Wie gehen wir mit dem Tod um? Überlegungen nach dem Riverboat-Interview mit Marianne Koch @mdrde

Marianne Koch hat in der Talkshow Riverboat etwas Wichtiges zu Ihrem neuen Buch „Alt werde ich später: Neue Wege, um geistig und körperlich fit zu bleiben“ gesagt:

Die Relevanz von sozialen Kontakten im Alter. Es sei wichtig, rechtzeitig dafür zu sorgen, „dass ich nicht alleine bin. Man kommt über den Verlust eines Menschen, mit dem man sehr lange sehr gut zusammen gelebt hat, nicht hinweg. Aber man hat Familie, man hat Freunde, man interessiert sich für alle möglichen Dinge. Mit dem Verlust muss man leben. Soziale Kontakte sind wichtig“, erklärt Koch.

Der Tübinger Theologe und Systematiker Eberhard Jüngel hat sich in dem Opus „Tod“, erschienen im GTB-Verlag, intensiv mit den religiösen, philosophischen und soziologischen Aspekten des Todes beschäftig. Ein Satz trifft auch meine Lebenssituation seit dem plötzlichen und nicht vorhersehbaren Tod meiner lieben Frau Miliana am 6. Mai 2019: „Der Tod des Anderen, insbesondere der des Nächsten, ist ein mein Dasein betreffender Verlust von Möglichkeiten meines eigenen Existierens.“

Alles, was an schnellen Kommentaren kommt, von „die Zeit heilt alle Wunden“ bis „das Leben geht weiter“ ist in unseren Tagen eine Verdrängung des Todes. Es gibt seit langer Zeit das Phänomen, den Tod aus der Gesellschaft zu entfernen und zur Tagesordnung zurückzukehren. „Damit verbunden ist die Tendenz, den Trauerfall aus dem öffentlichen Bewusstsein zu eliminieren. Das kann durchaus auch durch die Inszenierung eines Staatsbegräbnisses geschehen, die den Trauerfall zum – respektablen – Schauspiel macht, aber ach, zum Schauspiel nur“, schreibt Jüngel. Auf Facebook oder Twitter wird dann höchstens noch R.I.P. gepostet, um sich danach wieder angenehmeren Themen zu widmen. Pflichtübungen. Nicht mehr.

Das Leben neu zu sortieren, den Verlust der Möglichkeiten des eigenen Existierens zu bilanzieren, sich nicht aufzugeben, über den Tod und über ein Leben nach dem Tod nachzudenken, die Liebe meines Lebens nicht zu vergessen, den Zusammenhalt der Kernfamilie zu organisieren und die von Marianne Koch angesprochenen sozialen Kontakte anzugehen, all das prägt nunmehr mein Leben, meinen Alltag.

Es ist ein schwerer Gang, auch wenn es in den beruflichen Projekten, Live-Formaten, Interviews und sonstigen Postings im Social Web anders wirkt. Miliana fehlt mir sehr.

Ein Gedanke zu “Wie gehen wir mit dem Tod um? Überlegungen nach dem Riverboat-Interview mit Marianne Koch @mdrde

  1. Guter Beitrag, hab mich lange mit diesem Tabu beschaeftigt und dann einen Text im Blog verfasst, wer ihn lesen will, moege mir folgen. Thank you – ein wichtiges Thema und danke fuer den Beitrag …

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