Amazing Race: Diktiersoftware Dragon gewinnt gegen die Meisterin im Schnellschreiben

Meisterin im SchnellschreibenSpracherkennung ist nicht nur für Ärzte und Juristen ein heißes Thema. In vielen Berufen muss ein hohes Schreibaufkommen unter Zeitdruck bewältigt werden. „Kein Wunder, dass immer mehr Krankenhäuser und Gerichte nach neuen Wegen suchen. Da ist zunächst der Umstieg auf die Digitaltechnik, die das mühsame Hantieren mit Kassettenbändern ersetzt und zudem den elektronischen Transport der Diktate erlaubt. Dass die Akustik solcher Aufzeichnungen deutlich besser ist, kommt als angenehmer Nebeneffekt hinzu. Der zweite Schritt ist der Übergang zur elektronischen Spracherkennung am PC, wobei in der Regel die Standardsoftware Dragon Naturally Speaking für Windows zum Einsatz kommt. Kein anderes Programm hat eine vergleichbar hohe Erkennungsleistung“, schreibt beispielsweise Michael Spehr von der FAZ.

Wozu Maschinen schon jetzt in der Lage sind, stellte ein Amazing Race am 11. November 2009 in München auf dem Fachkongress Conversations DACH unter Beweis. In einem Mensch-gegen-Maschine-Wettkampf trat Martina Wichers, Deutsche Meisterin im Schnellschreiben, gegen das Spracherkennungssystem Dragon Naturally Speaking von Nuance an. Frau Wichers war unheimlich schnell. Das beweist mein Mitschnitt. Die Software brauchte allerdings nur die Hälfte der Zeit. Hier der Film.
Foto Amazing Race

Tagesanzeiger Schweiz: Menschliche Stimme könnte PIN-Code ersetzen – Ach wäre das schön

His Masters VoiceSpracherkennung eignet sich nach einem Bericht des Schweizer Tagesanzeigers auch zur Stimmerkennung. Die Stimme identifiziert ihren Besitzer so sicher wie der Fingerabdruck. Hatte ich schon mal was zu geschrieben. Die Stimmerkennung sei, was inzwischen auch viele Unternehmen bestätigten, ein ebenso sicheres Identifizierungsmittel wie etwa der Fingerabdruck. Die Anwendung sei für den Benützer unkompliziert, kontaktlos und schnell, erläutert Bommer gegenüber dem Tagesanzeiger. In einem arabischen Land habe eine Bank das System unter dem Namen Voicepay bereits an den Geldautomaten eingeführt, weil zahlreiche Fremdarbeiter Analphabeten seien und mit der Tastatur Mühe hätten.

Und was passiere, wenn man erkältet ist? „Die Frage kommt immer sofort“, sagt Bommer. Doch die Stimme werde auf 154 Kennzeichen analysiert, etwas Heiserkeit vertrage das System schon. Schwierig werde es, wenn die Stimme angesäuselt oder gar betrunken klinge. Aber bei vielen Anwendungen gelte die Stimme allein ohnehin nicht als elektronische Unterschrift, sie sei Teil einer ganzen Kette von Sicherheitsmerkmalen.

Computern gelinge es bereits ganz gut, Gespräche in schriftliche Daten zu übertragen und Stimmen bestimmten Personen zuzuordnen. Nun kommt der nächste Schritt: Der Computer soll die Informationen „verstehen“. „Mit künstlicher Intelligenz meinen die Informatiker, dass ein System Daten selbstständig so analysiert, dass es ohne gezieltes Programm Zusammenhänge herstellen kann. Man würde einem solchen Computer in Klartext eine Frage stellen, und er würde aufgrund seiner Datenbanken die Antwort finden“, so der Tagesanzeiger.

Ein nettes Anwendungsbeispiel gibt es in Australien.

Siehe auch:
Menschliche Stimme statt PIN-Code.

Das Microsoft-Auto – Fahrkomfort durch Internet-Dienste und Sprachsteuerung

C-Kl. Elegance_Cockpit_04Sowohl Microsoft als auch Open-Source-Initiativen sehen ein großes Potenzial für den Einsatz von Internet-Software in Autos. Ein System von Microsoft und Fiat soll nach einem ORF-Bericht den Nutzern dabei helfen, ihren Fahrstil umweltfreundlicher zu machen. „In den USA hockt schon ein virtueller Versicherungsagent mit im Bordcomputer, der risikoreiches Fahren mit höheren Prämien bestraft“, so der Fernsehsender ORF. „Microsoft bringt webbasierte Dienste ins Auto“, kündigte Microsoft-Manager Tom Philipps im Gespräch mit ORF.at an. Seit etwa zehn Jahren spiele Software im Auto eine zunehmend wichtigere Rolle. Microsoft möchte Autoanwendungen um Internet-Dienste erweitern. Philipps bezeichnet das Auto als „Aktivitätsinsel“, da es bisher nicht ins Internet integriert war. Ein Beispiel für die Verschränkung von Fahrzeug und Web sei das eco-Drive-Programm, das der italienische Autohersteller Fiat auf Basis der Software-Plattform „Microsoft Auto“ entwickelte. Hier die komplette Meldung.

Sprachcomputer brauchen mehr Dialogintelligenz – Warum Tonwahlsysteme nerven

Kundenfrust bei klassischen Sprachcomputern
Kundenfrust bei klassischen Sprachcomputern
Klassische Sprachautomaten sind für viele Verbraucher ein Ärgernis. Wenn Firmen schlechte Systeme anbieten, würde das einen schlechten Eindruck beim Kunden hinterlassen, so Professor Elmar Nöth, Experte für Sprachverarbeitung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, gegenüber dem Fachmagazin „Direktmarketing“: „Der Mensch soll sich aber nicht auf die Maschine einstellen, sondern die Maschine auf den Menschen. Billige Systeme führen zu genervten Leuten, und das ist schlecht für Kunden und Unternehmen.“

Sprachautomaten brauchen daher eine sehr ausgefeilte Dialogintelligenz. Davon ist Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge in Berlin, überzeugt. Sprachsysteme sollten nicht nur die Fähigkeit besitzen zu sprechen, sondern müssten sich auch auf das Gesagte einstellen können. Der Anrufer gibt Anweisungen oder stellt Fragen, die vom Computer befolgt oder beantwortet werden. Noch weiter gehen Entwicklungen, die den Anrufer erkennen, seine Emotionen heraushören und sich entsprechend anpassen können. „Die Personalisierung der Dialogsysteme ist ein wichtiger Schritt, um Kundenwünsche vorausahnen zu können auf Basis der Kundendaten. Dann sind differenzierte Services und Auskünfte möglich, je nachdem wer, wann und wo anruft“, erläutert Pape. Der Dialog laufe dann wie folgt: Hallo Herr Herrmann! Oh! Ich sehe, dass Sie in letzter Zeit mehrfach versucht haben sich einzuwählen. Möglicherweise haben Sie Probleme mit…

Von der Sprachsteuerung zum persönlichen Assistenten
Von der Sprachsteuerung zum persönlichen Assistenten
Die alten Tonwahl-Systeme, drücken Sie die 1, wenn Sie ein Problem mit Ihrem Drucker haben, drücken Sie die 2, wenn Sie eine Frage zu neuen Produkten haben, seien nicht mehr zukunftsfähig. „Diktiererkenner werden immer besser und auch die Dialogtechnologie macht enorme Fortschritte. Die Systeme können viel mehr verstehen und die Dialoge werden immer natürlicher“, so Pape zur Weiterentwicklung der Sprachsteuerung. Interessante Dinge könnten in der mobilen Welt passieren. Der Dienst „Google Voice Search“ habe das Potential, sich zu einem persönlichen Assistenten zu mausern.

Call Center auf der Hitliste des Zorns und Sprachcomputer als Kunden-Abfangjäger

Interview mit Genesys-Manager Heinrich Welter
Interview mit Genesys-Manager Heinrich Welter
Call Center wurden in der Vergangenheit nach der industriekapitalistischen Logik auf Effizienz getrimmt nach dem Motto „One size fits all“. Eine sehr kurzsichtige Geschäftspolitik. „Eine reine Fokussierung auf Call Center als Kostensparmaschine und auf die Produktivität von Agenten reicht nicht aus. Man muss die gesamte Interaktion mit den Kunden betrachten, um optimale Services zu bieten“, sagte Heinrich Welter vom Softwarespezialisten Genesys auf der Fachkonferenz G-Force in Barcelona. Das gelte auch für die neuen Kommunikationswege des Web 2.0, die mit den tradierten Kommunikationswegen der Unternehmen harmonisiert werden müssen. Vielfach seien Telefon- und Webdienste noch voneinander getrennt.

„Insgesamt stellen wir bei vielen Firmen fest, dass sie nicht die gesamten Prozesse im Zusammenwirken mit ihren Kunden systemisch durchplanen. Bei einem großen TK-Unternehmen beschäftigt sich beispielsweise eine Geschäftseinheit nur mit dem Verschicken des DSL-Splitters, eine andere Einheit kümmert sich darum, wie ein analoger Anschluss auf DSL umgeschaltet wird, eine weitere Einheit setzt sich damit auseinander, wie man Rechnungen im Internet abwickeln kann. Ein Kundenmanagement aus einer Hand sieht anders aus. Hier setzen wir mit unseren Technologien zur Prozesssteuerung an, um Kunden systemisch bedienen zu können“, so Welter.

Hotlines würden bei Verbraucherbefragungen regelmäßig Spitzenplätze auf der Hitliste des Zorns belegen, weil sie häufig nur als notwendiges Übel betrachtet werden. „Call Center sollen so günstig wie möglich laufen, häufig auch noch ausgelagert in Billiglohnländer. Sprachautomaten verschlimmern das Ganze, wenn sie als Kunden-Abfangjäger fungieren, um Kontakte zum Call Center-Agenten zu verhindern. Hier werden keine Maßanzüge geboten. Man beschränkt sich auf Konfektionsware. Firmen verspielen nicht nur ihre Reputation, sondern handeln sich wütende Kundenanrufe ein, die unter dem Strich zu höheren Servicekosten führen. Deshalb sollte man für reibungslose und exzellente Serviceabläufe sorgen“, erklärte Welter.

Das sei aber nicht nur eine Frage der Technologie, sondern auch eine Frage der Management-Qualität. „Deswegen haben wir eine eigene Business Consulting-Gruppe gegründet. Es reicht eben nicht aus, wenn wir unseren Geschäftkunden sagen, welche Features unsere Technologien haben. Die Genesys-Berater zeigen deshalb auf, wie Prozesse systemisch einwandfrei aufgesetzt werden müssen und wie man alle Kontaktkanäle zum Endkunden ohne Medienbrüche organisiert. Das geht bis zur Aufbereitung der Rechnung, die zur mehr Klarheit im Kundenservice beitragen kann“, führte Welter weiter aus.

Thomas Wind von der Beratungsfirma TellSell Consulting sieht die Notwendigkeit eines ausgefeilten Service Designs. „Unternehmen betreiben einen großen Aufwand, um technisch brillant zu sein und möglichst viele Features zu haben. Beim Kundenservice müsste es genauso sein. Das sollte nach einem Drehbuch ablaufen aus der Sicht des Kunden. Das gilt besonders für die Sprachautomatisierung. Theoretisch sind ja viele bereit, Self Service in Anspruch zu nehmen wie am Bankautomaten oder bei der Online-Buchung von Reisen. Es muss dann allerdings auch perfekt funktionieren, was leider häufig nicht der Fall ist“, monierte Wind in Barcelona. Wenn man die Vorteile eines Services deutlich mache, der rund um die Uhr anonymisiert genutzte werden könne, steigt auch die Akzeptanz.

Generell nimmt Wind eine höhere Sensibilität in der Wirtschaft wahr, einen verlässlichen und persönlichen Kundenservice zu bieten. Sowohl für die „Generation Wählscheibe“ als auch für die „Generation Facebook“. „Auch hier werden Szenarien durchgespielt, ob jede Altersgruppe die Dienstleistungen auch wirklich versteht und richtig damit umgehen kann“, so die Einschätzung von Wind.

Oftmals würden sich die Kundenservice-Einheiten am Ende der Nahrungskette befinden und müssten sich mit Fehlleistungen im Produkt, bei Prozessen und Service herumplagen, kritisiert Bernhard Steimel, Sprecher der Voice Days plus. „Systematische Kundenforschung und lernen aus Kunden-Feedback kann helfen, bestehende Produkte zu verbessern und Service-Innovationen anzustoßen. Auf den Voice Days plus am 6. und 7. Oktober in Nürnberg wollen wir Unternehmen präsentieren, die konsequent diesen Weg gehen. Beispielsweise 02, die auf Basis von Kundenbefragungen das neue Tarifkonzept mit ‚Kosten-Airback’ entwickelt haben“, so der Ausblick von Steimel. Unter dem Motto „Service für die Facebook-Generation“ werden weitere Firmen wie eBay, Cosmos direct oder auch Audi darstellen, wie man Kunden zum Impulsgeber für Prozessoptimierung und Service-Design einsetzen könne.