Drohnen statt Panzer? Rüstungsstrategie für die Bundeswehr

In einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung hinterfragen Thomas Ramge und Patrick P. Rose die aktuellen Investitionsentscheidungen der Bundeswehr. Sie argumentieren, dass flexible Drohnensysteme kosteneffizienter und effektiver sein könnten als traditionelle Waffensysteme wie Kampfflugzeuge und Panzer. ​

Kritik an traditionellen Waffensystemen

Ramge und Rose weisen darauf hin, dass der amerikanische Kampfjet F-35 trotz einer Investition von 1,8 Billionen Dollar erhebliche Mängel aufweist. Nach sechs Jahren Tests unter Kampfbedingungen gebe es Probleme mit der Zuverlässigkeit und Instandhaltung, unpräzise schießende Kanonen und Schwachstellen in der Cybersicherheit.

Elon Musks Einschätzung

Techunternehmer Elon Musk wird mit den Worten zitiert: „Bemannte Kampfflugzeuge sind im Zeitalter der Drohnen überflüssig.“ Ramge und Rose betonen, dass Musk in der Einschätzung technologischer Paradigmenwechsel eine gute Bilanz vorweisen kann. ​

Effektivität von Drohnen in aktuellen Konflikten

Die Autoren heben hervor, dass russische Drohnen in kurzer Zeit ein Viertel aller teuren A1-Abrams-Panzer eliminiert haben, die das ukrainische Militär von den Amerikanern erhalten hatte. Zudem wäre die große Defensivleistung der ukrainischen Armee ohne den konsequenten Einsatz ihrer Drohneneinheiten nicht denkbar gewesen. ​

Der Soldat als „Ironman“

In den Innovationslaboren des US-Militärs habe sich das Bild des Soldaten als „Ironman“ durchgesetzt. Der zukünftige Kampfanzug eines Soldaten werde einen Großteil konventioneller Kugeln abfangen können, präzise Warnungen vor möglichen Angriffen liefern und mit einer Schulterdrohne ausgestattet sein, die einen Überblick über das Kampfgeschehen verschafft. Diese „Ironmen“ seien untereinander vernetzt und trügen leichte Waffen mit hoher Feuerkraft, die große Waffensysteme außer Gefecht setzen könnten.

Chance für die NATO

Ramge und Rose sehen in dieser Entwicklung eine große Chance für die NATO. Obwohl Russland hohe Summen in Rüstung investiere, könne es mit der vereinten Innovationskraft der westlichen Welt nicht mithalten. Allerdings nutze die NATO ihre strukturelle Überlegenheit bei militärischer Innovation nicht ausreichend, da sie sich zu stark auf die Innovationskraft der USA verlasse und einen zu großen Teil ihrer militärischen Forschungsausgaben in Waffensysteme der Vergangenheit stecke.

Notwendigkeit eines Umdenkens

Die Autoren fordern ein radikales Umdenken in den Beschaffungsbehörden. Diese müssten kleinere und agilere Vertragspartner akzeptieren und Einkaufsregeln ändern. Es sei notwendig, Waffensysteme zu erwerben, deren technische Reife niedriger ist und die erst auf dem Schlachtfeld verbessert werden. Diese Try-and-Error-Vorgehensweise sei die eingebaute Logik radikaler Innovation. ​FAZ.NET

Fragen für die Koalitionsverhandlungen

Angesichts dieser Entwicklungen sollten in den aktuellen Koalitionsverhandlungen folgende Fragen diskutiert werden:

  • Investitionsstrategie: Sollte die Bundeswehr weiterhin in traditionelle Waffensysteme investieren oder den Fokus auf moderne Drohnentechnologie und flexible Einsatzkräfte legen?​
  • Innovationsförderung: Wie kann Deutschland die Entwicklung und Integration von Drohnentechnologie vorantreiben, um mit internationalen Standards Schritt zu halten?​
  • Ausbildung und Taktik: Welche Anpassungen sind in der Ausbildung und den taktischen Konzepten der Bundeswehr notwendig, um den Anforderungen moderner Kriegsführung gerecht zu werden?​

Die Antworten auf diese Fragen könnten entscheidend dafür sein, wie effektiv und zukunftsfähig die Bundeswehr in den kommenden Jahrzehnten aufgestellt ist.

Ein Gedanke zu “Drohnen statt Panzer? Rüstungsstrategie für die Bundeswehr

  1. gsohn

    Deutschland hat im Dezember 2022 den Kauf von 35 F-35A-Kampfflugzeugen für die Bundeswehr beschlossen. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages genehmigte dafür Mittel in Höhe von rund 8,3 Milliarden Euro.

    Dieses Budget umfasst nicht nur die Flugzeuge selbst, sondern auch Triebwerke, missionsspezifische Ausrüstung, Ersatzteile, logistische Unterstützung, Ausbildung und Bewaffnung. Die ersten Maschinen sollen im Jahr 2026 in Dienst gestellt werden, mit einer Stationierung am Fliegerhorst Büchel ab 2027.

    Die 8,3 reichen nicht. In Büchel, meinem Heimatgeschwader, werden 1,5 Mrd. investiert. Rund die Hälfte davon entfällt auf den sogenannten „F-35 Campus“.

    Man kann sagen, dass von den 100 Mrd. Sondervermögen alleine 10% oder mehr auf ein einziges von den Amerikanern gekauftes Waffensystem draufgehen.

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