Das KZ-Dachau und die Überlebensmusik

Markus Kreul beim Beethoven Filmfest in Bonn.

„Quälend langsam streift die Kamera über das Gelände der Dachauer KZ-Gedenkstätte, ihr kaltes erfasst Auge das riesige Areal, bleibt an der zynischen Inschrift ‚Arbeit macht frei‘ am Haupttor hängen. Dann setzt die Musik ein, lässt sofort Gedankenfetzen von allem, was man je über Leid und Tod der Opfer des Nazi-Terrors erfahren hat, ins Hirn springen. Es ist das ‚Dachau-Lied‘, gespielt vom Pianisten und Hochschullehrer Markus Kreul. Das Dachau-Lied haben die KZ-Häftlinge Jura Soyfer und Herbert Zipper unter unmenschlichen Bedingungen geschrieben und komponiert“, schreibt die SZ.

Kreul spiele es so, wie Zipper es 1988 in einer österreichischen Musikzeitschrift sein Lied beschrieben hat: „Es ist nämlich viel stärker, in allen Kunstwerken, wenn es sich um die menschliche Bestialität handelt, nicht die Gewalttätigkeit selbst zu zeigen, sondern sie in der Vorstellung des Zuhörers entstehen zu lassen, weil die Vorstellung immer stärker ist als die Wirklichkeit.“

Zum 76. Jahrestag der Befreiung des KZs Dachau am 29. April 1945, stellt die KZ-Gedenkstätte den Podcast „Das Dachau-Lied“ auf ihre Homepage. Er ist Teil einer ganzen Serie von Kreul mit dem Motto „Die Kraft der Musik“. 

Es spannt einen Bogen von den Ursprüngen und ersten Klängen über die Klaviermusik namhafter und unbekannter Künstler bis hin zur Bedeutung und Wirkung von Musik in deren Leben – und im Leben von Markus Kreul.

Episode 4 folgt am Donnerstag.

Meinem Großvater Wilhelm Sohn hätten die Musikstücke sicherlich gut gefallen. Er hat das KZ-Dachau nicht überlebt und ist vor der schon beschlossenen Deportation nach Auschwitz an den Folgen von Unterernährung in Bendorf-Sayn bei Koblenz gestorben.

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