#Notizzettel Mittelstand in der Plattform-Ökonomie – Es geht nicht nur um Endkonsumenten-Themen

Die Kundenkommunikation hat sich nicht nur durch Corona hochgradig digitalisiert: Etwa 80 Prozent der Kundenkontakte finden in digitalen Touchpoints statt, der E-Commerce boomt in allen Sektoren und selbst in Traditionsbranchen gibt es rein digitale Produkte, etwa digitale Kollektionen in der Mode. Grundlage solcher Geschäftsmodelle sind digitale Plattformen, die damit zur kritischen Infrastruktur für die Unter- nehmen werden: Sie bilden die Basis für den Geschäftsbetrieb. 

Aufbruch in die Plattformökonomie 

Digitale Plattformen vereinfachen den Kontakt zu Kunden, Geschäftspartnern oder Mitarbeitern und erlauben neue Geschäftsmodelle wie beispiels- weise „Pay-per-Use”. Sie sind die grundlegende Infrastruktur für Entwicklung und Betrieb digitaler Dienste und Geschäftsmodelle. Digitale Plattfor- men zeichnen sich durch die fünf folgenden Merkmale aus: 

» Bei Plattformen handelt es sich um daten- oder softwarebasierte Anwendungen oder Websites. » Interaktion und Wertschöpfung laufen maßgeblich über die digitale Plattform. 

» Nutzer sind Kunden, Partner und/oder Mitarbeiter eines Unternehmens oder Ökosystems. 

» Sie generieren ihren Wert durch direkten oder indirekten digitalen Umsatz (Nutzungsgebühr, E-Commerce etc.). 

» Sie beruhen auf standardisierten IT-Infrastruktur- komponenten. 

Digitale Plattformen für B2C- und B2B-Märkte 

Es gibt zwei Arten von B2B-Plattformen: Daten- und transaktionszentrierte Plattformen (Quelle). Datenzentrierte Plattformen sammeln und speichern Informationen und bieten eine Infrastruktur für deren Austausch, Analyse und Auswertung an. Damit erzeugen sie neue Erkenntnisse und ermöglichen die Entwicklung neuer datenbasierter Geschäftsmodelle und Dienstleistungen. 

Zu den datenzentrierten Plattform gehören Plattformen für das Internet der Dinge (IoT, Internet of Things) und den Datenaustausch. So richtet sich Adamos an den Maschinenbau und die Industrie. Das Angebot ermöglicht die Vernetzung von Produktionsprozessen, Maschinen und Anlagen oder Produkten. Datenaustausch-Plattformen wie Advaneo erlauben den Transfer und die Analyse von beliebigen, unternehmensrelevanten Daten. 

Zu den transaktionszentrierten Plattformen gehören Marktplätze, Retail- und Fertigungsplattformen einerseits sowie Supply-Chain-/Logistikplattformen andererseits. So bietet der Online-Fertiger Facturee ein Netzwerk mit mehr als 500 Partnern aus der Industrie und die Logistikplattform Transporeon vermittelt zwischen Versendern und Logistikern. Zudem gibt es viele Vernetzungsplattformen wie Sparrow, bei dem die teilnehmenden Unternehmen einen Pool an Ersatzteilen bilden. 

Wertschöpfung durch Sammlung von Daten entsteht erst, wenn sie zusammengeführt und angereichert werden. 

Die REWE Group nutzt den Sprachassistenten CINDE für Customer Insights und personalisiertes Marketing. Dafür verknüpft das System interne Daten mit aktuellen Marktdaten. (Video

Datenanalysen helfen, Szenarien zu entwickeln, die Planung zu optimieren und schnell auf Marktentwicklungen zu reagieren. 

Die SOMA-Plattform von Softgate erfasst und visualisiert Maschinendaten, die mit KI-Verfah- ren analysiert werden. Unternehmen können damit ungeplante Maschinenstillstände minimieren und die Gesamtanlageneffektivität (OEE) verbessern. Die Plattform ist in vielen Bereichen der Fertigung zu nutzen und durch nachgerüstete Sensorik auch für ältere Anla- gen nützlich. 

Die Eschborner Firma Innoplexus bietet eine Datenplattform für die Pharmaforschung. Mit Künstlicher Intelligenz sucht das Unternehmen nach Wirkstoffen zur Behandlung vieler Krankheiten – auch Covid-19. Die Plattform untersucht in wenigen Stunden Millionen von Molekülstrukturen. Normalerweise dauert die Entwicklung neuer Medikamente Jahre, das Unternehmen will diese Zeitspanne mit KI erheblich verkürzen.

Datenzentrierte B2B-Plattformen

Datenplattformen ermöglichen über die Vernetzung von Produktionsprozessen, Maschinen oder Produkten die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Dienstleistungen. Die gesammelten Daten werden analysiert, weiterverarbeitet und für datenbasierte digitale Angebote genutzt.

Die Datenplattform DMIx-Cloud des Deut- schen Modeinstituts (DMI) erleichtert welt- weite, saisonale Mode- und Farbtrends aus und bestimmt die exakten Farbcodes. Hersteller können damit Mode produzieren, die sich gut mit anderer Kleidung kombinieren lässt.

Der mit Datenplattformen mögliche freie Zugang zu offenen Daten (Open Data) erleichtert den Aufbau von Ökosystemen für datengetriebene Anwendungen. Der nötige Datenaustausch geschieht dabei mit Standards wie EDI (Electronic Data Interchange).

ContiConnect verarbeitet die Reifendruck- und Temperaturdaten der gesamten Fahrzeugflotte eines Unternehmens und warnt die Fahrer bei Problemen. Die Reifeninformationen werden aktualisiert, wenn ein Fahrzeug an einer Messstation auf dem Betriebsgelände vorbei- fährt. Die Sensoren an den Fahrzeugen können auch nachgerüstet werden.

Facturee ist ein Online-Fertiger mit einem Produktionsnetzwerk aus mehr als 1.000 Fertigungspartnern für CNC, 3D-Druck, Blech- bearbeitung und Oberflächentechnik. Über 8.000 Maschinen garantieren freie Kapazitäten und kurze Lieferzeiten. Ein KI-gestütztes Zulieferer-Matching stellt sicher, dass jedes Projekt einen geeigneten Fertiger findet.

Wir diskutieren diese Studie mit dem Co-Autor und Analysten Bernhard Steimel. Am Mittwoch, um 11 Uhr.

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