“ich reiße hinter Türen ohne Schlösser die alte Tapete ab, das Notizbuch der Zeit“ #DasLiterarischeSommerinterview

Autorenfoto: Yavuz Arslan

#DasLiterarischeSommerinterview in Bonn-Duisdorf am Freitag 19 Uhr mit #DincerGücyeter: “ich reiße hinter Türen ohne Schlösser die alte Tapete ab, das Notizbuch der Zeit“.

Was der Lyriker in seinem Gedichtband „Aus Glut geschnitzt“ bildstark und sprachgewaltig begann, findet in der neuen Sammlung seine radikale Fortschreibung. Radikal, weil die neuen Gedichte noch tiefer nach den Wurzeln seiner Herkunft graben, noch gründlicher das Geflecht familiärer Bindungen ausleuchten, die Herausforderungen des Aufbruchs ins Neue, ins Ungewisse, den manchmal tödlichen Clash gesellschaftlich tradierter Vorstellungen mit anderen Lebensweisen. Ob die Texte ihren geografischen Ort in einem anatolischen Dorf oder in der Prostituierten-Szene Istanbuls haben, in einem kindlichen Fantasiereich oder in der niederrheinischen Provinz, der Gedichtband „Mein Prinz, ich bin das Ghetto“ verwebt sie zu einer die Vielfalt der menschlichen Existenz umspannenden Welt.

Sein Opus ist auf der SWR-Bestenliste. Dort steht: „Dinçer Güçyeter, geboren 1979, ist eine vielseitige Begabung. Er machte eine Ausbildung zum Werkzeugmechaniker, hat als Schauspieler am Theater gearbeitet, gründete 2012 den Elif Verlags für Lyrik und ist darüber hinaus und vor allem selbst ein Lyriker von Format. Sein neuer Gedichtband ist Selbstbefragung und Dialog zugleich. Das Ich, das hier spricht, begibt sich auf die Spuren seiner Herkunft, seiner Prägung, seiner Sprache, die nicht nur eine ist und sich aus unterschiedlichen Quellen speist: ‚im Jahr 1983, Deutschland‘, so heißt das erste Gedicht und es zeigt die Mutter:

müde sitzt sie am Küchentisch
ihre Schultern hängen wie eine Seilbrücke
zwischen zwei entschwundenen Heimaten
entfernt die Fäden der grünen Bohnen
als sie meinen Atem im Nacken spürt, murmelt sie
diese blöden Fäden sind wie Lederriemen

Schon in diesem Auftakt klingen zentrale Motive an, die Güçyeter dann weiter ausführt. Es ist die Brücke zwischen Anatolien, woher die Eltern kommen, und dem Rheinland, wo der Sohn geboren wird.“

Wir freuen uns auf den Besuch von Dincer in Bonn-Duisdorf. Vorher solltet Ihr noch schnell den Gedichtband zur Vorbereitung des Sommerinterviews besorgen 🙂

Man hört, sieht und streamt sich am Freitag. Wer vorkommen möchte, sollte sich auf der Eventseite auf Facebook anmelden.

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