für den Erhalt des Gebäudes aus der Nachkriegszeit. WDR interviewte Constanze Moneke, die zu den Mitinitiatoren zählt: „Die Nachkriegsarchitektur war als Kunsthistoriker kein Neuland für uns, aber die Beethovenhalle kannten wir nicht im Detail. Mit den Einzelheiten, wie beispielsweise Fußbodenmaterial und Stützenverkleidung, haben wir uns erst dann beschäftigt. Ich habe dann auch im Hamburgischen Architekturarchiv im Nachlass von dem Architekten Sigfried Wolske geforscht und manches herausgefunden, was uns in Bonn noch nicht so bekannt war. Zum Beispiel bezüglich des Farbkonzepts der Beethovenhalle. Im Eingangsbereich gibt es eine mitternachtsblaue Decke. Wir hatten immer vermutet, dass diese Farbe erst später angebracht wurde, aber tatsächlich ist es so, dass schon 1959, mit Einweihung der Beethovenhalle, diese Farbgebung vorhanden war“, so Moneke im Gespräch mit dem WDR.

Die Initiative sei bei den Befürwortern des Festspielhauses auf Gegenwind gestoßen. Das sei allerdings nicht sachgerecht. „Wir sind durchaus auch für ein neues Festspielhaus, nur eben nicht auf dem Baugrund der Beethovenhalle. Darüber hinaus wollten wir die Menschen lediglich für die Bauten der fünfziger Jahre sensibilisieren. Ansonsten haben wir in unseren Fachkreisen deutschlandweit nur positive Resonanz bekommen“, sagte die Studentin.

Die Zukunft der Beethovenhalle sei noch nicht gesichert. „Die Diskussion um den Abriss gibt es ja noch. Deshalb wollen wir die Aufmerksamkeit für die Beethovenhalle weiter aufrecht erhalten und uns nach Möglichkeiten für eine Sanierung der Beethovenhalle umzuschauen. Dafür werden in Zukunft arbeiten“, erklärte Moneke.

Ich werde weiter über dieses Thema recherchieren und berichten, auch über die Planungen des Festspielhauses (was ich herausgefunden habe, verrate ich noch nicht).

Siehe auch:
Diskurs über die Nachkriegsmoderne vonnöten – Baudenkmäler wie die Beethovenhalle gehören zur Identität der Bundesrepublik.

Bonner Festspielhausfreunde in Abrisslaune – Wo bleibt der republikanische Geist?

Das nennt man Timing. Die Festspielhausfreunde suchen nach weiteren Argumenten, um die Bonner Politik zu animieren, die Beethovenhalle mit der Abrissbirne ins Jenseits zu befördern und gleichzeitig wird der „Initiative Beethovenhalle des Kunsthistorischen Instituts der Universität Bonn“ der Deutsche Preis für Denkmalschutz 2010 verliehen.

Die Fans des Festspielhauses sollten sich einmal die Mühe machen und die Begründung für die Preisverleihung lesen: „Nachdem Bundespräsident Theodor Heuss im März 1956 den Grundstein zur Bonner Beethovenhalle gelegt hatte, entwickelte sich dieser Bau alsbald nicht nur zum neuen kulturellen Zentrum der Stadt Bonn, sondern auch zum Inbegriff einer sich in modernen Gebäuden darstellenden jungen demokratischen Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland. Bis in die jüngste Zeit behielt die Beethovenhalle sowohl durch ihre architektonische Qualität als auch durch die mit ihr verbundenen politischen Ereignisse ihre weit über die Stadtgrenzen hinauswirkende Bedeutung. Die Öffentlichkeit war überrascht, als die Stadt Bonn im Jahre 2009 erwog, diese einzigartige und nach wie vor beliebte Ikone der Moderne ausgerechnet im 50. Jahr ihrer Existenz der Idee eines neuen Festspielhauses durch Abbruch zu opfern und dafür auch die Denkmaleigenschaft des Hauses zur Disposition zu stellen.….Das Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz würdigt durch die Auszeichnung der ‚Initiative Beethovenhalle des Kunsthistorischen Instituts der Universität Bonn‘ mit der Silbernen Halbkugel ihren beispielgebenden und phantasievollen Einsatz zur Rettung eines Baus von zweifelsfrei überregionaler Bedeutung. Die Initiative ist Vorbild für einen bürgerschaftlich getragenen verantwortungsbewussten Denkmalschutz zur Erhaltung eines der derzeit gefährdeten Baudenkmale der Nachkriegsmoderne.“

Leider erfahren Bauwerke wie die Beethovenhalle nur eine geringe Wertschätzung, so der Tenor eines Netzwerktreffens der Bundesstiftung Baukultur in Köln. Derzeit ergehe es vielen bedeutsamen Bauten der Nachkriegsmoderne so: „50 Jahre wurden die Gebäude sich selbst überlassen; Bauerhaltung, Instandsetzung, Renovierung oder Sanierung erfolgten so gut wie nicht.“ Da ist es doch nicht ganz seriös, den baulichen Zustand der Beethovenhalle als Argument zu verwenden, um das Niederwalzen dieses Gebäudes zu erreichen, wie es die Festspielhausfreunde derzeitig tun: In einem Appell an die Bonner Ratsmitglieder instrumentalisieren sie die Kritik der Beethovenfest-Intendantin am Zustand der Beethovenhalle, um in den Genuss eines Neubaus zu kommen. „Bonn steht vor der Frage, ob die Stadt eine umfassende Sanierung der Beethovenhalle in Millionenhöhe aus eigener Kraft finanzieren kann, oder ob nicht jetzt alle Anstrengungen unternommen werden müssen, um das Angebot eines privat ,schlüsselfertig‘ gebauten und finanzierten Festspielhauses endlich engagiert aufzugreifen.“

Bonn würde weltweit mit der Marke „Beethoven“ werben – aber wenn die Stadt im Jahr 2011 keine Entscheidung für das Beethoven Festspielhaus trifft, wird der 250. Geburtstag Beethovens in Bonn zu einem kulturellen Niedergang, der auch Oper, Theater und Museen schaden wird. Das klingt nach Alarmismus. Etwas mehr republikanische Gelassenheit wäre vielleicht hilfreicher. Warum wollen die Apologeten des Klassiktempels ein Denkmal wegradieren, das wichtig ist für die Identität der Bundesrepublik?

Die Beethovenhalle ist von den zuständigen Fachbehörden unter Denkmalschutz gestellt worden – an ihrer Erhaltung besteht ein öffentliches Interesse. Es ist daher kritikwürdig, wie leichtfertig die „Festspielhausfreunde“ die Halle einfach wegplanen und in Kauf nehmen, dass die Bauherren das Gleiche praktizieren. Die Architekten der Festspielhausentwürfe müssen ausführlich begründen, wenn sie die Beethovenhalle nicht integrieren. Solche Begründungen sind bislang nicht veröffentlicht worden. Der Raum der Beethovenhalle habe bei Valentiny „positive Schwingungen“ ausgelöst, die Anforderungen an eine zeitgemäße Akustik und verschiedene Nutzungsmöglichkeiten könne der „historische Altbau“ aber nicht erfüllen. Wenn man solchen Aussagen liest, zweifelt man an einer gebührenden Beschäftigung mit der Beethovenhalle.

Fakt bleibt, dass ein bedeutendes Baudenkmal systematisch schlechtgeredet wird. Damit verlieren die Festspielhausfreunde an Glaubwürdigkeit und am Ende des Tages auch weitere Freunde!

Es geht auch anders:

Hier die Verabschiedung der Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann:

Siehe auch:
Diskurs über die Nachkriegsmoderne vonnöten – Baudenkmäler wie die Beethovenhalle gehören zur Identität der Bundesrepublik.

Die Bonner Beethovenhalle und der Gründergeist der Bundesrepublik

Selten erfahren Bauwerke einer gerade zurückliegenden Epoche eine große Wertschätzung. Derzeit ergeht es vielen bedeutsamen Bauten der Nachkriegsmoderne so. 50 Jahre wurden die Gebäude sich selbst überlassen; Bauerhaltung, Instandsetzung, Renovierung oder Sanierung erfolgten so gut wie nicht. Deshalb sei es wichtig, so Professor Michael Braum von der Bundesstiftung Baukultur, über dieses Desaster in der Öffentlichkeit vehementer zu streiten, wie es derzeit bei Stuttgart 21 der Fall ist. „Baukultur muss wehtun“, so Braum beim Netzwerktreffen mit Architekten und Publizisten im Kölner „Kulturzentrum am Neumarkt“, das in Kooperation mit dem Haus der Architektur veranstaltet wurde. Man müsse die Nachkriegsmoderne weiterdenken und nicht verdrängen. Man benötige den öffentlichen Diskurs über die Zukunft von Bauten, die zur Identität der Bundesrepublik Deutschland gehören, betonte Jörg Jung von der Initiative „Mut zur Kultur“ in seinem Vortrag. Dazu zähle das Schauspielhaus in Köln und die Beethovenhalle in Bonn.

Die Rede von Jung habe ich aufgezeichnet:
Jörg Jung final

Reimar Molitor sprach über die Regionale:
Reimar Molitor

Auf NeueNachricht erscheint dann noch ein längerer Artikel über das Netzwerktreffen.

Wer mehr über die Beethovenhalle erfahren möchte, sollte die Website der Initiative Beethovenhalle besuchen. Diese studentische Initiative bekommt übrigens den Deutschen Preis für Denkmalschutz 2010. Er wird am 8. November in Kiel verliehen! Hier die Facebook-Präsenz.

Schulklassen und interessierten Bürgern bietet die Initiative auch kunsthistorische Führungen durch die Beethovenhalle an. Anmeldungen unter: fuehrungen@initiative-beethovenhalle.de

Nachtrag:
Hier der NeueNachricht-Artikel: Diskurs über die Nachkriegsmoderne vonnöten – Baudenkmäler wie die Beethovenhalle gehören zur Identität der Bundesrepublik.

Stadtmuseum: Der Kölsche Klüngel lebt! Wie sich ein Geschenk zum Sprengsatz für Steuerzahler entwickeln kann

Klüngel überallIm Streit um den Anbau des Kölners Stadtmuseums hat der Bund deutscher Architekten (BDA) dem Stifterehepaar einen Erpressungsversuch vorgeworfen. Das berichtet der WDR. Das Ehepaar Hans und Marlies Stock hat eine Frist bis Montag (also heute) gesetzt. Bis dahin müsse der von ihnen favorisierte Architekturentwurf vom Rat akzeptiert werden, so die Bedingung für die Stiftung in Millionenhöhe.

„Nach BDA-Ansicht verstößt die im Schenkungsvertrag formulierte Vorgehensweise gegen das europäische Vergaberecht. Auch andere Details des Vertrages bergen aus Sicht des BDA erhebliche Risiken“, berichtet die Kölnische Rundschau.

Der Schenkungsvertrag sehe vor, dass Planung, Bauleistung sowie Projektsteuerung und -leitung von der Stiftung in Auftrag gegeben werden. „Obwohl also die Stiftung und nicht die Stadt als Bauherr auftritt, handelt es sich nach Ansicht des BDA um ein öffentliches Bauvorhaben, das ausschreibungspflichtig ist. Gestützt wird die Auffassung durch Fachanwalt Dr. Stefan Deckers: Auch wenn die öffentliche Aufgabe auf eine private Organisation übertragen werde, sei eine europaweite Ausschreibung notwendig“, so die KR.

Die Schenkung in Höhe von fünf Millionen Euro sei an zahlreiche Bedingungen geknüpft, die der Stadt Köln noch schwer im Magen liegen könnten, berichten Insider in Köln. Der Schenkungsbetrag decke nicht in Ansätzen die Kosten, die mit dem Umbau, der Sanierung und dem Betrieb des Museums verbunden sind. Hier werde dann wieder der Steuerzahler zur Kasse gebeten.

Bedenklich erscheint dem BDA, dass den Stiftern ein weit reichendes Mitspracherecht hinsichtlich der Museumskonzeption eingeräumt werden solle. Bei Verstößen könnten die Stifter (und natürlich auch die Erbengemeinschaft) vom Vertrag zurücktreten und die investierte Summe einklagen. Das „Gestaltungsrecht“ verjähre nicht, sondern vererbe sich. Das heiße, dass selbst ein Ururenkel der Stifter den Betrag zurückfordern könne, wenn er das Konzept für nicht zukunftsfähig halte.

Das Ganze erinnert ein wenig an das Versprechen der Kommunalpolitiker beim Bau der Köln-Arena. Das sollte ja die Stadt keinen Cent kosten und wurde gekoppelt mit dem Bau und der Anmietung des Technischen Rathauses. Hier wurde ein Mietvertrag für 30 Jahre abgeschlossen. „Insgesamt hat die Stadt Köln für die 120.000 Quadratmeter Bürofläche während der Laufzeit des Mietvertrag rund eine halbe Milliarde Euro zu zahlen“, so der Hinweis des inzwischen verstorbenen Soziologen Erwin K. Scheuch.
Scheuch
Welche Rolle damals der Verleger Alfred Neven DuMont spielte, kann man dem Scheuch-Buch „Parteien außer Kontrolle“ entnehmen. Welche Rolle der Verleger beim Stifter-Ehepaar spielt, dürfte den Kölnern ja auch bekannt sein…….Da braucht man nur den Kölner Stadt Anzeiger lesen…..Zitat: „Die Stifter des Anbaus für das Kölnische Stadtmuseum haben ihre Frist verlängert. Ehrenbürger Alfred Neven DuMont hat sich persönlich bei den Mäzenen für einen Aufschub des Ultimatums eingesetzt.“…..“Einmütig stellten die Stifter und Neven DuMont fest, dass sich der Umgang mit Mäzenen dringend ändern müsse. Das sei im Sinne der Stadt. Im Sinne ihrer Bürger.“…..Hm, ja, äh, sehr objektiv berichtet……

RügemerUnverzichtbare Lektüre: Werner Rügemer, Colonia Corrupta: Globalisierung, Privatisierung und Korruption im Schatten des Kölner Klüngel.

Auf den Spuren der Romantik: Route Transromanica

gewoelbeDie Zusammenarbeit, die Einsparung von Kosten und eine schlagkräftigere Vermarktung führte 24 europäische Tourismusmanager in Berlin zusammen. Auf Einladung des sachsen-anhaltischen Verkehrsministeriums besprachen die Experten in der Landesvertretung von Sachsen-Anhalt Strategien für touristische und gleichzeitig kulturell wertvolle Standorte. Die betreffenden Regionen arbeiten im Projekt CrossCulTour und bei der Vermarktung der Route Transromanica zusammen, zu der auch die deutsche Straße der Romanik gehört. Es geht um die Förderung des europäischen Erbes der Romantik, die sich in der Zeit von 950 bis 1250 stilprägend in Kunst und Architektur niederschlug.

Kulturtouristen, die man ansprechen möchte, brächten handfeste ökonomische Argumente mit, erläuterte Dr. Manfred Zeiner vom Beratungsinstitut dwif. Kulturtouristen seien nicht nur an Kunst und Kultur interessiert. Sie würden auch lieber auf Einkaufen gehen, sie schätzen ein attraktives Nachtleben und geben dabei mehr Geld aus.

Matthias Poeschel skizzierte, wie Cross-Marketing auch mit geringen Mitteln funktioniert. Zehn Städte in Deutschland, die teils zum UNESCO-Welterbe gehören und alle einen mittelalterlichen Bezug haben, arbeiten hier zusammen, so der für die Tourismus- und Marketinggesellschaft des Landes Sachsen-Anhalt arbeitende Experte.

„Das Beispiel der Tourismusroute Transromanica zeigt sehr schön, wie sich unterschiedlichste Interessensgruppen zusammenfinden, um ein Ziel zu verfolgen. Man nehme regionale Sehenswürdigkeiten aus verschiedenen Ländern die thematisch zusammenpassen, ergänzt sie um spezielle Kulturprogramme und Shopping-Angebote und lässt sie über exklusive Global Player vermarkten“, so die Erfahrung von Marc-Christopher Schmidt, Geschäftsführer des Reiseportals Triptivity. Alle Beteiligte würden davon profitieren. „Der Tourismus steigt in den einzelnen Ländern – und zwar um die Klientel, die sich genau für diese Angebote interessieren. Die regionale Wirtschaft wird gestärkt – teilweise über Landesgrenzen hinweg. Und die Touristen erleben die Reise in einem unvergesslichem Ambiente. Aus meiner Sicht werden solche pauschale Angebote immer stärker umsetzen“, ist sich der Triptivity-Chef sicher.