Damit Volkswirtschaften nicht in Routine ersticken: Neue Unternehmen braucht das Land #Ampelkoalition @VBanholzer @OlafScholz @BMWi_Econ @Breitseiten @KfW_Research @rafbuff @SPRIND

„Der von FDP oft beklagte Mangel an Unternehmertum, Gründergeist und universitären Ausgründungen soll mit einem ‚echten Innovationsschub‘ vorangebracht werden. Den erforderlichen Wandel der Mentalität wollen die Koalitionäre mit ‚Science-Entrepreneurship-Initiativen‘ bewerkstelligen“, schreibt Professor Volker Banholzer in einem Beitrag über den Ampel-Koalitionsvertrag auf LinkedIn. Explizit verweist Banholzer auf die DATI als neue Innovationsagentur. Hier werden vor allem dezentrale Innovationspotenziale adressiert.

Die neue Agentur soll Hochschulen, Universitäten, den Mittelstand und Start-ups in einen gemeinsamen Austausch bringen.

„Hier haben die Koalitionäre die Idee der Transfergesellschaft (FDP) und der D.Innova (Bündnis90/Die Grünen) zusammengebracht. Die neue Agentur soll DATI heißen, die Deutsche Agentur für Transfer und Innovation. Eine solche Agentur kann die Lücke schließen, die die deutsche F&I-Politik noch beim Typus einer Transferagentur aufweist. Die neue Agentur soll demzufolge zusätzlich als Ergänzung zur bereits bestehenden Agentur für Sprunginnovationen treten. Letztere soll wohl in Zukunft mehr Freiheiten erhalten, um ihrem Auftrag besser gerecht werden zu können.“

Da bin ich gespannt. Seit dem Jahr 2000 haben wir eine negative Bilanz bei den Gründungen. Die Pandemie hat das noch verstärkt. Wenn wir hier nichts leisten, erstickt unsere Volkswirtschaft in Routine. Übrigens auch der Gründungsgeist ist auf einem Tiefpunkt angelangt: https://ichsagmal.com/2021/11/23/rueckschlag-fuer-gruendungsgeist-durch-corona-krise-kfw_research-digitalx

Ob jetzt eine neue Agentur den nötigen Schub bringt, wage ich zu bezweifeln. An der Agentur für Sprunginnovationen erkennt man sehr gut, wie viel Vorlauf nötig ist, um arbeitsfähig zu werden.

Generell schaffen wir eine Erneuerung von Wirtschaft und Gesellschaft nur mit neuen Unternehmen fernab des Manager-Kapitalismus der Konzerne.

Lesung im buchLaden 46.
Mit dem Moderator des Leseabends: David Eisermann.

In meinem Beitrag für das Buch „Schöpferische Zerstörung und der Wandel des Unternehmertums – Zur Aktualität von Joseph A. Schumpeter“ habe ich das ausführlich dargelegt. Auszug:

Man könnte annehmen, dass nach der protestantischen Ethik von Max Weber vernünftige Sparsamkeit, eine bescheidene Lebensweise und der Erhalt einer soliden Grundlage für Unternehmen ausreichend seien, um an der Spitze zu bleiben. Schumpeter vertritt jedoch die These, jede Firma, die sich auf eine derartige Routine beschränkt, werde schon bald von offensiver agierenden, risikofreudigeren, wettbewerbsorientierten Unternehmen verdrängt werden. Die Einführung neuer Produktionsmethoden, die Erschließung neuer Märkte, überhaupt die erfolgreiche Durchsetzung neuer geschäftlicher Kombinationen hat Fehlerquellen, Risiken und begegnet Widerständen, die in der Bahn der Routine fehlen. In seinem Werk „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ schreibt Schumpeter: Erfolge habe in erster Linie jener, der das Neue am besten organisiert.

Die Deutschen verstanden es im 19. Jahrhundert besser als die Briten, die Textilindustrie zu organisieren, selbst wenn sie wenig zu deren maschineller Technologie beitrugen. Ein Innovator zeichnet sich vor allen Dingen durch die Kunst der Kombinatorik aus. Innovationen entstehen eben nicht nur durch Erfindungen: „Nur dann erfüllt er (der Unternehmer, gs) die wesentliche Funktion eines solchen, wenn er neue Kombinationen realisiert, also vor allem, wenn er die Unternehmung gründet, aber auch, wenn er ihren Produktionsprozess ändert, ihr neue Märkte erschließt, in einen direkten Kampf mit Konkurrenten eintritt.“ (Schumpeter 2006, S. 174)….

Wer die ökonomische Welt nur in Aggregatzuständen betrachtet, verliert die wesentlichen Quellen wirtschaftlicher Kreativität und technologischer Entwicklungssprünge aus dem Auge. Das ist das Manko von Makroökonomen. Sie unterschätzen die tiefgreifende wirtschaftliche und gesellschaftliche Rolle von unvorhersehbaren Innovationen, die zu nachhaltigen Veränderungen einer Volkswirtschaft beitragen. Wir setzen keine Akzente in der Wirtschaftspolitik, um uns von den Anachronismen der untergegangenen Industriewirtschaft zu befreien, wie es der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser ausdrückt. (Abelshauser 2004, S. 453)

Das gilt übrigens nicht nur für Makroökonomen, sondern auch für die Wirtschaftspolitik.

Erfolgversprechend im Ampel-Vertrag ist die Ausrichtung auf regionale Ökosysteme. Das sieht auch Hermann Simon so:

„In vielen deutschen Regionen gibt es jahrhundertealte Kompetenzen, die ihr Licht bis in die Gegenwart werfen. Heute spricht man von industriellen Ökosystemen. So wurden im Schwarzwald seit jeher Uhren gefertigt, was feinmechanische Fähigkeiten erfordert. Schließlich gilt die Uhrmacherei als ‚Schlüsseltechnologie des Industriezeitalters‘. Aus dieser Tradition sind in der Schwarzwaldregion mehr als 500 medizintechnische Firmen entstanden.“ Oder Firmen wie Bizerba auf der Schwäbischen Alb in der Lebensmitteltechnologie. Gleiches gilt für Göttingen. „Wieso findet man dort 39 Hersteller von Messtechnik? Die Erklärung liegt in der mathematischen Fakultät der Universität Göttingen, die über Jahrhunderte weltweit führend war. Eine dieser Firmen gehen auf Prinzipien zurück, die Carl Friedrich Gauss entdeckte. Der frühere Siemens-Vorstand Edward Krubasik bemerkte: „Deutschland nutzt die Technologiebasis, die bis ins Mittelalter zurückgeht, um im 21. Jahrhundert erfolgreich zu sein.“ Nachzulesen im neuen Hidden-Champion-Opus von Hermann Simon.

Gleiches gilt übrigens für die Kultur, wie Ingrid Bodsch, frühere Leiterin des Bonner Stadtmuseums, eindrucksvoll im Sohn@Sohn-Studio geschildert hat.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.